Politisch motivierte Straftaten gegen Journalisten nehmen bundesweit und in Hessen zu
Straftaten gegen Journalisten nehmen in Hessen und bundesweit zu

Alarmierende Zunahme von Straftaten gegen Medienschaffende in Deutschland

Die Bedrohungslage für Journalisten und Medien in Deutschland hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Bundesweit wurden vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 insgesamt 818 politisch motivierte Straftaten registriert, die sich gezielt gegen Medienschaffende richteten. Diese besorgniserregende Entwicklung spiegelt sich auch auf Länderebene wider, wie aktuelle Zahlen aus Hessen belegen.

Hessen verzeichnet 29 Fälle mit einer Gewalttat

In Hessen hat die Polizei im gleichen Zeitraum 29 politisch motivierte Straftaten gegen Journalisten und Medien dokumentiert. Unter diesen Vorfällen befand sich auch eine Körperverletzung, die als Gewaltdelikt eingestuft wird. Diese Informationen gehen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, über die zunächst die «Rheinische Post» berichtete.

Die detaillierte Aufschlüsselung der hessischen Fälle umfasst:

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  • Sechs Propagandadelikte
  • Zwei Sachbeschädigungen
  • Drei Nötigungen beziehungsweise Bedrohungen

Die Anfrage wurde kürzlich vom Bundestag veröffentlicht und liegt auch der Deutschen Presse-Agentur vor, was die Transparenz und öffentliche Zugänglichkeit dieser besorgniserregenden Daten unterstreicht.

Bundesweite Entwicklung zeigt deutlichen Anstieg

Die bundesweiten Zahlen offenbaren ein noch dramatischeres Bild. Von den 818 registrierten Straftaten gegen Medien wurden 89 als Gewaltdelikte klassifiziert. Die politische Zuordnung dieser Vorfälle durch die Polizei zeigt eine breite Streuung:

  1. 244 Straftaten werden dem rechten Spektrum zugeordnet
  2. 78 Fälle werden dem linken Spektrum zugerechnet
  3. 153 Delikte werden mit ausländischer Ideologie in Verbindung gebracht
  4. 31 Vorfälle haben religiösen Hintergrund
  5. 312 Straftaten laufen unter der Kategorie «sonstige Zuordnung»

Vergleich zum Vorjahr zeigt besorgniserregende Tendenz

Im Vergleich zum Jahr 2023 stellt die aktuelle Entwicklung einen spürbaren Anstieg dar. Rechnet man die Zahl der Straftaten vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 hoch, ergibt sich ein Durchschnitt von knapp 41 Fällen pro Monat. Für das Jahr 2023 wurden dagegen nur etwa 290 Fälle ausgewiesen, was einem monatlichen Durchschnitt von rund 24 Vorfällen entspricht.

David Schliesing, medienpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag, äußerte sich alarmiert zu diesen Entwicklungen: «Das Ausmaß an gewalttätigen Übergriffen und Straftaten gegen Medienschaffende erreicht ein erschreckend hohes Niveau. Bund und Länder müssen umgehend aktiv werden und deutlich mehr für den Schutz journalistischer Arbeit tun.» Er betonte weiter: «Das sind Zahlen, die erschrecken und an die wir uns keinesfalls gewöhnen dürfen.»

Organisationen bestätigen die besorgniserregende Entwicklung

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hatte erst vergangene Woche in einem Bericht zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland Einschüchterung und Gewalt gegen Journalisten beklagt. Gleichzeitig werde eine Delegitimierung journalistischer Arbeit von vielen Reportern als große Bedrohung für den Journalismus wahrgenommen.

RSF hat für das Jahr 2025 insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen dokumentiert und verifiziert. Im Vorjahr lag diese Zahl bei 89, was zeigt, dass die Bedrohungslage kontinuierlich auf hohem Niveau bleibt. Die Kombination aus physischer Gewalt, Einschüchterungsversuchen und der zunehmenden Delegitimierung journalistischer Arbeit stellt eine mehrdimensionale Herausforderung für die Medienfreiheit in Deutschland dar.

Diese Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit verstärkter Schutzmaßnahmen für Journalisten und eine breite gesellschaftliche Debatte über den Wert unabhängiger Berichterstattung in einer demokratischen Gesellschaft.

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