Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat einen Eklat auf der Plattform X ausgelöst. In einem inzwischen gelöschten Beitrag äußerte er sich abfällig über junge Talente, die wegen hoher Sozialabgaben über eine Auswanderung nachdenken. „Auf diese Leute können wir verzichten, falls es sie überhaupt gibt“, schrieb der 63-Jährige. Nach massiver Kritik ruderte Lauterbach zurück und erklärte, er sei „missverstanden“ worden.
Lauterbachs ursprüngliche Aussage sorgt für Empörung
In seinem X-Post bezweifelte Lauterbach, dass junge Hochqualifizierte tatsächlich wegen der Abgabenlast Deutschland verließen. Er schrieb wörtlich: „Es ist dieses permanente Schlechtreden, was uns am stärksten schadet. Diese ewigen Übertreibungen von jungen Talenten, die mit dem hohen Rentenbeitrag (‚schnief‘) nicht klarkommen und deshalb angeblich auswandern. Auf diese Leute können wir verzichten, falls es sie überhaupt gibt.“ Der Beitrag zielte offenbar auf die aktuelle Debatte über die Höhe der Rentenbeiträge ab, die derzeit bei 18,6 Prozent des Bruttogehalts liegen, je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen.
Scharfe Kritik von Arbeitgeberpräsident Kampeter
Steffen Kampeter (63), Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), reagierte umgehend und kritisierte Lauterbach in deutlichen Worten. „Lauterbach hat Unrecht. Wer leistet, will auch davon etwas haben. Im internationalen Vergleich der OECD sind wir Vizeweltmeister, allerdings beim Abkassieren von Steuern und Abgaben. Dass sich junge Talente dann auch ins Ausland orientieren, ist nachvollziehbar. Die spöttischen Bemerkungen des SPD-Abgeordneten über Leistungsträger sind völlig daneben“, sagte Kampeter gegenüber BILD. Bemerkenswert: Bundestagsabgeordnete selbst zahlen keine Rentenbeiträge.
Studie warnt vor Anstieg der Sozialabgaben auf 50 Prozent
Hintergrund der Debatte ist eine Studie des IGES-Instituts vom Anfang des Jahres 2026. Diese prognostiziert, dass die Sozialabgaben – bestehend aus Renten-, Pflege-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung – bis 2035 von aktuell 42,7 Prozent auf 50 Prozent des Bruttolohns steigen könnten, falls keine umfassende Reform der Sozialversicherungen erfolgt. Eine geplante Renten-, Krankenversicherungs- und Pflegereform soll diese Beitragsexplosion verhindern. Die Aussicht auf weiter steigende Abgaben lastet auf der Stimmung vieler junger Fachkräfte, die zunehmend eine Abwanderung ins Ausland in Betracht ziehen.
Lauterbach rudert zurück und betont Dialog mit Talenten
Nachdem sein Beitrag für heftige Diskussionen gesorgt hatte, löschte Lauterbach den Post. Gegenüber BILD stellte er klar: „Ich wurde missverstanden. Als Gastprofessor der Harvard Universität weiß ich natürlich, dass auch junge Leute mit sehr guter Qualifikation Deutschland verlassen oder nicht zurückkommen. Im August treffe ich mit anderen Wissenschaftspolitikern in San Francisco deutsche und amerikanische Top-Talente, die wir zu uns holen wollen. Dabei geht es aber fast nie um den Beitragssatz der Rente.“
Lauterbach sitzt für die SPD im Bundestag und ist Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses. Sein ursprünglicher Beitrag hatte den Eindruck erweckt, als sei ihm die Abwanderung von Hochqualifizierten gleichgültig – ein Eindruck, den er nun zu korrigieren versucht.



