Inklusion stockt: Förderschulen in Sachsen-Anhalt verzeichnen steigende Schülerzahlen
Die Inklusion im Bildungssystem von Sachsen-Anhalt kommt nicht voran. Im Gegenteil: Immer mehr Kinder mit Förderbedarf werden an Förderschulen unterrichtet, statt an Regelschulen zu lernen. Dies zeigt eine aktuelle Entwicklung, die Experten mit großer Sorge betrachten.
Steigende Zahlen an Förderschulen
Im Schuljahr 2024/25 besuchten insgesamt 12.600 Schülerinnen und Schüler eine Förderschule in Sachsen-Anhalt. Zehn Jahre zuvor, im Schuljahr 2014/15, lag diese Zahl noch bei 10.600. Das bedeutet einen deutlichen Anstieg um 2.000 Kinder innerhalb eines Jahrzehnts. Gleichzeitig lernen nur etwa 5.090 Kinder mit Förderbedarf an Regelschulen, wie das Landesschulamt auf Anfrage mitteilte.
Bundesweiter Spitzenwert
Sachsen-Anhalt hat laut Angaben der Kultusministerkonferenz bundesweit den höchsten Anteil an Förderschülern. Dieser Umstand wirft kritische Fragen auf, da die Inklusion eigentlich ein erklärtes Ziel der Bildungspolitik ist. Stattdessen scheint sich die Tendenz zu verstärken, Kinder mit besonderem Förderbedarf von Regelschulen fernzuhalten.
Experten warnen vor verbauten Bildungswegen
Bildungsexperten sehen in dieser Entwicklung ein alarmierendes Signal. Sie kritisieren, dass vielen Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf der Zugang zu regulären Bildungswegen verbaut wird. Die steigenden Zahlen an Förderschulen deuten darauf hin, dass Kinder gewissermaßen ausgesondert werden, anstatt inklusiv beschult zu werden.
Diese Praxis kann langfristige Folgen haben: Viele Schüler an Förderschulen machen später keinen regulären Schulabschluss, was ihre beruflichen Perspektiven erheblich einschränkt. Die Berufsorientierung an Förderschulen ist zwar vorhanden, führt jedoch oft nicht zu einem erfolgreichen Abschluss.
Fazit: Inklusion bleibt auf der Strecke
Die aktuellen Zahlen aus Sachsen-Anhalt zeigen deutlich, dass das Ziel der Inklusion im Bildungswesen noch lange nicht erreicht ist. Statt einer integrativen Beschulung werden Kinder mit Förderbedarf zunehmend an Förderschulen verwiesen. Dies wirft die brisante Frage auf: Werden Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen tatsächlich abgeschoben, anstatt ihnen chancengleiche Bildung zu ermöglichen? Die Entwicklung in Sachsen-Anhalt gibt Anlass zur Besorgnis und erfordert dringend bildungspolitische Korrekturen.



