Prozess in Siegen: Mutter soll Tochter jahrelang isoliert haben – Befreiung 2022
Prozess: Mutter soll Tochter jahrelang isoliert haben

Prozessauftakt in Siegen: Mutter und Großeltern wegen jahrelanger Isolation eines Mädchens angeklagt

Vor dem Landgericht Siegen hat ein außergewöhnlicher Strafprozess begonnen, der die Öffentlichkeit schockiert. Eine 49-jährige Mutter sowie ihre Eltern stehen vor Gericht, weil sie ein Mädchen über viele Jahre hinweg von der Außenwelt abgeschottet haben sollen. Die Befreiung des Kindes erfolgte erst im Jahr 2022 durch die Polizei, nachdem es fast sein gesamtes Leben in Isolation verbracht hatte.

Schwere Vorwürfe und lange Anklageliste

Der Staatsanwaltschaft zufolge werden der Mutter mehrere gravierende Straftaten zur Last gelegt. Die Anklagepunkte umfassen Misshandlung von Schutzbefohlenen, Körperverletzung, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten, Entziehung Minderjähriger sowie Freiheitsberaubung. Die Großeltern des heute zwölfjährigen Mädchens sind wegen Beihilfe angeklagt. Das Kind soll in dem Haus der Großeltern in Attendorn im Sauerland völlig abgeschottet gelebt haben.

Gesundheitliche Folgen und psychiatrische Behandlung

Die Isolation hatte schwerwiegende Konsequenzen für das Mädchen. Laut späterer Diagnosen litt es unter psychischen, körperlichen und sozial-emotionalen Störungen. Die Staatsanwaltschaft berichtet, dass das Kind mehrere Monate in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt werden musste. Die Mutter habe ihre Tochter durch "böswillige Vernachlässigung" schwer geschädigt und jeglichen sozialen Kontakt verwehrt.

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Verschleierungstaktiken und versäumte Einschulung

Die Angeklagte soll systematisch versucht haben, das Kind für sich allein zu behalten. Als der Vater im Jahr 2015 ein Umgangsrecht beantragte, gab sie einen angeblichen Umzug nach Italien vor. Später behauptete sie, bereits mit der Tochter in Italien zu leben, und nannte eine falsche Adresse. Die Einschulung des Mädchens wurde von der Mutter aktiv verhindert. Nur in den ersten sechs Lebensmonaten hatte der Vater Kontakt zu seiner Tochter, danach wurde dieser komplett blockiert.

Jugendamt räumt Fehler ein – Befreiung nach langem Hin und Her

Erste Hinweise auf den wahren Aufenthaltsort des Kindes gab es bereits seit 2020. Doch erst im Juni 2022, fast zwei Jahre nach dem ersten anonymen Brief, kam Bewegung in den Fall. Ein erneuter Hinweis veranlasste das Jugendamt, in Italien nachzuforschen. Acht Wochen später lag die Antwort vor: Das Mädchen lebte nicht dort. Im September 2022 wurde es schließlich durch die Polizei befreit. Das Jugendamt hat im Nachhinein eigene Defizite und Fehler in der Fallbearbeitung eingeräumt.

Prozessverlauf mit Verzögerungen und dramatischen Momenten

Der Prozess hatte ursprünglich bereits im Januar begonnen, musste jedoch neu angesetzt werden. Grund dafür waren mehrere Verzögerungen, unter anderem aufgrund eines Suizidversuchs der angeklagten Mutter. Im Gerichtssaal verbarg die Frau ihr Gesicht hinter einer Akte, während die Verhandlung die tragischen Details der jahrelangen Isolation des Mädchens offenlegte. Die Großeltern, die wegen Beihilfe angeklagt sind, spielten eine unterstützende Rolle in diesem System der Abschottung.

Die Aufarbeitung dieses Falls wirft grundlegende Fragen zum Schutz von Kindern und zur Effektivität staatlicher Kontrollmechanismen auf. Der Prozess vor dem Landgericht Siegen wird voraussichtlich weitere erschütternde Einblicke in die jahrelange Isolation des Mädchens liefern.

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