Rostock sucht neue legale Graffitiflächen nach Schließung der Sporthalle Elisabethstraße
Rostock sucht neue legale Graffitiflächen nach Schließung

Rostock sucht neue legale Graffitiflächen nach Schließung der Sporthalle Elisabethstraße

Die Hansestadt Rostock steht vor einer großen Herausforderung bei der Suche nach neuen legalen Graffitiflächen. Nach der Schließung der letzten offiziellen Spraywand an der Sporthalle der Werner-Lindemann-Grundschule in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) herrscht ein deutliches Vakuum, besonders im Innenstadtbereich. Die Wände der Sporthalle in der Elisabethstraße sind nach wie vor mit Graffiti bedeckt, obwohl die Halle seit Sommer 2025 nicht mehr für Sprayer freigegeben ist.

Hohe Kosten durch illegale Schmierereien

Illegale Graffiti sind im Rostocker Stadtbild allgegenwärtig und verursachen der Stadt jährlich immense Kosten. Allein im vergangenen Jahr beliefen sich die Aufwendungen für die Beseitigung von Schmierereien auf mehrere Hunderttausende Euro. Christoph Kirchner, Streetworker beim Verein Soziale Bildung, betont aus seiner Arbeit mit Jugendlichen: „In der Innenstadt gibt es ein riesiges Vakuum, was legale Möglichkeiten betrifft.“ Dieser Mangel an offiziellen Flächen verschärft das Problem zusätzlich.

Probleme an der Sporthalle führten zur Schließung

Die Entscheidung, die Sporthalle Elisabethstraße nicht mehr als legale Spraywand zu nutzen, fiel nach zahlreichen Vorfällen. Nicht nur die Hallenwände wurden besprüht, sondern auch Fenster, Türen und sogar Türschlösser, die ausgetauscht werden mussten. Nicole Mielke vom Amt für Schule und Sport beschreibt die Situation: „Bänke, Hofpflasterung und Tartanfläche wurden immer wieder mit Farbe vollgeschmiert.“ Hinzu kamen nächtliche Ruhestörungen, Sachbeschädigungen auf der Schultoilette und herumliegende Spraydosen als Müllproblem.

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Die Schulleiterin Mandy Maria Hamann fasst zusammen: „Seitdem die Halle freigegeben ist, haben wir nur Probleme.“ Das Personal der Schule ist montagmorgens damit beschäftigt, die Schäden des Wochenendes zu beseitigen. Diese zusätzlichen Belastungen strapazieren das ohnehin knappe Budget der Stadt für Instandhaltungsmaßnahmen erheblich.

Netzwerk fordert neue legale Alternativen

Als Reaktion auf die Schließung hat sich das Netzwerk für freie legale Graffitiwände gegründet. Kristina Koebe, eine der Initiatorinnen, erklärt: „Der Wunsch nach freien legalen Wänden ist ein wichtiges Thema für Rostock, das bisher noch wenig Lobby hat.“ Das Netzwerk setzt sich dafür ein, in allen Stadtteilen neue Flächen zu schaffen, die als Begegnungsorte für die Szene dienen und Jugendlichen Raum für kreativen Ausdruck bieten.

Christoph Kirchner verweist auf positive Beispiele wie die Fläche beim Stadtteil- und Begegnungszentrum in Groß Klein. Dort wurden spezielle Container für leere Spraydosen aufgestellt und klare Vorgaben zu erlaubten Symbolen gemacht. „Die Borwinhalle war der ideale Ort für die Jugendlichen“, so Kirchner über die nun geschlossene Fläche an der Sporthalle.

Aktuelle legale Graffitiflächen in Rostock

Derzeit gibt es in Rostock nur wenige offiziell freigegebene Flächen für legales Graffiti:

  • Sporthalle Walter-Butzek-Straße 1: Nur die Sporthalle ist freigegeben, nicht die größere Halle zur Polizei. Erlaubt sind ausschließlich Außenwände ohne Fenster und Türen.
  • Sporthalle Kurt-Schumacher-Ring 161: Lediglich die Rückwand darf besprüht werden.
  • Sporthalle Alte Warnemünder Chaussee 7: Außenwände ohne Fenster und Türen sind freigegeben.
  • Sporthalle Gerüstbauerring 27: Befristet bis zum Beginn einer Sanierung sind Vorder- und Rückseite (ohne Fenster und Türen) zum Malen freigegeben.

Stadt zeigt sich gesprächsbereit, aber ablehnend gegenüber Sporthalle

Nicole Mielke vom Amt für Schule und Sport signalisiert Gesprächsbereitschaft: „Wir sind offen für Ideen, wo Sprühen stattfinden kann hier im Innenstadtbereich.“ Allerdings schließt sie eine Rückkehr zur Sporthalle Elisabethstraße kategorisch aus: „Aber an der Sporthalle an der Elisabethstraße sehen wir das nicht.“ Die Priorität liege auf der Gewährleistung des Schulunterrichts und des Vereinssports.

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Das Netzwerk für freie legale Graffitiwände will nun mit der Stadtverwaltung in Dialog treten und konkrete Vorschläge für neue Standorte unterbreiten. Angesichts des Mangels an Jugendfreizeitflächen in der KTV und der anhaltenden Probleme mit illegalem Graffiti wird dringend nach praktikablen Lösungen gesucht, die sowohl den Bedürfnissen der Sprayer-Szene als auch den Interessen der Allgemeinheit gerecht werden.