Feuerwehr wirft Flughafen München Versagen nach nächtlicher Passagier-Ordeal vor
Die unfreiwillige Übernachtung von rund 600 Passagieren in Flugzeugen am Münchner Flughafen sorgt weiterhin für massive Kritik und rechtliche Nachspiele. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) hat dem Airport nun schwere Versäumnisse vorgeworfen, während die Staatsanwaltschaft Landshut einen offiziellen Prüfvorgang eingeleitet hat.
Feuerwehr-Gewerkschaft spricht von skandalösem Vorgehen
Der Bundesvorsitzende der DFeuG, Siegfried Maier, äußerte sich gegenüber Medien scharf: "Es ist ein Skandal, dass die Feuerwehr nicht alarmiert wurde". Obwohl die Flughafenfeuerwehr an ihren beiden Standorten rund um die Uhr besetzt gewesen sei, seien die Retter nicht zu dem Vorfall gerufen worden. Maier betonte, dass es nur wenige Fälle gebe, in denen die Feuerwehr nicht helfen könne, und verwies auf spezielle Rettungstreppen, mit denen Passagiere aus Flugzeugen geborgen werden könnten.
Die Feuerwehr verfügt über mehrere Optionen, die in dieser Situation hätten genutzt werden können:
- Spezielle Rettungstreppen zur Evakuierung der Passagiere
- Geschultes Personal für Notfahrten mit Bussen
- Einsatz von Feuerwehrbussen bei Bedarf
Laut Maier hätten etwa 250 Feuerwehrleute vor Ort die notwendigen Qualifikationen besessen, um im Notfall auch Busse zu steuern und die Passagiere ins Terminal zurückzubringen.
Staatsanwaltschaft leitet Prüfverfahren ein
Parallel zur Kritik der Feuerwehr hat die Staatsanwaltschaft Landshut einen Prüfvorgang zu den Vorfällen am Münchner Flughafen angelegt. Ein Sprecher der Ermittlungsbehörde bestätigte den Eingang des Polizeiberichts, konnte jedoch aufgrund der laufenden Prüfung keine weiteren Details nennen. Die Polizei war aktiv geworden, nachdem ein "wohl unbeteiligter Dritter" über ein Kontaktformular beim Landeskriminalamt München eine Untersuchung der Vorgänge angeregt hatte.
Hintergrund: Schneefall und fehlende Busse
In der Nacht zum vergangenen Freitag waren sechs Flüge mit insgesamt etwa 600 Passagieren betroffen, die sich bereits an Bord befanden und eigentlich starten sollten. Trotz einer Sonderfluggenehmigung, die Flüge bis 1:00 Uhr morgens ermöglichte, konnten die Maschinen wegen massiven Schneefalls nicht abheben. Das kritische Problem: Es fehlten Busse, um die Fluggäste zurück ins Flughafengebäude zu bringen.
Zwischen 0:00 und 5:00 Uhr gilt in München die strikte Nachtflugregelung. Um dennoch möglichst viele Flüge durchführen zu können, hatte der Flughafen die Sondergenehmigung eingeholt und Flugzeuge bis 1:00 Uhr auf die Rollfelder geschickt. Die betroffenen sechs Flieger konnten in diesem Zeitfenster jedoch nicht starten.
Reaktionen der Beteiligten
Die Lufthansa, zu deren Gruppe fünf der sechs betroffenen Flüge gehörten, hatte bereits mitgeteilt, dass die Passagiere eine finanzielle Entschädigung erhalten sollen. Sowohl die Fluggesellschaft als auch der Flughafen München hatten sich für die "unzumutbare Situation" entschuldigt. Bislang sind nach Polizeiangaben keine Anzeigen von direkt betroffenen Passagieren eingegangen.
Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft bleibt bei ihrer scharfen Kritik: "Das ist ein Versagen des Flughafens", fasste Siegfried Maier die Situation zusammen und verwies auf die vorhandenen Rettungsmöglichkeiten, die nicht genutzt wurden.



