Sie begegnen einem auf Schritt und Tritt: achtlos weggeworfene Zigarettenkippen. In Rostock sind Bus- und Straßenbahnhaltestellen, Bahnhöfe, öffentliche Plätze, Grünanlagen und sogar Spielplätze im gesamten Stadtgebiet permanent davon betroffen. Besonders an den Stränden von Warnemünde und Markgrafenheide stellen die Kippen ein wachsendes Problem dar. Mit großen Begleitkampagnen wurden bereits die sogenannten Ostsee-Ascher am Strand und die Warnow-Ascher am Stadthafen aufgestellt. Doch das reicht nicht, finden jetzt Grüne, Linke, CDU, Freie Wähler und Rostocker Bund in der Bürgerschaft und sagen den Zigarettenstummeln den Kampf an.
Zusätzliche Zigarettenstummel-Sammler gefordert
„Das Thema ist natürlich nicht neu, aber immer noch nicht gelöst“, sagt Felix Winter, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen und federführend bei dem Antrag „Reduzierung von Zigarettenkippen im öffentlichen Raum“. Gerade jetzt mit Beginn der Sommersaison, wenn sich wieder mehr Menschen draußen aufhalten, werde die Vermüllung durch Kippen noch stärker wahrgenommen. Im Gleichklang mit den anderen Fraktionen fordert er daher, die Anschaffung von mindestens 20 weiteren Zigarettenstummel-Sammlern zu prüfen, um diese an markanten Orten im Stadtgebiet aufzustellen.
Zudem soll eine Aufklärungskampagne über die Umweltauswirkungen von Zigarettenstummeln erarbeitet werden, die insbesondere auf die Giftigkeit und langfristigen Umweltschäden hinweist. Kippen seien „hochgradig umweltschädlich“, so Winter. „Vor allem im Wasser sind sie eine Katastrophe.“ Ein einzelner Zigarettenstummel könne bis zu 40 Liter Grundwasser verunreinigen. Die darin enthaltenen Giftstoffe wie Nikotin, Arsen, Blei, Kupfer, Chrom und Cadmium würden über Jahre freigesetzt und Pflanzen, Tiere und Gewässer schädigen.
Winter und die anderen Fraktionen wollen an die ihrer Meinung nach positiven Erfahrungen mit Zigarettenstummel-Sammlern in Warnemünde am Strand, den Ostsee-Aschern, sowie den vergangenes Jahr am Stadthafen aufgestellten Warnow-Aschern anknüpfen und das System ausweiten. „Hier funktioniert es bereits“, sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende. „Wenn man solche Kippen-Sammler anbietet, werden sie auch angenommen.“
SPD fordert sofortige Aufstellung
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thoralf Sens hat einen weitergehenden Änderungsantrag eingebracht. Er fordert, die Aufstellung von mindestens 20 weiteren Zigarettenstummel-Sammlern nicht erst zu prüfen, sondern die Sammler sofort aufzustellen. „Ebenso sind Gespräche mit der Rostocker Straßenbahn AG zu führen, um die Verschmutzung mit Zigarettenstummeln an stark frequentierten Haltestellen zu verringern“, unterstreicht Sens.
Kritik von der Initiative Rostock Müllfrei
Marcel Knaak, Gründer der Initiative Rostock Müllfrei, der jedes Jahr mehrere Müllsammelaktionen im gesamten Rostocker Stadtgebiet durchführt, kennt das massive Zigarettenstummel-Problem genau. „Bei jeder unserer Aktionen sind mindestens 60 Prozent des gesammelten Mülls in allen Stadtteilen Zigarettenstummel. Das ist schon immens“, sagt er. „Doch zu hoffen, mit 20 weiteren Zigarettenstummel-Sammlern das Problem zu lösen, ist Quatsch“, kritisiert Knaak, der für Rostock Müllfrei im Jahr 2024 den Umweltpreis der Hansestadt erhalten hat.
Er widerspricht Felix Winter auch, dass die Ascher gut angenommen werden. „Gerade die Warnow-Ascher am Stadthafen sind meistens fast leer“, sagt er. Dennoch begrüßt er den Antrag zur Reduzierung von Zigarettenkippen im öffentlichen Raum, um auf das Problem aufmerksam zu machen. „Solche Ascher machen vor allem an Orten Sinn, an denen gewartet wird, also an Haltestellen, neben Parkbänken oder auch an Ampeln“, sagt er. Ansonsten gelte: „Wer raucht und Müll erzeugt, muss diesen auch selbst vernünftig entsorgen.“



