Zwei Tote bei Amokfahrt in Leipzig: Augenzeugen berichten
Zwei Tote bei Amokfahrt in Leipzig

Leipzig – Ein 33-jähriger Deutscher raste am Montag mit einem VW Taigo durch die Fußgängerzone von Leipzig. Die Fahrt begann am Augustusplatz und endete erst an Pollern nahe dem Café „Pascucci“ an der Thomaskirche. Der Fahrer legte rund 600 Meter ohne Rücksicht auf Passanten zurück und erfasste mehrere Menschen mit großer Wucht. Am Abend bestätigten die Behörden zwei Tote, drei Schwerverletzte und rund 15 weitere Verletzte. Zahlreiche Augenzeugen erlebten die schrecklichen Szenen und benötigen psychologische Betreuung.

Freunde überleben knapp

Edward Ramirez (37, Hotelangestellter) und José Segovia (22, Student) wollten eigentlich nur schnell zum Sportgeschäft. Die kleine Shoppingtour am Montag hätten sie beinahe mit ihrem Leben bezahlt. Beide kamen mit Schürfwunden am Arm davon, doch ihren Freund Cristian (21, Hotelangestellter) traf der Amokfahrer direkt. Er musste mit einer Kopfverletzung in die Leipziger Uniklinik gebracht werden. José erzählt: „Wir liefen zu dritt nebeneinander am Denkmal vorbei, als wir es plötzlich laut rattern hörten.“ Bruchteile von Sekunden später lag Cristian blutend auf dem Boden.

Todesopfer nur wenige Meter entfernt

„Das Auto raste gefühlt mit 100 km/h an uns vorbei. Danach hörte man nur noch laute Schreie. Frauen weinten und um uns herum lagen weitere verletzte Personen“, erklärt Ramirez. Schockierend: Eins der beiden Todesopfer lag nur wenige Meter neben ihnen. Sie sahen die Reanimationsversuche. „Es war ein Bild des Grauens.“ Knapp zehn Minuten lang kümmerten sie sich mit einer anderen Passantin um ihren Freund, bis Sanitäter mit dem Krankenwagen kamen.

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Radiomoderatorin schildert Eindrücke

Radio-SAW-Moderatorin Friederike „Freddy“ Holzapfel war am Montagnachmittag mit ihrer Tochter in einem Laden in der Leipziger Innenstadt einkaufen, als sie von einer Dame hörte, dass es in der unmittelbaren Nähe eine Amokfahrt gegeben haben soll. „Wir sind sofort hinausgegangen und haben überall Blaulicht gesehen und Sirenen gehört“, sagt sie. Alles war abgesperrt, die Radiomoderatorin kam nicht mehr zu ihrem abgestellten Fahrrad. „Ich habe mit Augenzeugen gesprochen. Die sagten mir, der Wagen sei mit einem Affenzahn durchgerast. Menschen wären durch die Luft geflogen.“ Dabei habe es mutmaßlich noch deutlich schlimmer kommen können: „Die Springbrunnen, die dort normalerweise sprudeln, sind nicht angeschaltet gewesen. Da spielen sonst immer Kinder.“

Frau klammerte sich an Autodach

Ein Wirt, der zwei Geschäfte entlang der beliebten Einkaufsstraße betreibt, sagt: „Er raste mit 80 bis 100 Sachen vor meinem Laden entlang. Auf dem Autodach klammerte sich eine Frau an der Reling fest. Als der Fahrer mit dem Poller kollidierte, wurde sie hinabgeschleudert.“

Ermittlungen laufen

Die verheerende Fahrt erstreckte sich über rund 600 Meter durch die komplette Fußgängerzone und über den Markt entlang der Grimmaischen Straße. Beamte konnten den Fahrer noch in seinem VW festnehmen. Er leistete keinen Widerstand. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mindestens zwei Fällen.

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