Deutschlandticket beweist Klimaschutzwirkung: 2,5 Millionen Tonnen CO₂ jährlich eingespart
Das Deutschlandticket für den öffentlichen Nahverkehr entfaltet eine bemerkenswerte Klimaschutzwirkung. Laut einem aktuellen Zwischenbericht zur Evaluation des Tickets, der von mehreren Forschungsinstituten im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellt wurde, werden durch das Abonnement jährlich etwa 2,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden. Diese Einsparung entspricht drei Prozent der Gesamtemissionen, die durch den privaten Pkw-Verkehr in Deutschland verursacht werden.
Nutzung und Potenzial des 63-Euro-Tickets
Derzeit nutzen rund 15 Millionen Menschen das Deutschlandticket, das seit Mai 2023 bundesweit Fahrten in Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs ermöglicht. Nach mehreren Preiserhöhungen kostet das Abo inzwischen 63 Euro pro Monat und kann jeweils zum Monatsende gekündigt werden. Der Zwischenbericht zeigt, dass etwa zwölf bis 20 Prozent der mit dem Deutschlandticket zurückgelegten Fahrten ohne dieses Angebot mit dem Auto erfolgt wären.
Das Potenzial ist jedoch noch nicht ausgeschöpft: Das Bundesverkehrsministerium schätzt, dass das Ticket noch bis zu 5,8 Millionen weitere Nutzerinnen und Nutzer gewinnen könnte. Dies wäre durch die Reaktivierung früherer Kunden und konsequentes Marketing möglich. Der positive Trend setzt sich fort: „Die sich in den laufenden Erhebungen abzeichnenden Werte für das gesamte Jahr 2025 liegen sehr nahe an den bisherigen Ergebnissen“, heißt es in dem Bericht.
Verkehrsbetriebe kritisieren fehlende Entlastung
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) übt scharfe Kritik an der Bundesregierung. Der Verband wittert in der Veröffentlichung des Zwischenberichts ein Ablenkungsmanöver, da dieser direkt nach dem Entlastungsgipfel der Regierung erschien. Auf diesem Gipfel wurde zwar ein Tankrabatt beschlossen, „aber keine Entlastungsmaßnahmen für die 24 Millionen Fahrgäste, die durch ihre ÖPNV-Nutzung täglich aktiv dazu beitragen, dass in Deutschland erheblich weniger Diesel und Benzin verbraucht werden“, so der VDV.
Der Verband warnt deutlich: „Ohne dass endlich auch der Bund Maßnahmen ergreift, werden die Verkaufszahlen eingefroren bleiben.“ Zudem kritisiert der VDV, dass das angebliche Potenzial an zusätzlichen Kundinnen und Kunden in den Verkaufszahlen nicht erkennbar sei. Stattdessen werde das ÖPNV-Angebot bundesweit teilweise reduziert, was dem Gedanken des Deutschlandtickets konträr entgegenstehe.
Soziale Wirkung und Expertenmeinungen
Der Zwischenbericht hebt hervor, dass das Deutschlandticket besonders für Menschen mit geringerem Einkommen die Mobilität verbessert. „Durch die einfache und trotz erfolgter Preiserhöhungen noch immer relativ kostengünstige Nutzung des ÖPNV wird eine etwas verbesserte gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht“, heißt es darin.
Experten betonen, dass eine Vergünstigung des Deutschlandtickets in der aktuellen Debatte über Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger eine effektivere Maßnahme wäre als der beschlossene Tankrabatt. Sie sehen darin „die richtige Antwort auf den teuren Sprit“. Um spürbarer zur Verkehrsverlagerung beizutragen, sind aus Sicht des VDV jedoch rund 20 Millionen Nutzerinnen und Nutzer nötig.
Die Entwicklung des Deutschlandtickets bleibt somit ein zentrales Thema für Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland.



