Nach rund zehneinhalb Monaten Vollsperrung und umfangreichen Bauarbeiten wird die wichtige Bahnverbindung zwischen Hamburg und Berlin an diesem Sonntag wieder vollständig für den Zugverkehr freigegeben. Die Deutsche Bahn (DB) teilte mit, dass um 5.34 Uhr der erste Fernverkehrszug vom Hamburger Hauptbahnhof in Richtung Berlin starten wird und die Hauptstadt planmäßig in weniger als zwei Stunden erreichen soll. Bereits früher am Morgen sind die ersten Regionalzüge auf der Strecke unterwegs.
Bedeutung der Verbindung
Die rund 280 Kilometer lange Strecke verbindet die beiden bevölkerungsreichsten Städte Deutschlands und wird von Fern-, Regional- und Güterzügen genutzt. Vor der Generalsanierung nutzten täglich rund 30.000 Fahrgäste die Fernverkehrszüge auf dieser Route, darunter viele Pendler. Die Direktverbindung gilt als die wichtigste zwischen zwei deutschen Städten im Fernverkehr.
Änderungen für Fahrgäste
Ab Sonntag verkehren die Fernzüge wieder im gewohnten Halbstundentakt, und die Regionalzüge bedienen wieder ihre üblichen Linien. Allerdings müssen die Fernzüge bis Ende des Monats abschnittsweise langsamer fahren, da noch Technik getestet wird. Die Bahn erwartet, dass die Sanierung das gesamte Netz stabiler macht und sich positiv auf die Pünktlichkeit auswirkt. Der Ersatzverkehr mit Bussen wird eingestellt.
Fahrtzeit
Die planmäßige Fahrtzeit der ICE verlängert sich nach der Sanierung um zwei Minuten auf 107 Minuten. Diese Änderung gilt jedoch nur für den diesjährigen Fahrplan. Eine Bahnsprecherin erklärte, dass die Züge zwar schneller fahren könnten, die Fahrzeit aber aufgrund der höheren Zugdichte auf der Strecke steige – ähnlich wie im Straßenverkehr, wo bei vielen Autos langsamer gefahren werde.
Gründe für die Sanierung
Die Strecke war nach Angaben der Bahn hochbelastet und stark abgenutzt. Vor der Sanierung befuhren täglich durchschnittlich rund 470 Züge die Trasse. Der Zustand der Strecke wurde mit der Note 3,7 bewertet, nach der Sanierung wird eine Note von 2,3 prognostiziert.
Zeitplan und Verzögerungen
Die Generalsanierung begann am 1. August 2025 und sollte ursprünglich bis zum 30. April 2026 abgeschlossen sein. Die Verspätung von rund eineinhalb Monaten begründete die Bahn mit dem Frost zu Jahresbeginn, der Arbeiten an Kabelschächten und Oberleitungen erschwerte. Ein erster Abschnitt wurde Mitte Mai freigegeben, sodass Züge seitdem wieder durchgehend zwischen Hamburg und Schwerin fahren.
Erneuerte Elemente
Die Bahn hat unter anderem Gleise, Weichen und Signale ausgetauscht sowie 28 Bahnhöfe modernisiert. Dabei wurden Toiletten und Wetterschutzhäuser erneuert, Fahrradständer errichtet und Bahnsteige verlängert, um längere Züge aufnehmen zu können.
Fehlende Technik
Die digitale Zugleittechnik ETCS, die von der EU als Standard angestrebt wird, konnte auch nach der Sanierung nicht installiert werden. Die Bahn hat jedoch Vorbereitungen für einen späteren Einsatz getroffen. „Eine Ausrüstung mit ETCS wird in den frühen 2030er-Jahren erfolgen“, teilte die Bahn mit. ETCS ermöglicht dichtere Zugfolgen auf der Strecke. Die Entscheidung, ETCS entgegen der ursprünglichen Planung nicht zu installieren, wurde kritisiert.
Kosten
Ursprünglich waren Kosten von 2,2 Milliarden Euro geplant. Die Bahn nannte auf Anfrage keine neue Summe und teilte mit, dass die abschließende Kostenermittlung erst nach Ende der Bauarbeiten vorgenommen werde.
Auswirkungen auf Fahrgäste
Im Fernverkehr wurden die Züge über Stendal und Uelzen umgeleitet, was zu weniger Zügen und einer Fahrzeitverlängerung von rund 45 Minuten führte. Im Regionalverkehr waren die Auswirkungen schwerwiegender: Züge entfielen oder fuhren nur Teilstrecken. Die Bahn setzte einen Ersatzverkehr mit mehr als 200 Bussen ein. Zeitweise gab es Streit mit dem Busanbieter Ecovista, da Busse älter als vereinbart waren und es zu Ausfällen kam.
Wirtschaftliche Folgen
Der Verband Güterbahnen beklagte Nachteile während der Sanierung. „Wenn ich eine Strecke dicht mache, müssen die Umleiter funktionieren“, sagte eine Verbandssprecherin. „Das hat in diesem Fall nicht gut funktioniert.“ Ausweichstrecken seien teils nicht ausreichend ertüchtigt gewesen, und kurzfristige Baustellen sowie Störungen auf den Umleiterstrecken führten zu Umwegen von mehreren Hundert Kilometern.
Weitere Sanierungen
Die Generalsanierung ist Teil des 2022 vorgestellten Infrastrukturvorhabens „Korridorsanierung Hochleistungsnetz“. Bis Mitte der 2030er Jahre sollen mehr als 40 Strecken erneuert werden, damit dort für rund fünf Jahre keine Bauarbeiten mehr nötig sind. Die Arbeiten begannen 2024 mit der Sanierung der Riedbahn Frankfurt-Mannheim und der Güterverkehrsstrecke Emmerich-Oberhausen.
Nächste Sanierungen
In diesem Jahr sollen nach Plan vier weitere Generalsanierungen abgeschlossen werden: auf den Strecken Hagen-Wuppertal-Köln, Nürnberg-Regensburg, Obertraubling-Passau und Troisdorf-Wiesbaden.



