Ehrenbürger-Eklat um DDR-Fußballheld Gerd Kische in Teterow
Ehrenbürger-Eklat um DDR-Fußballheld in Teterow

In Teterow sorgt die verweigerte Ehrenbürgerschaft für den ehemaligen DDR-Nationalspieler und Olympiasieger Gerd Kische weiterhin für politischen Zoff. Nach dem umstrittenen Beschluss der Stadtvertretung, dem Fußballhelden die höchste Auszeichnung der Stadt nicht zu verleihen, entschuldigte sich der AfD-Fraktionschef Mathias Schmitus am Montag persönlich bei Kische. „Ich habe mich entschuldigt wegen der beschämenden Art und Weise, wie in der Stadtvertretersitzung diskutiert wurde“, sagte Schmitus.

Geheime Abstimmung verhindert Ehrung

In der nichtöffentlichen Sitzung am Vorabend des 1. Mai hatte eine Mehrheit der Stadtvertreter gegen die Ehrenbürgerwürde für den gebürtigen Teterower gestimmt. Die Fraktionen von AfD, UTF und „Die Teterower“ hatten die Ehrung vorgeschlagen, doch SPD und CDU lehnten ab. Über die Gründe wurde zunächst Stillschweigen vereinbart, doch bald drangen Details an die Öffentlichkeit. Schmitus warf den Gegnern der Ehrung „Falschbehauptungen und Verleumdungen“ vor.

SPD verteidigt Entscheidung

SPD-Fraktionsmitglied Herbert Hoeft wies die Vorwürfe zurück. Er betonte, dass Teterow in 180 Jahren nur sechs Ehrenbürger ernannt habe, darunter Persönlichkeiten wie Johann-Heinrich von Thünen oder Horst Klinkmann. „Da muss man doch erst einmal genau schauen, ob ein Gerd Kische da überhaupt mit reinpasst“, fragte Hoeft. Er bezweifelte, dass Kische vergleichbare Verdienste um die Stadt vorweisen könne. Zudem kritisierte er, dass AfD, UTF und „Die Teterower“ die anderen Fraktionen nicht vorab informiert hätten. „Wir haben von der beabsichtigten Ehrenbürgerschaft aus der Zeitung erfahren“, so Hoeft. Als Alternative sei ein Eintrag ins Ehrenbuch der Stadt diskutiert worden, doch auch dagegen habe es „negative Meinungen“ gegeben.

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Stasi-Vorwürfe und eine Ohrfeige

Hintergrund der Ablehnung sind laut Informationen des Nordkurier angebliche Kontakte Kisches zur DDR-Staatssicherheit. Kische wies dies entschieden zurück: „Ich habe nichts unterschrieben und alle immer weggejagt. Alles andere sind Verleumdungen ersten Grades.“ Zudem wurde ein Vorfall aus dem Jahr 1981 thematisiert, bei dem Kische seine damalige Frau während eines Streits geohrfeigt hatte. „Das ist passiert und es war ein Fehler“, räumte Kische ein. Er habe sich provoziert gefühlt, weil sie ihn nach Einreichung der Scheidung beschimpft habe.

Kische erwägt rechtliche Schritte

Der Olympiasieger von 1976 zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung, akzeptierte sie jedoch formell: „Ich habe nicht darum gebeten, Ehrenbürger zu werden. Ich akzeptiere die Entscheidung der Stadtvertreter. Ich habe in meinem Leben auch im Sport gewonnen und verloren.“ Allerdings fügte er hinzu: „Die Gründe, die da jetzt aber vorgebracht wurden, gehen mir ganz schön auf den Sack.“ Er erwäge rechtliche Schritte gegen die Verleumdungen.

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