Deutschland steht eine neue Hitzewelle bevor. Meteorologe Georg Haas von wetter.com bestätigt: „Es ist etwas sehr Heißes im Busch.“ Die Prognosen schwanken jedoch stark: Während das amerikanische Wettermodell Ende Juli 44 Grad in Nordrhein-Westfalen vorhersagt, rechnet das europäische Modell mit 37 bis 38 Grad. „Es wird von einer großen Hitzewelle bis zu einer historischen Hitzewelle alles berechnet“, so Haas.
Wetterprognosen: Grenzen der Vorhersagbarkeit
Haas betont, dass genaue Vorhersagen aktuell nicht möglich sind. „Je weiter eine Wetterprognose in der Zukunft liegt, desto mehr Informationen fehlen.“ Die Unterschiede werden Anfang August noch deutlicher: Für Sachsen-Anhalt prognostiziert das europäische Modell Temperaturen über 40 Grad, das amerikanische nur 26 Grad. „Es kommt etwas Heißes auf uns zu, das ist gesichert“, fasst Haas zusammen. Ob Rekorde aufgestellt werden, sei unklar.
Waldbrandgefahr und Trockenheit
Neben der Hitze bereitet die anhaltende Trockenheit Sorgen. Im Harz gilt die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe; die Harzer Schmalspurbahn setzt seit Donnerstag auf Dieselloks, um Funkenflug zu vermeiden. Auf der Oder wurde die Güterschifffahrt teilweise eingestellt. In Berlin warnen Behörden vor herabfallenden Ästen unter Trockenstress. Haas verweist auf Waldbrände in Spanien, Italien und Frankreich: „Mit dem Wassermangel wird sich die Waldbrandgefahr auch bei uns weiter erhöhen.“
Tropische Nächte und Klimaanpassung
Haas erwartet auch tropische Nächte mit Temperaturen über 20 Grad. „Wenn sich die Luftmasse tagsüber auf nahezu 40 Grad aufheizt, gibt es in dicht bebauten Gebieten gar keine Chance, auf unter 20 Grad herunterzukühlen.“ Besonders in Großstädten und Dachgeschosswohnungen werde dies zur Belastung. „Wir müssen in Deutschland unbedingt über Klimaanpassung sprechen“, fordert der Meteorologe. Extremwetterlagen würden durch die Klimakrise statistisch wahrscheinlicher.
Hitzetote: Rekordwerte in Deutschland und Frankreich
Haas verweist auf die hohe Zahl an Hitzetoten während der letzten Hitzewelle. Das Robert Koch-Institut zählte 5100 Hitzetote allein im Juni. In Frankreich wurden über 5700 zusätzliche Todesfälle registriert. Panik sei jedoch nicht angebracht, so Haas. Vielmehr müsse man Rückschlüsse ziehen: „Es wird immer argumentiert, dass Klimaschutz kostet. Nein, unterlassener Klimaschutz kostet viel mehr.“



