Rabatte, Zeitdruck, Preiswechsel: Tricks der Online-Shops entlarvt
Rabatte, Zeitdruck, Preiswechsel: Tricks der Online-Shops

Rabatte, die keine sind. Zeitdruck, der zum schnellen Kauf drängt. Und Preise, die plötzlich anders aussehen als noch kurz zuvor – je nachdem, ob man über ein Android- oder Apple-Gerät bestellt? Viele Kunden haben das Gefühl, dass im Online-Handel mit allen Tricks gearbeitet wird. Doch so einfach ist es nicht. BILD hat mit einem Experten gesprochen.

Scheinrabatte

Es wird mit Knallerangeboten geworben, dabei wurden die Preise vor dem Sale klammheimlich erhöht. Die Experten von der größten Preisvergleichs-Website Idealo (gehört wie BILD zu Axel Springer) haben rund um den Black Friday genau dieses Phänomen geprüft. Ergebnis: Kommt höchstens in Einzelfällen vor. Dr. Sebastian Voigt, Co-CEO der Unternehmensberatung hy Consulting, ergänzt: „Durch die EU-Omnibus-Richtlinie muss bei Preisermäßigungen der niedrigste Preis der vergangenen 30 Tage als Vergleichswert angegeben werden. Händler können ihre Preise also nicht einfach mal eben hochsetzen, um danach mit einem Mega-Rabatt zu werben.“ Trotzdem: Nicht jeder Shop hält sich dran.

Künstliche Verknappung

Stimmt teilweise! Hinweise wie „Nur noch 2 Stück verfügbar“ sind laut Voigt nicht automatisch gelogen. Solche Angaben können auf realen Lagerbeständen beruhen. BILD-Tests belegen: Kaufe ich das letzte Produkt, ist es danach nicht mehr verfügbar. Aber: Gerade bei Reise- und Buchungsplattformen bezieht sich die Anzeige oft nur auf das eigene Kontingent und nicht auf die gesamte Verfügbarkeit.

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UVP-Lüge

Kommt leider sehr oft vor. Die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) ist fast immer ein Fantasiewert, der nie verlangt wurde. So wirkt ein Rabatt schnell größer, als er in Wahrheit ist. Aussagekräftiger ist deshalb meist der Vergleich mit aktuellen Marktpreisen. Die bloße Gegenüberstellung der UVP mit dem Verkaufspreis ist erlaubt, die Werbung mit einem Rabatt zur Preisempfehlung wie etwa bei Amazon ist verboten. Das Thema wird gerade vor Gericht ausgefochten.

Personalisierte Preise

Technisch ist das längst möglich. Preise könnten theoretisch nach Standort, Gerätetyp, Nachfrageverhalten oder Kaufhistorie beeinflusst werden. Voigt: „In der Praxis sind aber direkt unterschiedliche Preise für identische Produkte eher selten. Häufiger gibt es indirekte Personalisierung, etwa über individuelle Gutscheine, andere Sortierungen oder besonders auffällig platzierte Angebote.“

Preise je nach Endgerät

Technisch wäre sogar eine Preisdifferenzierung nach Betriebssystem oder konkretem Modell möglich – also etwa zwischen einem alten iPhone und einem neuen Spitzenmodell. Im E-Commerce spielt das laut Voigt aber nur eine Nebenrolle. Für Händler wäre das riskant, weil es schnell das Preisimage beschädigen könnte. Eher dient das Gerät als Signal für Kaufkraft oder Zahlungsbereitschaft. Das heißt: Wer von einem Luxus-Handy zum Shop surft, bekommt eher Zusatzangebote ausgespielt.

Günstige Preise, aber mieser Service

Stimmt in sehr vielen Fällen! Shops, die auf Bestpreise setzen, sparen laut Voigt oft anderswo: keine Hotline, lange Bearbeitungszeiten bei Anfragen, teure Service-Pakete, kostenpflichtige Retouren.

Sparfochs-Urteil

Die miesen Holzhammer-Tricks werden seltener. Stattdessen läuft die Verführung im Netz heute feiner, psychologischer und oft schwerer zu durchschauen. Der Rabatt wirkt größer, die Knappheit dramatischer, das Angebot unwiderstehlicher.

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