Ein Job auf den Gleisen: Gefahr und Verantwortung
Eric Herrmann tut, was für andere streng verboten ist: Er betritt das Gleisbett und steigt über die Schienen. Die Steine knirschen unter seinen Schuhen, während normalerweise tonnenschwere Züge vorbeirauschen. Der Zugverkehr auf dieser Strecke in Golßen, Brandenburg, ist für eine Richtung gesperrt. In der Gegenrichtung fahren jedoch noch Züge – ein Alarmton ertönt, Güterwaggons rattern vorbei, so nah, dass Eric sie berühren könnte. Nur Gleisbauer dürfen hier arbeiten, und das nur mit Sicherheitsmaßnahmen: Stahlkappenschuhe, Helm, leuchtend orange Arbeitskleidung. Auf Erics Weste steht „Wir bauen die starke Schiene“.
Was Gleisbauer leisten
Eric ist Gleisbauer bei der Deutschen Bahn. Er und sein Team bauen und reparieren Gleise, montieren Schienen und kümmern sich um Bahnübergänge. Ohne sie könnte niemand mit der Bahn fahren. Sie tragen dazu bei, dass Züge sicher unterwegs sind. Heute werden auf der Strecke die Schwellen ausgetauscht – Betonblöcke, die unter den Schienen liegen. Jede wiegt rund 300 Kilogramm, so viel wie zehn Viertklässler zusammen. „Kaputte oder alte müssen erneuert werden, damit die Gleise befahren werden können“, sagt Eric. Im schlimmsten Fall könnte ein Zug entgleisen. Deshalb werden alle Strecken in Deutschland regelmäßig kontrolliert.
40.000 Züge täglich – und ein langes Schienennetz
Rund 40.000 Züge fahren täglich von Bahnhof zu Bahnhof. Das deutsche Eisenbahnnetz ist mit rund 39.000 Kilometern das längste in der Europäischen Union. Jede viel befahrene Strecke muss alle sechs Jahre erneuert werden. Klar, dass es immer irgendwo Bauarbeiten gibt – was zu Umleitungen und Verspätungen führt. Aber ohne die Arbeit der Gleisbauer wäre Bahnfahren nicht sicher.
Von der Handarbeit zur High-Tech-Maschine
1835 wurde die erste deutsche Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet. Damals wurden die Gleise größtenteils in Handarbeit verlegt, mit einfachen Maschinen und Muskelkraft. Die Schwellen bestanden aus schweren Holzbalken, die von Arbeiterkolonnen getragen wurden. Heute ist das anders: „Zum Glück“, sagt Eric. Moderne Maschinen wie die „SUM“ (schnelle Umbaumaschine) heben mit einem Greifarm die schweren Stahlgleise an, die Eric zuvor durchtrennt hat. Sie hängen in der Luft und wirken so leicht wie Spaghetti. Unter ohrenbetäubendem Lärm setzt die Maschine neue Schwellen ins Gleisbett. An einem Arbeitstag bearbeitet das Team rund 850 Meter Gleis.
Herausforderungen: Wetter und Zeitdruck
Oft läuft alles nach Plan, aber das Wetter kann dazwischenkommen. „Im Winter kann es so kalt sein, dass die Schottersteine festfrieren. Wir hatten dieses Jahr so viel Schnee, dass wir wochenlang kaum vorankamen“, sagt Eric. Dann wird in Schichten gearbeitet: Ein Team tagsüber, das andere nachts mit Beleuchtungsanlagen, damit alles pünktlich fertig wird. Maximal zehn Tage am Stück bleibt das Team an einer Baustelle, dann geht es nach Hause – bis zum nächsten Einsatz.



