Bundesweite ÖPNV-Warnstreiks: Nahverkehr droht am Wochenende komplett zu erliegen
Die Gewerkschaft Verdi hat für das kommende Wochenende zu bundesweiten Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aufgerufen. In den meisten Regionen Deutschlands soll der Bus- und Bahnverkehr am Freitag und Samstag nahezu vollständig zum Erliegen kommen. Vor allem der morgendliche Berufsverkehr am Freitag wird massiv beeinträchtigt, auch Wochenendausflüge müssen vielfach umgeplant werden.
Zeitliche Abläufe und regionale Unterschiede
Die Warnstreiks beginnen in der Regel am Freitag in den frühen Morgenstunden und enden in der Nacht auf Sonntag. Die genauen Uhrzeiten variieren jedoch je nach Betriebsbeginn und Betriebsende der jeweiligen Verkehrsunternehmen erheblich. In einigen Regionen wird bereits am Donnerstag die Arbeit niedergelegt, während am Sonntag noch einige Nahverkehrsunternehmen von Arbeitsniederlegungen betroffen sein könnten.
Besonders betroffen sind:
- Bremen: Streiks bis in die Nacht auf Montag
- Mecklenburg-Vorpommern: Nur am Freitag
- Ein Landkreis in Sachsen-Anhalt: Von Donnerstag bis einschließlich Sonntag
Reisenden wird dringend empfohlen, vor Fahrtantritt die Webseiten und Auskunftsmedien der jeweiligen Nahverkehrsunternehmen zu konsultieren.
Wer ist betroffen und wer nicht?
Zum Warnstreik aufgerufen sind die Beschäftigten von Nahverkehrsunternehmen, die in der Regel Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen betreiben. Nicht betroffen ist hingegen die Deutsche Bahn. Regionalzüge, der Fernverkehr und vor allem auch die S-Bahnen sollten am Freitag und Samstag planmäßig verkehren.
Noch unklar ist die Situation in Baden-Württemberg und bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein, wo laut Verdi kurzfristige Entscheidungen anstehen. Sicher nicht bestreikt wird der Nahverkehr in Niedersachsen, da dort bis Ende März eine sogenannte Friedenspflicht gilt. Arbeitskampfmaßnahmen sind in Niedersachsen bis zum 31. März ausgeschlossen.
Insgesamt betrifft die aktuelle Tarifrunde bundesweit etwa 100.000 Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr.
Erwartete Auswirkungen auf den Verkehr
In großen Teilen Deutschlands dürfte der öffentliche Nahverkehr nahezu komplett zum Erliegen kommen, ähnlich wie beim ersten bundesweiten ÖPNV-Warnstreik am 2. Februar. An einigen Orten werden voraussichtlich Notfahrpläne mit entsprechend überfüllten Fahrzeugen eingeführt. Fahrten mit Bus und Bahn sind an den Streiktagen daher eher nicht zu empfehlen.
Der Warnstreik Anfang Februar hatte bereits deutliche Auswirkungen auf den restlichen Verkehr gezeigt. Viele Menschen stiegen auf das Auto um, was nach Einschätzung des ADAC zu einem leichten Anstieg bei Länge und Dauer der Staus führte. Der Fahrdienstvermittler Freenow beobachtete zudem in den Morgenstunden eine deutlich größere Nachfrage nach Taxis.
Hintergründe der Tarifverhandlungen
In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen. Dazu gehören:
- Kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten
- Längere Ruhezeiten
- Höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende
In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn werden zusätzlich höhere Löhne und Gehälter verhandelt. Nach Ansicht von Verdi kamen die Gespräche zuletzt kaum voran. Auch die Arbeitgeber beklagten fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierte beispielsweise, dass Verdi bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft am wichtigsten findet.
Wann ist mit einem Ende der Streiks zu rechnen?
Ein Ende der Tarifrunde und damit der Warnstreiks ist derzeit völlig offen. Die Verhandlungen verlaufen regional sehr unterschiedlich, sowohl hinsichtlich der Forderungen als auch des Verhandlungsfortschritts. Auf der Zielgeraden scheinen die Gespräche derzeit nirgends zu sein, sodass weitere Arbeitsniederlegungen nicht ausgeschlossen werden können.



