Münchens Radverkehr im Fokus der Kommunalwahl
Der Münchner Radverkehr entwickelt sich zu einem zentralen Wahlkampfthema vor der anstehenden Kommunalwahl am 8. März 2026. Die politischen Parteien diskutieren intensiv darüber, wo neue Radwege entstehen sollen, welche Brücken gebaut werden müssen und wie die Infrastruktur für Radfahrer verbessert werden kann. Viele Münchnerinnen und Münchner nutzen regelmäßig das Fahrrad für ihre täglichen Wege, was die politische Debatte zusätzlich befeuert.
CSU setzt auf Fahrradstraßen und Brückenbau
CSU-Oberbürgermeisterkandidat Clemens Baumgärtner muss sich im Wahlkampf häufig der Frage stellen, ob mit seiner Partei überhaupt noch Radwege gebaut werden. In der vergangenen Legislaturperiode gab es kaum ein Radprojekt, das nicht auf Kritik der CSU stieß. "Auch ich würde als OB neue Radwege schaffen – allerdings nicht im Goldstandard, sondern vor allem dort, wo es sinnvoll ist", erklärt Baumgärtner deutlich.
Der Politiker verweist auf sein Engagement für die Fahrradstraße in der Königinstraße, die er als bessere Lösung ansieht als breitere Radwege auf Ludwig- und Leopoldstraße mit Baumfällungen. Weitere Fahrradstraßen könnten beispielsweise auf der Lindwurmstraße entstehen, wo probeweise Autospuren umgewidmet werden könnten. Als Investitionsvorhaben nennt Baumgärtner eine Fuß- und Radfahrerbrücke am Giesinger Berg.
Grüne wollen Radentscheid konsequent umsetzen
Grünen-Stadtrat Florian Schönemann gibt zu, dass seine Partei sich mehr Fortschritte gewünscht hätte. "Aber wir sind in einer Koalition, in der es unterschiedliche Vorstellungen gibt", erklärt er. Die Diskussionen mit Anwohnern und Bezirksausschüssen hätten die Projekte verkompliziert. Dennoch zeigt sich Schönemann mit den umgesetzten Maßnahmen grundsätzlich zufrieden.
Die Grünen haben sich zum Ziel gesetzt, jährlich fünf Radprojekte zu realisieren. An der Lindwurmstraße testeten sie kostengünstigere Lösungen mit Pollern und Markierungen. Für die nächste Legislaturperiode stehen die Isarparallele entlang Widenmayer- und Steinsdorfstraße sowie die Vollendung des Altstadtradrings ganz oben auf der Prioritätenliste. Letzteres könnte die Umwandlung der Frauenstraße in eine Einbahnstraße erfordern.
SPD fordert Pragmatismus statt Prestigeprojekte
SPD-Fraktionschefin Anne Hübner erklärt deutlich: "Die Zeit der teuren Prestige-Projekte ist vorbei". Statt weniger aufwendiger Umbauten bevorzugt ihre Partei mehr Radwege in verschiedenen Straßen. Angesichts der Haushaltslage plädiert Hübner für mehr Pragmatismus und Augenmaß.
Die SPD kann sich Markierungen am Gebsattelberg in der Au und an der Paul-Heyse-Straße vorstellen, wo bisher kein Radweg existiert. Projekte, die sinnvoll und finanzierbar sind, werde die SPD nicht blockieren. Allerdings sieht Hübner beim Altstadtradring große Probleme, besonders entlang des Viktualienmarkts an Frauen- und Blumenstraße. "Selbst dem Mobilitätsreferat fehlt die Fantasie, wie das gehen soll", sagt sie. Auch Radschnellwege haben für die SPD wegen der Kosten keine Priorität.
FDP will Parkplatzprobleme lösen
FDP-Politiker Fritz Roth kritisiert den neuen breiten Radweg an der Zeppelinstraße, den seine Partei kurz vor Baubeginn noch stoppen wollte. "Gestalterisch ist das nicht das, was wir uns vorstellen", bedauert er. Grundsätzlich hält Roth es für problematisch, wenn die Stadt Parkplätze ersatzlos streicht.
Sein Vorschlag: Die Stadt müsse mit Behörden, Kaufhäusern und Supermärkten verhandeln, damit Anwohner in deren Tiefgaragen parken dürfen. "Diese Mühe muss sich die Stadt machen, um die Situation zu befrieden", fordert Roth. Für die nächste Legislaturperiode will die FDP den Altstadtradring insbesondere an der Sonnenstraße weiterbauen sowie die Radinfrastruktur an Paul-Heyse-Straße und Dachauer Straße verbessern.
ÖDP kritisiert schleppende Umsetzung des Radentscheids
ÖDP-Chef Tobias Ruff, dessen Partei den Münchner "Radentscheid" initiierte, zeigt sich "extrem unzufrieden" mit der Umsetzung durch das Rathaus. "Wenn es so langsam weitergeht, dauert es noch bis zum nächsten Jahrhundert, bis wir überall sichere Radwege haben", kritisiert er.
Viele Radwege endeten immer noch im Nichts, der Altstadtradring sei nur zu einem Bruchteil fertig und Radschnellwege existierten kaum. Der größte Fehler aus Ruffs Sicht: "Man hat immer an der großen baulichen Lösung gearbeitet". Einfacher, schneller und günstiger wäre die Abmarkierung von Radwegen gewesen. "Auch den Altstadtradring könnte man einfach auf die Straße pinseln", meint Ruff. Besonders gefährlich sei die Situation am Viktualienmarkt an der Frauenstraße, wo noch gar kein Radweg existiere.
Linke: Radwege sind keine Luxusprojekte
Katharina Horn, Spitzenkandidatin der Linken und Sprecherin des Radentscheids, kann die Bezeichnung "Luxus-Radweg" nicht leiden. "Etwas, das Luxus ist, ist unnötig. Sichere Radwege sind aber eine Notwendigkeit", stellt sie klar. Der Radentscheid habe nie verlangt, dass alle Radwege im höchsten Standard gebaut werden müssten.
Auch durch Markierungen und Schutzelemente könnten mehr Radwege entstehen. "Da ist viel mehr möglich, wenn man sich traut", sagt Horn. Besonders wichtig sind ihr ein neuer Radweg auf der Sonnenstraße, eine breitere Isarparallele und der Radweg an der Martin-Luther-Straße in Giesing. Nicht vergessen werden dürfe, dass sich mit neuen Radwegen auch die Situation für Fußgänger verbessere.
Die unterschiedlichen Positionen zeigen, dass der Münchner Radverkehr auch nach der Kommunalwahl am 8. März 2026 ein kontrovers diskutiertes Thema bleiben wird. Während einige Parteien auf kostengünstige Lösungen setzen, fordern andere die konsequente Umsetzung bereits beschlossener Projekte. Die Wahlentscheidung der Münchnerinnen und Münchner wird maßgeblich beeinflussen, welche Radverkehrspolitik in den kommenden Jahren verfolgt wird.



