Fahrlehrer warnen: Weniger Pflichtstunden gefährden Verkehrssicherheit
Fahrlehrer warnen vor weniger Pflichtstunden

Fahrlehrer schlagen Alarm: Weniger Pflichtstunden bedrohen Verkehrssicherheit

Die Bundesregierung plant eine Reform der Führerscheinausbildung, um die Kosten für die Fahrerlaubnis zu senken. Doch Fahrlehrer aus Mecklenburg-Vorpommern warnen eindringlich vor den Risiken dieser Pläne. Sie befürchten, dass reduzierte Pflichtstunden und vermehrtes digitales Lernen die Verkehrssicherheit gefährden könnten.

Erfahrene Fahrlehrer kritisieren Sparpläne

Erwin Lilya aus Schwerin blickt auf mehr als vier Jahrzehnte Erfahrung als Fahrlehrer zurück. Der 75-Jährige zeigt sich besorgt über die geplanten Änderungen. „Ohne richtigen Unterricht geht das nicht“, betont er mit Nachdruck. Lilya verweist auf die 14 Themenkomplexe und knapp 100 Unterpunkte der Fahrschulausbildung, die Vorfahrtsregeln, Gefahrenlehre und Nachtfahrten umfassen.

Der ehemalige Fahrlehrer berichtet von Schülern, die Prüfungsfragen zwar auswendig lernen konnten, aber grundlegende Verkehrsbegriffe nicht erklären konnten. „Manche sind zehnmal zur Vorprüfung gekommen, bis sie es geschafft haben“, sagt Lilya. Für ihn ist reines Lernen per App ein Irrweg, da wichtige Themen wie Gefahrenabwehr nicht digital vermittelt werden können.

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Drastische Kürzung der Sonderfahrten sorgt für Unmut

Besonders kritisch sehen die Experten die geplante Reduzierung der verpflichtenden Sonderfahrten. Bislang sind zwölf solcher Fahrten vorgeschrieben, darunter Autobahn-, Überland- und Nachtfahrten. Künftig sollen es nur noch drei sein.

„Eine Stunde Autobahn? Da lernt doch keiner, wie man sich im Verkehrsfluss einfädelt“, sagt Lilya und schüttelt den Kopf. Er betont, dass Fahrschüler Erfahrungswerte im Umgang mit Staus, Wildwechsel und plötzlich abbremsenden Lkw benötigen. Seine Prognose ist deutlich: „Wenn man hier im Unterricht kürzt, gibt es mehr Unfälle.“

Fahrlehrerverband warnt vor Qualitätseinbußen

Christin Knochenhauer, Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, unterstützt diese Bedenken. „All das gelingt nur mit Erfahrungswerten“, sagt sie bezüglich der Überlandfahrten bei Nacht und Autobahnfahrten. Auch die Abschaffung des Präsenzunterrichts lehnt sie entschieden ab.

Knochenhauer weist darauf hin, dass nicht jeder Fahrschüler über die notwendige Kompetenz verfügt, sich alles digital zu erarbeiten. Zudem bestehe beim Lernen am Handy die Gefahr der Ablenkung. „Wir haben doch alle nichts davon, wenn die Teilnehmer alles auswendig lernen, aber in der Praxisstunde das Gelernte nicht anwenden können“, warnt die Verbandsvorsitzende.

Hintergründe der hohen Führerscheinkosten

Die Politik argumentiert mit explodierenden Preisen in den Ausbildungsstellen, während Fahrlehrer auf das sich stetig verteuernde Umfeld verweisen. Lilya betont: „Die Fahrlehrer machen ihre Preise nicht bewusst hoch.“ Spritpreise, Versicherungen, Werkstattkosten und die Anschaffung von Fahrschulfahrzeugen treiben die Kosten in die Höhe.

Knochenhauer nennt konkrete Zahlen: Kostete ein Mittelklasse-Fahrschulwagen vor 2020 noch rund 25.000 Euro, werden heute fast 50.000 Euro fällig. „Je nach Anforderung müssen wir für jeden Fahrlehrer zwei Fahrzeuge vorhalten, Schalter und Automatik“, erklärt sie. Hinzu kommen Mieten für Schulungsräume, Personalkosten und Steuern.

Führerschein als lebenslange Investition

Die Fahrlehrer plädieren für eine andere Perspektive auf die Kosten. Knochenhauer mahnt: „Der Erwerb einer Fahrerlaubnis ist für das gesamte Leben.“ Rechne man 3.000 Euro auf 80 Jahre um, relativiere sich die Summe erheblich. Lilya ergänzt mit Nachdruck: „Man kann beim Fahren nicht sparen. Man muss die Stunden nehmen, wie der Fahrlehrer es vorgibt.“

Beide Experten sind sich einig, dass eine Modernisierung der Fahrschulausbildung möglich ist. Prüfungsfragen könnten überarbeitet werden und digitale Angebote die Ausbildung ergänzen. Doch eine reine Verschlankung der Pflichtstunden gefährdet aus ihrer Sicht die Verkehrssicherheit nachhaltig. Lilyas Appell an die Politik ist deutlich: „Die Politiker sollen sich mal mit Fahrlehrern unterhalten.“

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