Elektromobilität in Neubrandenburg: Nur jedes 25. Auto fährt elektrisch
Die Elektromobilität bleibt in Neubrandenburg weiterhin eine Randerscheinung. Laut dem Statistischen Jahrbuch waren zum 1. Januar 2025 lediglich 885 Autos in der Stadt registriert, die entweder rein batteriebetrieben oder als Plug-in-Hybride unterwegs waren. Dies entspricht einem Anteil von etwa 3,7 Prozent aller Pkw in Neubrandenburg zu diesem Zeitpunkt. Im Vergleich dazu lag der Anteil in Gesamtdeutschland bei 5,3 Prozent, während er in ganz Mecklenburg-Vorpommern nur 2,9 Prozent betrug.
Wachstum der E-Mobilität verlangsamt sich deutlich
Das Wachstum der Elektromobilität hat in Neubrandenburg stark nachgelassen. Während sich die Zahl der E-Autos in den Jahren 2021 und 2022 jeweils mehr als verdoppelte, betrug der Zuwachs im Jahr 2024 nur noch etwa elf Prozent. Ein theoretisches Rechenbeispiel verdeutlicht die Situation: Bei einem gleichbleibenden Wachstum von elf Prozent würden erst im Jahr 2051 gleich viele E-Autos und Verbrenner in der Stadt fahren. Hätte sich das Wachstum wie in den Corona-Jahren fortgesetzt, wäre dieser Punkt bereits in drei Jahren erreicht worden.
Der Anteil von Benzinern und Dieselautos in Neubrandenburg sinkt zwar seit einigen Jahren, betrug aber Anfang 2025 immer noch mehr als 90 Prozent. Gut zwei Drittel aller Autos waren reine Benziner, fast jedes vierte ein Diesel. Zu diesem Zeitpunkt fuhren etwa 500 batteriebetriebene Pkw in der Stadt, ergänzt durch 400 Plug-in-Hybride und 2000 sonstige Hybridautos. Insgesamt stieg die Anzahl der Autos leicht auf 31.292.
Ladeinfrastruktur wächst, aber nicht schnell genug
Die Anzahl der Ladestationen im Stadtgebiet hat sich in den vergangenen drei Jahren von 20 auf 62 mehr als verdreifacht. Laut einer Aufstellung der Bundesnetzagentur gibt es in Neubrandenburg insgesamt 100 Ladepunkte für Elektroautos. Jüngst hinzugekommen sind fünf Stationen in der Tiefgarage unter dem Markplatz-Center. Allerdings hielt der Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht ganz Schritt mit dem Wachstum der E-Autos: Mussten sich Anfang 2023 statistisch nur 9,3 E-Autos einen Ladepunkt teilen, waren es ein Jahr später bereits 10,5.
Mehr Autos pro Einwohner und Rückgang im ÖPNV
Auf die Einwohner gerechnet, nimmt die Anzahl der Autos in Neubrandenburg generell weiter zu. Während im Jahr 2010 noch 46 Pkw auf 100 Einwohner gezählt wurden, erhöhte sich dieser Wert bis 2024 auf etwa 52 Autos. Ein weiterer bemerkenswerter Wert im Jahrbuch-Kapitel „Verkehr“ ist gestiegen: Die 106 Neuerteilungen von zuvor eingezogenen Führerscheinen stellen den höchsten Wert seit 2013 dar.
Die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs zeigt einen langfristigen Rückgang. Im Jahr 2005 wurden noch 5,09 Millionen Fahrgäste mit den Neubrandenburger Stadtbussen befördert. In den folgenden Jahren sank diese Zahl teils deutlich und kletterte erst 2024 wieder knapp über die Fünf-Millionen-Marke. Zum Vergleich: Im Jahr 1990 wurden etwa 11 Millionen Passagiere gezählt, damals hatte die Stadt jedoch noch nicht ein Drittel ihrer Einwohner verloren.
Bei den Nutzfahrzeugen dominiert nach wie vor der Dieselantrieb. Sein Anteil bei LKW, Bussen und Zugmaschinen betrug Anfang 2025 rund 94 Prozent. Diese Zahlen unterstreichen, dass die Verkehrswende in Neubrandenburg noch in den Anfängen steckt und sowohl bei der Elektromobilität als auch bei der Nutzung des ÖPNV erhebliche Herausforderungen bestehen.



