Vor der Küste Mexikos haben Meeresbiologen eine spektakuläre Jagdtechnik von Orcas beobachtet und gefilmt. Die Schwertwale rammen tote Mondfische mit hoher Geschwindigkeit und zerlegen sie dabei in zahlreiche kleine Stücke. Die Beobachtungen wurden in einer Studie veröffentlicht, die im Fachjournal Frontiers in Ethology erschienen ist. Grundlage sind Videoaufnahmen aus den Jahren 2024 und 2025 vor der Küste des mexikanischen Bundesstaates Baja California Sur im Golf von Kalifornien.
Präzises Zusammenspiel der Orcas
Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie ein ausgewachsener Orca den Kadaver eines Spitzschwanz-Mondfisches im Maul hält. Ein zweites erwachsenes Tier schwimmt mit hoher Geschwindigkeit auf den Fisch zu. Im letzten Moment lässt der erste Orca die Beute los, bevor der zweite sie rammt. Durch den Aufprall wird das Gewebe des Mondfisches in viele kleine Stücke zerrissen. Anschließend beginnt ein Jungtier, die kleineren Fleischstücke zu fressen, während die erwachsenen Tiere die größeren Überreste aufnehmen. Die Forscher beschreiben das Verhalten als genau abgestimmte Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe.
Größte Knochenfische der Welt
Mondfische gehören zu den größten Knochenfischen der Erde. Einzelne Arten können mehr als 900 Kilogramm wiegen und eine Höhe von über vier Metern erreichen. Ihre dicke Haut schützt sie vor vielen Fressfeinden. Orcas zählen jedoch zu den wenigen Tieren, die selbst ausgewachsene Mondfische erbeuten können. Bereits seit den 1990er-Jahren sind Angriffe von Orcas auf Mondfische im Golf von Kalifornien bekannt. Das jetzt dokumentierte Verhalten geht jedoch einen Schritt weiter: Die Tiere zerteilen ihre Beute gezielt durch kräftige Rammstöße. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Technik vor allem beim Spitzschwanz-Mondfisch eingesetzt wird.
Training oder Spiel?
Warum die Orcas ihre Beute auf diese Weise bearbeiten, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Nach Einschätzung der Autoren könnte das Zerteilen den Jungtieren die Nahrungsaufnahme erleichtern. Ebenso denkbar sei, dass erwachsene Tiere ihren Nachwuchs auf diese Weise an Jagd- und Fressverhalten heranführen. Eine weitere Erklärung lautet, dass das Verhalten spielerische oder soziale Funktionen erfüllt. Orcas sind dafür bekannt, sich intensiv mit ihrer Beute zu beschäftigen und neue Verhaltensweisen innerhalb ihrer Gruppen weiterzugeben.
Verhalten könnte weitergegeben werden
Fachleute gehen davon aus, dass solche Jagdtechniken über Generationen innerhalb einer Orca-Gruppe weitergegeben werden können. Die Tiere gelten als hochintelligent und zeigen immer wieder komplexe Formen der Zusammenarbeit. Auch bei anderen Beutetieren setzen Orcas koordinierte Angriffe ein. In den vergangenen Jahren sorgten Orca-Gruppen vor der Iberischen Halbinsel für Schlagzeilen, nachdem sie wiederholt Boote gerammt hatten.



