Wilde Verfolgungsjagd in der Uckermark: Dashcam filmt spektakuläre Flucht
Solche Szenen kannte Kurierfahrer Kevin Dreyer bisher nur aus Actionfilmen. Doch am Dienstagmorgen wurde der 31-Jährige auf der A11 in der Uckermark ungewollt zum Zeugen einer realen Polizeijagd. Während er in seinem Dienstwagen saß, bemerkte er auf der parallel verlaufenden Landstraße blinkende Polizeilichter, die sich in einer rasanten Verfolgungsjagd bewegten.
Rasante Flucht mit Affenzahn
Nach der Abfahrt in Schmölln erkannte der Nordkurier-Leser schnell, dass es sich um eine dramatische Verfolgungsjagd handelte. An der Spitze der Kolonne raste ein Ford Galaxy mit hoher Geschwindigkeit in Richtung polnische Grenze. „Der hatte bestimmt 160 km/h oder mehr drauf. Wahnsinn. Ich war geschockt“, berichtete Dreyer später. Die Dashcam seines Fahrzeugs nahm die gesamte Flucht automatisch als Video auf.
Als sich der Zeuge anschließend bei der Polizei in Prenzlau meldete, erfuhr er, dass der flüchtige Fahrer erfolgreich nach Polen entkommen war. „Offenbar war es ihm gelungen, ungehindert an den polnischen Posten vorbeizukommen“, erklärte Dreyer, der für ein großes Berliner Logistikunternehmen arbeitet. Der Kurierfahrer zeigte sich verwundert über den erfolgreichen Grenzübertritt: „Man hat doch mittlerweile selbst an den kleinen Grenzübergängen viele Uniformierte stehen. Denen zu entkommen, ist wohl Glückssache.“
Falsche Kennzeichen lösten die Jagd aus
Eine Anfrage bei der Polizeidirektion Ost brachte die Hintergründe ans Licht. Bereits gegen 4.30 Uhr hatten Beamte der Polizeiinspektion Uckermark in Prenzlau den verdächtigen Wagen kontrollieren wollen. Der Pkw war aus Richtung Templin kommend auf dem Neustädter Damm (B 109) unterwegs gewesen.
Polizeisprecher Roland Kamenz erklärte: „Da sich am Fahrzeug amtliche Kennzeichen befanden, die nicht dafür ausgegeben waren, sollte der Pkw gestoppt und einer Kontrolle unterzogen werden.“ Doch der Fahrer ignorierte alle polizeilichen Anhaltesignale und versuchte, sich der Kontrolle zu entziehen.
Die Polizei setzte umfangreiche Maßnahmen ein:
- Zivile Einsatzkräfte der Gemeinsamen operativen Fahndungsgruppe unterstützten die Verfolgung
- Benachbarte Sicherheitsbehörden wurden informiert
- Dennoch gelang dem Fahrer die Flucht über den ehemaligen Grenzübergang Pomellen nach Polen
Nach-Eile aus taktischen Gründen abgebrochen
Die Brandenburger Polizei brach die Verfolgung schließlich aus einsatztaktischen Erwägungen ab. Kevin Dreyer bleibt mit vielen Fragen zurück: „Mich würde interessieren, was der Geflohene auf dem Kerbholz hatte und warum die Polizei ihm so schnell hinterhergejagt war. Das war doch kreuzgefährlich auf der engen Landstraße – bei diesem Wetter.“
Die spektakulären Dashcam-Aufnahmen dokumentieren eine der ungewöhnlichsten Verfolgungsjagden der jüngeren Zeit in der Grenzregion. Während die Polizei die Ermittlungen fortsetzt, bleibt unklar, ob der flüchtige Fahrer jemals zur Rechenschaft gezogen werden kann.



