Traditionelle Frauentagsfeier in Strasburg mit gemischten Gefühlen
Am Samstag verwandelte sich die Max-Schmeling-Halle in Strasburg erneut zum Schauplatz der größten Frauentagsparty der Region Uecker-Randow. Obwohl die Feierlichkeiten eine Woche nach dem offiziellen Internationalen Frauentag stattfanden und weniger Besucherinnen als erwartet kamen, entwickelte sich dennoch eine ausgelassene Atmosphäre bei dieser traditionsreichen Veranstaltung.
Historische Wurzeln und aktuelle Herausforderungen
Die Eröffnung übernahmen Ursula Siebert, Vorsitzende des Demokratischen Bündnisses für Frauen und Familie Uecker-Randow, sowie Bürgermeister Klemens Kowalski. Der parteilose Kommunalpolitiker erinnerte an die historischen Ursprünge des Frauentags, der 1911 erstmals begangen wurde, um für das Frauenwahlrecht zu kämpfen – ein Recht, das in Deutschland erst 1918 verwirklicht wurde. „Erst 1754 durfte die erste Frau Medizin studieren und in Deutschland dürfen Frauen seit 1899 offiziell studieren“, betonte Kowalski und hob hervor, dass Frauen heute insbesondere in sozialen und medizinischen Berufen unverzichtbar für die Gesellschaft seien.
Marina Raulin, Vorsitzende des Fördervereins für Kultur, Bildung und Sport, äußerte sich jedoch kritisch zu aktuellen Entwicklungen: „Frauen haben heutzutage schon Ängste, wenn es um den Arbeitsplatz geht“. Sie verwies darauf, dass Frauen zu DDR-Zeiten in bestimmten Bereichen mehr Sicherheit genossen hätten, insbesondere wenn es um die Vereinbarkeit von Studium und Familie ging. „In Bezug auf diese Themen haben wir uns zurückentwickelt“, konstatierte die Vereinsvorsitzende deutlich.
Demografische Sorgen und tägliche Wertschätzung
Ein besorgniserregender Aspekt der Veranstaltung war der hohe Altersdurchschnitt der Teilnehmerinnen, der weit über 60 Jahren lag. „Dabei brauchen wir dringend Nachwuchs“, stellte Marina Raulin klar und führte dies auf die schwierigen äußeren Umstände zurück, die junge Frauen von solchen Veranstaltungen fernhalten würden. Für Frauen sei es generell schwieriger, gesellschaftliche Anerkennung zu erreichen.
Die zentrale Botschaft der Vereinsvorsitzenden lautete: „Wir sollten Frauen jeden Tag feiern, für das, was sie in Familie und Beruf leisten“. Dieser Appell unterstrich die Überzeugung, dass die Wertschätzung für Frauen nicht auf einen einzigen Tag im Jahr beschränkt bleiben dürfe.
Feierlaune trotz leerer Plätze
Trotz der nur etwa halb gefüllten Max-Schmeling-Halle am Nachmittag ließen sich die meisten anwesenden Damen die Stimmung nicht verderben. Während draußen vor der Halle die Autokennzeichen aus der gesamten Region Uecker-Randow auf die weite Anreise der Gäste hinwiesen – wobei zahlreiche Männer diesmal die Rolle des Fahrers übernahmen –, sorgte DJ Onkel Manu im Inneren für die richtige musikalische Untermalung.
Der erfahrene DJ, der sich auf Feiern mit „älteren Herrschaften“ spezialisiert hat, hatte für den Nachmittag passende Musik im Gepäck und kündigte für den Abend modernere Klänge an, wenn erfahrungsgemäß jüngeres Publikum erwartet wird. Für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zeichnete CE Gold Event verantwortlich, während Christin Gröser und ihr Team sich um Ausschank und Sicherheit kümmerten und dabei langjährige Stammgäste des Demokratischen Frauenbündnisses besonders würdigten.
Die Tradition der größten Frauentagsfeier in der Region Uecker-Randow wird somit auch unter veränderten Rahmenbedingungen fortgeführt – früher im Kulturhaus, heute in der Max-Schmeling-Halle – und verbindet dabei festliche Stimmung mit ernsthaften gesellschaftlichen Diskussionen über die Situation von Frauen in Vergangenheit und Gegenwart.



