Bundesweite Warnstreiks im ÖPNV: Was Reisende jetzt wissen müssen
Die Gewerkschaft Verdi hat für Freitag und Samstag erneut zu bundesweiten Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aufgerufen. Nach dem ersten großen Arbeitskampf am 2. Februar droht nun zum zweiten Mal in diesem Jahr ein nahezu vollständiger Stillstand bei Bussen, U-Bahnen und Straßenbahnen in den meisten Regionen Deutschlands. Die Auswirkungen werden vor allem den morgendlichen Berufsverkehr am Freitag massiv beeinträchtigen und erfordern frühzeitige Umplanungen für Wochenendausflüge.
Zeitlicher Ablauf und regionale Unterschiede
Die Warnstreiks beginnen in der Regel am Freitag in den frühen Morgenstunden und sollen in der Nacht auf Sonntag enden. Allerdings variieren die genauen Zeiträume je nach Betriebsbeginn und -ende der einzelnen Verkehrsunternehmen erheblich. In einigen Regionen wird bereits am Donnerstag die Arbeit niedergelegt, während andernorts die Auswirkungen noch bis Sonntag oder sogar Montagmorgen spürbar sein könnten.
Besonders betroffen sind:
- Bremen: Streiks bis in die Nacht auf Montag
- Mecklenburg-Vorpommern: Nur am Freitag
- Ein Landkreis in Sachsen-Anhalt: Von Donnerstag bis einschließlich Sonntag (vier Tage)
Reisenden wird dringend empfohlen, vor Antritt einer Fahrt die Webseiten und Auskunftsmedien der jeweiligen Nahverkehrsunternehmen zu konsultieren, da sich die Situation regional stark unterscheiden kann.
Welche Verkehrsmittel sind betroffen?
Von den Warnstreiks betroffen sind primär die Beschäftigten von Nahverkehrsunternehmen, die Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen betreiben. Nicht betroffen ist hingegen die Deutsche Bahn. Regionalzüge, Fernverkehr und insbesondere S-Bahnen sollten daher planmäßig verkehren.
In Baden-Württemberg und bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein stehen kurzfristige Entscheidungen über Streikteilnahmen noch aus. Sicher ausgenommen bleibt der Nahverkehr in Niedersachsen, wo aufgrund einer bis Ende März geltenden Friedenspflicht Arbeitskampfmaßnahmen rechtlich ausgeschlossen sind.
Insgesamt umfasst die aktuelle Tarifrunde laut Verdi bundesweit etwa 100.000 Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr.
Erwartete Auswirkungen auf den Verkehr
In weiten Teilen Deutschlands wird der öffentliche Nahverkehr nahezu komplett zum Erliegen kommen – ähnlich wie beim ersten bundesweiten Warnstreik am 2. Februar. An einigen Standorten werden Notfahrpläne mit entsprechend überfüllten Fahrzeugen eingerichtet. Generell sind Fahrten mit Bus und Bahn an den Streiktagen, sofern überhaupt angeboten, nicht zu empfehlen.
Die Erfahrungen vom Februar zeigen, dass viele Pendler auf alternative Verkehrsmittel ausweichen werden. Der ADAC verzeichnete damals bundesweit einen leichten Anstieg bei Länge und Dauer von Staus, während der Fahrdienstvermittler Freenow in den Morgenstunden eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Taxis beobachtete.
Hintergründe der Tarifverhandlungen
In den parallel in allen 16 Bundesländern geführten Tarifverhandlungen mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden fordert Verdi vor allem verbesserte Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Zentrale Forderungen umfassen:
- Kürzere Wochenarbeitszeiten und Schichtzeiten
- Längere Ruhezeiten zwischen den Einsätzen
- Höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit
In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn werden zusätzlich höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle betonte: „Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern.“
Die Verhandlungen kommen nach Ansicht beider Seiten kaum voran. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Deutschlands größtes ÖPNV-Unternehmen, kritisierte, dass Verdi bisher nicht klar gemacht habe, welche Forderungen prioritär behandelt werden sollen.
Wann ist mit einer Einigung zu rechnen?
Ein baldiges Ende der Tarifrunde und damit der Warnstreiks ist derzeit nicht absehbar. Die Verhandlungen verlaufen regional sehr unterschiedlich, sowohl hinsichtlich der konkreten Forderungen als auch im Verhandlungsfortschritt. Nirgends scheinen die Gespräche aktuell auf der Zielgeraden zu sein, sodass weitere Arbeitsniederlegungen nicht ausgeschlossen werden können.



