Die mit Spannung erwartete Obduktion des gestrandeten Buckelwals auf der dänischen Urlaubsinsel Anholt hat begonnen. Ausgestattet mit Schutzanzügen und Notizblöcken machten sich die Experten am Donnerstag an die Arbeit, um den gelb-bräunlichen Kadaver zu vermessen und zu öffnen. Schaulustige und Medienvertreter versammelten sich um das Tier, das seit Wochen Schlagzeilen macht.
Erste Schritte der Obduktion
Zunächst wurde der stark aufgeblähte Kadaver mit einem länglichen Messer aufgeschnitten, um die eingeschlossenen Fäulnisgase abzulassen. Danach öffneten die Fachleute den Wal und zerteilten ihn. Rund um das Tier lagen bereits Organe und Eingeweide. Wer zuschauen wollte, musste einen starken Magen mitbringen, denn der Verwesungsgeruch war intensiv. Aus Sicherheitsgründen mussten die Zuschauer ausreichend Abstand halten.
Experten ohne Masken
Das Team aus dänischen Forschern arbeitete ohne Masken. „Wir haben in Dänemark schon bei vielen gestrandeten Walen zusammengearbeitet, daher sind wir eigentlich alle an den Geruch gewöhnt“, sagte die beteiligte Forscherin Charlotte Bie Thøstesen. Aus der Ferne verfolgte auch das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern die Obduktion, wie eine Sprecherin mitteilte. Man stehe mit den Behörden vor Ort in Kontakt. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace und das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund wollten per Stream dabei sein und drängen auf die Ergebnisse.
Ziele der Untersuchung
Die Experten wollen die genaue Todesursache des Buckelwals ermitteln. Zudem soll geklärt werden, ob es sich tatsächlich um ein Weibchen handelt, wie bereits vermutet. Dazu werden unter anderem Hautproben für einen DNA-Test entnommen. Für die gesamte Obduktion waren etwa sechs Stunden veranschlagt.
Laut Thøstesen sind solche Untersuchungen wissenschaftlich besonders wertvoll, da Buckelwale in ihrem natürlichen Lebensraum im Meer nur schwer erforscht werden können. „Wenn wir hier in Dänemark gestrandete Wale finden, nutzen wir sie, um Erkenntnisse über die wildlebenden Tiere zu gewinnen“, erklärte sie. Auch das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund hat um die Ergebnisse gebeten.
Knochen für die Sammlung
Die Knochen des Tieres werden ebenfalls entnommen und teilweise in die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Kopenhagen aufgenommen. „Wir werden nicht das gesamte Skelett des Wals konservieren, sondern nur bestimmte Knochen“, sagte Thøstesen, darunter Flossen- und Beckenknochen.
Weiteres Vorgehen
Der Kadaver des Buckelwals sollte voraussichtlich noch am Donnerstag auf Anholt bleiben. Der für Donnerstag oder Freitag geplante Abtransport wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, wie eine Sprecherin der Fährgesellschaft Anholt Greena mitteilte. Die Reste des Kadavers sollen Anfang der kommenden Woche von der Insel abtransportiert werden, erklärte Morten Abildstrøm vom dänischen Amt für Naturverwaltung. Einheimische wünschen sich, dass der Wal verschwindet, da sie befürchten, dass er Badegäste an dem beliebten Strand abschrecken könnte.



