Hochschulskandal in Neubrandenburg: Disziplinarverfahren gegen Professor wegen mutmaßlicher Prüfungsunregelmäßigkeiten
Hochschulskandal: Disziplinarverfahren gegen Professor in Neubrandenburg

Hochschulskandal in Neubrandenburg: Disziplinarverfahren gegen Professor eingeleitet

Die Ermittlungen zu mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten an der Hochschule Neubrandenburg nehmen weiter an Fahrt auf. Nachdem das Wissenschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern eine externe Kanzlei mit Untersuchungen beauftragt hatte, wird es für den beschuldigten Professor nun ernst. Gegen ihn wurde von Landesseite ein offizielles Disziplinarverfahren eingeleitet, wie zuerst der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtete.

Vorwürfe des Abschlussverschenkens

Der Professor soll Studienabschlüsse an bevorzugte Studenten regelrecht verschenkt haben. Konkret wird ihm vorgeworfen, dass er Studienleistungen aus völlig anderen Fächern umfassend für einen Bachelor in „Berufspädagogik für Gesundheitsberufe“ anerkannt und von den betroffenen Studenten lediglich eine Abschlussarbeit nebst mündlicher Prüfung verlangt habe. Diese Prüfungen soll er zudem ohne einen obligatorischen Zweitgutachter abgenommen haben.

Die möglichen Konsequenzen für den Professor sind gravierend und könnten bis zur Entlassung aus dem Beamtenverhältnis reichen – sofern sich die schwerwiegenden Vorwürfe im weiteren Verfahren erhärten sollten.

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Viele Hinweise und eine verzögerte Aufklärung

Eine Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerde, die ein ehemaliger Kollege gegen den Professor einreichte, enthält zahlreiche detaillierte Hinweise auf diese Unregelmäßigkeiten in den Prüfungsverfahren. Dokumente und Aussagen, die dem Nordkurier vorliegen, erhärten diese Verdachtsmomente erheblich.

Interessant ist, dass die Vorgänge teilweise bis in die Jahre 2017 und 2018 zurückreichen. Dies wirft aus juristischer Perspektive die kritische Frage einer möglichen Verjährung auf. Die Hochschule Neubrandenburg selbst hatte die Vorwürfe in einer ersten internen Prüfung zunächst als ungerechtfertigt bewertet und abgetan.

Erst nachdem sich ein Hinweisgeber direkt an das Land Mecklenburg-Vorpommern gewandt hatte und der AfD-Fraktionsvorsitzende Nikolaus Kramer eine parlamentarische Anfrage im Landtag gestellt hatte, wurde der gesamte Vorgang neu aufgerollt und intensiv untersucht. Ursprünglich war von zwei bevorzugten Studenten die Rede, mittlerweile geht es um mindestens vier betroffene Personen.

Politische Dimension des Skandals

Im Raum steht der bisher unbewiesene Vorwurf, dass eine politische Parteizugehörigkeit bei den Vorfällen eine Rolle gespielt haben könnte. Dies betrifft einerseits die mutmaßliche Auswahl bevorzugter Studenten durch den Professor und andererseits den Umstand, dass die rot-rote Landesregierung die schwerwiegenden Vorwürfe angeblich schon seit Jahren kennt.

AfD-Politiker Nikolaus Kramer begrüßt zwar die nun erfolgte Einleitung des Disziplinarverfahrens, kritisiert jedoch scharf, dass dieser Schritt „viel zu spät und unter Tränen“ komme. Eine derart verspätete Reaktion hinterlasse „den Eindruck von Unwillen und Aussitzen-Wollen“. Kramer spricht in diesem Zusammenhang von einem „tief ins Land eingesickerten SPD-Parteifilz“ und einer „sozialdemokratischen Blase“, die Schaltpositionen in Mecklenburg-Vorpommern verteile.

Die zuständigen Landesbehörden und die Hochschule Neubrandenburg warnen indes weiterhin vor einer voreiligen Vorverurteilung des beschuldigten Professors. Das nun eingeleitete Disziplinarverfahren soll die Vorwürfe umfassend und rechtsstaatlich klären.

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