Führerschein bringt Azubis 50 Euro mehr im Monat in der Uckermark
Ein junger Ukrainer hat in der Uckermark über das geförderte Projekt „Perspektive Job“ seinen Traumberuf gefunden und profitiert von einem besonderen Angebot seines neuen Chefs: Auszubildende mit Führerschein erhalten monatlich 50 Euro zusätzlich. Der 20-jährige Yevhen Shubert absolvierte nach seiner Flucht aus der Ukraine mehrere Praktika, bevor er sich für die Ausbildung zum Dachklempner bei der Lau Klempner/Bedachungs GmbH in Ellingen entschied.
Vierte Chance war die richtige
„Das will ich wirklich gerne machen!“, sagte sich Yevhen Shubert nach seinem vierten Praktikum. Sein Ausbilder Christian Lau berichtete bei einem Treffen mit Landrätin Karina Dörk und weiteren Vertretern: „Ich suchte junge Leute, die arbeiten wollen, gute Deutschkenntnisse natürlich vorausgesetzt. Die ukrainischen Zeugnisse waren für mich Neuland.“ Der angehende Dachklempner zeigte sich unbeeindruckt von langen Berufsschulwegen nach Hennickendorf, Großräschen und Berlin: „Höhenangst habe ich nicht.“
Jugendcoach Dirk Lashlee vom Angermünder Bildungswerk, der die Ausbildungssuche begleitete, betonte: „Er wollte wirklich! Nach drei Praktika wollten ihn zwei Unternehmen schon als Auszubildenden übernehmen. Das vierte Angebot bei der Lau GmbH hat dann bei ihm selbst den Ausschlag gegeben.“ Der Führerschein ermöglicht Shubert den Arbeitsweg von Gramzow nach Ellingen und pünktliches Erscheinen bei überregionalen Aufträgen.
Führerschein als entscheidender Faktor
„Es melden sich bei uns Betriebe, die bei ‚Perspektive Job‘ gerne mitmachen möchten, aber zu vielen kommt man nicht so einfach mit den Öffentlichen hin“, erklärte Dirk Lashlee. Christian Lau bietet daher bewusst eine finanzielle Anreiz: Wer eine Fahrerlaubnis hat, erhält monatlich 50 Euro mehr, wodurch sich ein Teil der Führerscheinkosten im Nachhinein amortisiert.
Gleichzeitig trat der Ausbilder mit einer deutlichen Forderung an die Politik heran: „Wir brauchen eine betriebliche Förderung. Für die Ausstattung eines Auszubildenden, für das Material zum Gesellenstück haben wir Ausgaben, die in die Tausende gehen.“ Die jungen Leute seien 135 von 250 Arbeitstagen nicht im Betrieb, weil sie Berufsschulen besuchen. „Eine Art Startgeld von 500 bis 1000 Euro pro Azubi wäre ein Wunsch von mir.“
Handwerk sucht Lösungen statt zu klagen
Katrin Grothe, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Uckermark, unterstützte diese Forderung: „Das Handwerk zahlt viele Steuern. Eine Ausbildungsförderung sollte nicht pauschal gedacht sein, sondern für die Betriebe, die wirklich ausbilden.“ 20 Firmen der Kreishandwerkerschaft bieten bereits Praktikumsplätze an. „Wir haben noch zu viele Jugendliche, die in der Luft hängen“, so Grothe, die sich für eine Ausbildungspflicht nach der Schule aussprach.
Landrätin Karina Dörk betonte die Bedeutung frühzeitiger Berufsorientierung: „Von der Schule in die Sozialhilfe – das geht einfach nicht.“ Besonders begrüßt wurde das Pilotprojekt Werkunterricht in der Grundschule Boitzenburg, das uckermarkweit eingeführt werden soll. „Handwerk klagt nämlich nicht, sondern sucht und findet Lösungen“, fasste Kathrin Grothe die Haltung der Branche zusammen.
Michael Steffen, Leiter des Jobcenters Uckermark, verwies auf den Tag der Berufe am 21. Februar im Oberstufenzentrum Uckermark in Prenzlau: „Jetzt ist die richtige Zeit, um im Sommer in eine Ausbildung starten zu können.“ Für Yevhen Shubert hat sich die Suche bereits gelohnt – mit Führerschein und 50 Euro Extra im Monat.



