Ein mutmaßlicher Cyberangriff auf die rumänische Katasterbehörde ANCPI (Agenția Națională de Cadastru și Publicitate Imobiliară) sorgt für massive Probleme auf dem Immobilienmarkt des Landes. Nach Berichten mehrerer Medien soll ein Hacker Zugriff auf die zentrale Grundbuchdatenbank erhalten und große Teile der gespeicherten Daten gelöscht haben. Immobilienkäufe, Hypothekeneinträge und notarielle Vorgänge sind dadurch offenbar stark eingeschränkt.
Angreifer erpresste Behörde und löschte Daten
Wie das Onlinemedium „Risky Business“ berichtet, soll sich der Angreifer Zugang zu den Systemen der rumänischen Kataster- und Grundbuchbehörde ANCPI verschafft haben. Demnach habe der Hacker zunächst versucht, die Behörde mit gestohlenen Informationen zu erpressen. Nachdem dies offenbar gescheitert sei, soll er damit begonnen haben, Daten aus der Grundbuchdatenbank zu löschen.
Die Folgen treffen den Immobiliensektor unmittelbar. Nach Angaben von „Cybernews“ seien die digitalen Dienste der Behörde ausgefallen. „Der Angriff legte alle Immobilientransaktionen lahm und hinderte Notare landesweit daran, Verkäufe zu beglaubigen oder Hypotheken einzutragen“, berichtet das Portal.
Notare können keine Grundbuchauszüge ausstellen
Seit dem Ausfall der Systeme können Notare offenbar keine neuen Immobilientransaktionen abschließen. Auch Bürgerinnen und Bürger erhalten derzeit wichtige Dokumente wie Grundbuchauszüge nicht. Eine Notarin machte ihrem Ärger öffentlich Luft: „Ich bin Notarin. Seit Dienstag kann ich keine Grundbuchauszüge mehr ausstellen, keine Verkäufe mehr beglaubigen und keine Hypotheken mehr eintragen.“
Rumänische Medien berichten, dass auch Banken betroffen sind, da ohne Grundbuchauszüge keine neuen Hypotheken vergeben werden können. Besonders brisant ist die Situation für Immobilienkäufer, weil zum 31. Juli eine Steuererhöhung bei Hauskäufen greifen soll. Zahlreiche Käufer hätten ihre Abschlüsse deshalb offenbar noch vor diesem Stichtag geplant.
Behörde spricht von „Cybersicherheitsvorfall“
Die ANCPI hatte zunächst lediglich von technischen Problemen gesprochen. Später bestätigte die Behörde jedoch einen Hackerangriff und bezeichnete ihn als „Cybersicherheitsvorfall“. Nach eigenen Angaben verfügt die Behörde über Sicherungskopien der gelöschten Daten und arbeitet an der Wiederherstellung. In einer Stellungnahme erklärte die ANCPI, zunächst würden die betroffenen Anwendungen wieder in die Regierungscloud überführt. Dieser Prozess solle bis Mittwoch abgeschlossen sein. Anschließend müssten die wiederhergestellten Daten geprüft werden, bevor der reguläre Betrieb vollständig aufgenommen werden könne.
Gleichzeitig warnte die Behörde vor bislang nicht bestätigten Informationen über das Ausmaß des Schadens. Die ANCPI erklärte, „dass die in der Öffentlichkeit verbreiteten Informationen über die angeblichen Folgen des Cyberangriffs nicht aus offiziellen Quellen stammen und weder der Realität noch dem aktuellen Stand der Ermittlungen entsprechen“.



