20 Verletzte bei schwerem Straßenbahn-Unfall in Berlin-Lichtenberg
20 Verletzte bei schwerem Tram-Unfall in Berlin

Schwerer Straßenbahn-Unfall in Berlin-Lichtenberg

Bei einem schweren Straßenbahn-Unfall im Berliner Bezirk Lichtenberg sind am Dienstagmorgen 20 Menschen verletzt worden, drei von ihnen schwer. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers wurden insgesamt zwölf Personen in Krankenhäuser gebracht, die restlichen Verletzten konnten ambulant vor Ort behandelt werden. Der Vorfall ereignete sich in Neu-Hohenschönhausen, als eine Straßenbahn der Linie M17 entgleiste.

Ursache vermutlich überhöhte Geschwindigkeit

Die Tram entgleiste an der Wartenberger Straße am Anfang einer scharfen und langen Kurve vor der Arnimstraße. Nach Informationen des Tagesspiegels soll der Zug deutlich zu schnell gewesen sein. In der Kurve gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde, die durch eine kleine gelbe Blechtafel in der Oberleitung signalisiert wird. Die BVG gab an, dass der Tramfahrer noch nicht befragt werden konnte, da er sich unter den Verletzten im Krankenhaus befindet. Es wird vermutet, dass der Mann einen medizinischen Notfall erlitten haben könnte, weshalb er nicht bremste.

Ermittlungen und Schäden

Experten der BVG und der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) sind vor Ort, um die Unfallursache zu klären. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) und BVG-Chef Henrik Falk besuchten die Unfallstelle. Die Schäden sind immens: Mehrere Oberleitungsmasten wurden umgerissen oder verbogen. Zur Bergung wird das Technische Hilfswerk mit schwerem Gerät benötigt. Die Bergung und die anschließende Reparatur an Gleis und Oberleitung werden voraussichtlich rund 48 Stunden dauern. Arbeiter begannen um 15:30 Uhr damit, die beschädigten Masten zu entfernen. Für den Autoverkehr bleibt die Straße auf Unfallhöhe weiterhin gesperrt.

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Strecke galt als unauffällig

Die Strecke verläuft auf eigener Trasse, unabhängig vom Autoverkehr. Der Abschnitt galt bei der BVG bislang als „völlig unauffällig“. Der Radius in dieser Kurve ist so gering, dass die Schienen besonders stabilisiert sind: Eine dritte, sogenannte „Zwangsschiene“ soll verhindern, dass der Zug nach einem Entgleisen völlig ohne Führung ist. Neben der M17 fährt auf dem Abschnitt auch die M5.

Modernste Straßenbahn-Baureihe entgleist

Bei dem entgleisten Zug handelt es sich um die aktuell modernste Baureihe der BVG, die siebenteiligen „Flexity“ mit einer Länge von 40 Metern. Die mittleren Segmente wurden bei dem Unfall vollständig zerstört. Ein Waggon wurde förmlich zerfetzt: Ein Loch, durch das drei Menschen passen würden, gibt den Blick ins Innere des Wagens frei, zerrissene Kabel und zerstörte Technik sind offen sichtbar.

Großeinsatz der Feuerwehr

Die Feuerwehr war um 9:29 Uhr alarmiert worden. Nach Angaben eines Sprechers war ein Teil der Straßenbahn in der Kurve vermutlich gegen einen Mast der Oberleitung gefahren, wodurch die Seite rechts aufgerissen wurde. Der letzte Wagen der Bahn sprang aus dem Gleis. Die zuerst eingetroffenen Kräfte lösten das Alarmierungsstichwort „Massenanfall an Verletzten“ aus. Insgesamt war die Feuerwehr mit 59 Kräften im Einsatz. BVG-Chef Henrik Falk zeigte sich tief betroffen und dankte den Einsatzkräften für ihre schnelle und professionelle Arbeit.

Folgen für den Tramverkehr

Die Linien M5 und M17 sind zwischen Gehrenseestraße und Falkenberg beziehungsweise zwischen Rhinstraße/Gärtnerstraße und Falkenberg unterbrochen. Die BVG richtete einen Ersatzverkehr mit Bussen ein. Die Experten von BVG und TAB prüfen unabhängig vom ersten Verdacht auf überhöhte Geschwindigkeit auch mögliche Mängel am Gleis, wie zum Beispiel einen Schienenbruch. Eine Weiche gibt es an der Unfallstelle nicht, sodass diese häufige Unfallursache ausscheidet.

Einen derart schweren Unfall hat es bei der Berliner Straßenbahn seit sehr langer Zeit nicht gegeben. Bei nahezu allen Unfällen in den vergangenen Jahren hatten Lastwagen oder Busse beim Abbiegen oder Überqueren der Gleise einen Zug gerammt. 2017 war eine unbesetzte Bahn in Mitte auf der Oranienburger Straße entgleist, der Schaden war gering. Ein technischer Defekt am Zug war damals die Ursache.

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