Stuttgart 21: Eröffnung des Tiefbahnhofs wohl erst 2030 möglich
Für die Menschen in Stuttgart und Baden-Württemberg sind Verzögerungen beim Großprojekt Stuttgart 21 längst zur traurigen Routine geworden. Nun mehren sich Medienberichte, die von einer weiteren jahrelangen Verzögerung des milliardenschweren Bahnprojekts ausgehen. Während die Deutsche Bahn sich weiterhin mit einem konkreten Eröffnungsdatum zurückhält, sprechen Insider von einer vollständigen Inbetriebnahme nicht vor dem Jahr 2030.
Medienberichte: Inbetriebnahme frühestens 2029 bis 2030
Die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet, dass der neue Stuttgarter Bahnknoten nicht vor 2029 in Betrieb gehen soll. Noch pessimistischer fällt die Einschätzung des SWR aus, der sich auf Projektinsider beruft: Demnach sei die komplette Inbetriebnahme des gesamten Projekts nicht vor 2030 zu erwarten. Diese Zeitangaben werden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zwar in Projektkreisen diskutiert, ein offiziell bestätigtes Datum für die Eröffnung der verschiedenen Projektteile gibt es bislang jedoch nicht.
Bahn-Sprecher: Keine Stellungnahme zu „Spekulationen“
Ein Bahnsprecher äußerte sich auf Nachfrage zurückhaltend: „Zu den genannten Spekulationen äußern wir uns nicht.“ Es bleibe dabei, dass die Deutsche Bahn beauftragt sei, bis spätestens Mitte 2026 ein neues Inbetriebnahmekonzept zu erarbeiten. Erst nach Abschluss dieser umfassenden Überprüfung soll ein neuer verbindlicher Termin für den Start des Projekts genannt werden.
Teileröffnung bereits abgesagt – Digitalisierung als Hauptproblem
Bereits im November 2025 war bekanntgeworden, dass auch die für Ende 2026 geplante Teileröffnung des neuen Tiefbahnhofs in der baden-württembergischen Landeshauptstadt nicht zu halten sein wird. Bahnchefin Evelyn Palla nannte damals Probleme bei der Digitalisierung des Bahnknotens als Hauptgrund für die erneute Verschiebung.
Im Rahmen von Stuttgart 21 wird der Bahnknoten in Stuttgart als erster bundesweit komplett digitalisiert. Züge des Fern- und Regionalverkehrs sowie S-Bahnen sollen ausschließlich mit dem digitalen Zugsicherungssystem ETCS fahren. Klassische Lichtsignale werden im Stuttgarter Bahnknoten nicht mehr verbaut. Diese ambitionierte Digitalisierung gestaltet sich jedoch deutlich komplizierter als ursprünglich geplant und stellt einen wesentlichen Grund für die wiederholten Verzögerungen dar.
Chronologie der Verzögerungen und explodierende Kosten
Die Geschichte von Stuttgart 21 ist eine Geschichte ständiger Verzögerungen:
- Bei Abschluss der Finanzierungsvereinbarung im Jahr 2009 ging man von einer Eröffnung 2019 aus
- Der tatsächliche Baubeginn erfolgte 2010
- Der Starttermin wurde mehrfach verschoben, zuletzt auf Dezember 2026
- Nun deuten Medienberichte auf eine Inbetriebnahme nicht vor 2029 bis 2030 hin
Parallel zu den zeitlichen Verzögerungen haben sich auch die Kosten für das Projekt dramatisch entwickelt:
- Im Finanzierungsvertrag von 2009 war die Verteilung von Kosten bis zu einer Höhe von gut 4,5 Milliarden Euro geregelt
- Zuletzt bezifferte die Bahn die Kosten auf rund 11,3 Milliarden Euro
- Die Mehrkosten muss die Bahn einem Gerichtsurteil zufolge alleine tragen
Umfang des Gesamtprojekts Stuttgart-Ulm
Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm umfasst neben Stuttgart 21 auch den Neubau der bereits 2022 eröffneten Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm. Herzstück von Stuttgart 21 ist der neue unterirdische Hauptbahnhof, der im Gegensatz zum bisherigen Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof sein wird. Das Gesamtprojekt steht nicht nur für den Bau des neuen Hauptbahnhofs in der Landeshauptstadt, sondern für die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart.
Gebaut werden:
- Neue Bahnhöfe, darunter ein neuer Fernbahnhof am Flughafen
- Dutzende Kilometer Schienenwege
- Tunnelröhren
- Durchlässe
- Brücken
Die Menschen in Stuttgart und der Region müssen sich somit weiterhin in Geduld üben, während die Deutsche Bahn bis Mitte 2026 an einem neuen Inbetriebnahmekonzept arbeitet. Ob die nun kursierenden Medienberichte über eine Inbetriebnahme erst 2030 der Realität entsprechen, bleibt vorerst Spekulation – die jedoch angesichts der Projektgeschichte durchaus plausibel erscheint.



