Fußchirurgie in Malchin: Ein Spezialgebiet mit Zukunft
Mit dem Eintritt von Dr. Angela Simon in den Ruhestand stellt sich für das Krankenhaus Malchin keineswegs die Frage nach dem Fortbestand des renommierten Spezialgebiets Fußchirurgie. Die langjährige Chefärztin, deren Name die Klinik regelmäßig in überregionale Listen deutscher Top-Mediziner brachte, betont nachdrücklich, dass hinter dieser Reputation die Leistung eines gesamten Teams steht. „Wir sind ein Team, auf gleichem Stand“, stellt sie klar und weiß das Fachgebiet bei Oberarzt Claus Meyer-Probst in besten Händen.
Ein Wunderwerk der Biomechanik
Claus Meyer-Probst, der nun als Bereichsleiter die Verantwortung übernimmt, beschreibt den menschlichen Fuß als „Wunderwerk“, das auf einem komplexen Gefüge von Knochen, Sehnen und Gelenken basiert. „Der Fuß ist das Fundament“, betont auch Angela Simon, und die Auswirkungen von Fußproblemen können den gesamten Körper betreffen. Die Spezialisierung in diesem Bereich sei besonders reizvoll, gerade weil sie so anspruchsvoll ist und ständige Weiterbildung erfordert.
Diese spezielle Kompetenz wurde vorangetrieben, nachdem das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg, zu dem das Malchiner Krankenhaus seit 2007 gehört, die Endoprothetik nach Altentreptow verlegt hatte. „Wir wollten ein Spezialgebiet anbieten, das andere noch nicht haben, damit unser kleines Haus Zukunft hat“, blickt die scheidende Chefärztin zurück.
Überregionale Anerkennung und breites Behandlungsspektrum
Der eingeschlagene Weg erwies sich als äußerst erfolgreich: Malchin hat sich überregional einen Namen mit seinem interdisziplinären Zentrum für Fußchirurgie gemacht. Patienten werden aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und sogar aus Hamburg und Berlin hierher überwiesen. „Wir haben uns ein Netzwerk geschaffen, dessen Fäden immer fester werden“, schätzt Angela Simon ein.
Das Behandlungsspektrum ist enorm vielfältig und umfasst:
- Klumpfuß-Therapie bei Säuglingen und Kindern
- Korrektur des verbreiteten „Hammerzeh“
- Behandlung von Erkrankungen, die sich im Laufe des Lebens entwickeln
- Folgebehandlungen nach Unfällen, die oft erst Jahre später zu schweren Arthrosen führen
Claus Meyer-Probst erklärt: „Nach Unfällen entstehen oft erst Jahre später schwere Arthrosen, weil die Gelenkkongruenz minimal gestört ist und asymmetrische Belastung zum vorzeitigen Verschleiß führt.“
Herausforderungen und Zukunftspläne
Jährlich werden etwa 1000 Patienten in Sprechstunden, Behandlungen und Operationen versorgt, wobei die Terminplanungen bereits bis weit in den Herbst reichen. Eine besondere Herausforderung stellt die dünne Personaldecke dar – mit dem Ruhestand von Dr. Simon und dem Weggang eines Kollegen ist die Zahl der erfahrenen Operateure von drei auf nur noch einen, nämlich Claus Meyer-Probst, geschrumpft. Zwei jüngere Kollegen befinden sich jedoch in der Ausbildung, um in diese verantwortungsvolle Aufgabe hineinzuwachsen.
Trotz dieser personellen Engpässe entwickelt sich das Fachgebiet der Fußchirurgie dynamisch weiter. In den vergangenen Jahren hat dieses einstige Stiefkind der Orthopädie einen regelrechten Boom erlebt, auch wenn es „wirtschaftlich nicht so lukrativ“ ist wie andere medizinische Bereiche, was einige Kliniken zur Abkehr von dieser Spezialisierung bewogen hat.
Umso bedeutsamer ist das Malchiner Profil, das Claus Meyer-Probst mit voller Energie erhalten und weiterentwickeln will. Die Klinik plant aktuell die Investition in ein neues Gerät für beweglichkeitserhaltende Operationen bei schwerer Arthrose. Eine weitere Herausforderung bleibt die Gewinnung ambitionierter Fachärzte für den ländlichen Standort. „Kliniken mit vergleichbarem Spektrum in Berlin oder München haben mehr Zulauf“, weiß Angela Simon, die darauf hinweist, dass Malchin in „Peripherie“ liegt, wenn es um Job-Optionen für Lebenspartner, Kinderbetreuung oder kulturelle Angebote geht.
Kontinuität durch fortwährende Unterstützung
Claus Meyer-Probst, der seit 20 Jahren in Malchin tätig ist, kann weiterhin auf die Unterstützung seiner ehemaligen Chefin zählen. Angela Simon wird auch nach ihrem Ruhestand bei Sprechstunden, Ausbildung, Operationen und fachlichem Austausch zur Verfügung stehen. „Das verlernt man ja nicht“, sagt sie und plant, weiterhin in Fachgesellschaften zu referieren und die Netzwerke innerhalb der „Fuß-Familie“ zu pflegen. Damit bleibt die Kontinuität und Expertise in diesem wichtigen medizinischen Spezialgebiet gewährleistet.



