Gazastreifen: Einjähriger Mohammed überlebt nur mit Spezialmaske von Ärzte ohne Grenzen
Der erst einjährige Mohammed hat bereits Schreckliches erlebt. Bei einem Angriff im Gazastreifen erlitt der Junge Verbrennungen dritten Grades – so schwerwiegend, dass seine Haut nicht mehr von alleine verheilen kann. Nur durch die spezialisierte medizinische Versorgung der Organisation Ärzte ohne Grenzen hat das Kleinkind überhaupt überleben können. Doch genau diese lebensrettende Hilfe steht nun vor dem Aus.
Eine Maske als Teil des Körpers
„Diese Maske ist jetzt Teil seines Körpers, wie seine Hände oder seine Ohren“, beschreibt ein Helfer die Situation. Die Familie Mohammeds hatte sich in eine Schule im Gazastreifen geflüchtet, die im vergangenen Juli bombardiert wurde. Die dabei erlittenen Verbrennungen sind so schwer, dass lokale Krankenstationen völlig hilflos waren. „Es gab überhaupt keine Ausrüstung oder medizinisches Personal. Es war noch nicht mal sauber im Krankenhaus“, berichtet ein Mitarbeiter.
Die drohende Einstellung der Hilfe
Die Rettung für Mohammed und viele andere Patienten könnte jedoch bald versiegen. Zusammen mit mehr als 30 weiteren Hilfsorganisationen muss Ärzte ohne Grenzen den Gazastreifen möglicherweise bis Ende des Monats verlassen. Grund ist die Weigerung, Mitarbeiterinformationen an Israel weiterzugeben. „All diese Daten gehen an eine der Kriegsparteien. Wir würden ja auch nicht einfach Daten über ukrainische Mitarbeiter an die Russen weitergeben“, erklärt ein Vertreter der Organisation.
Hinter dieser Forderung steht Israels Sorge, dass Mitarbeiter von Hilfsorganisationen mit der Terrororganisation Hamas zusammenarbeiten könnten. Gefordert werden nicht nur Informationen über palästinensische Kollegen, sondern auch über deren Familienmitglieder, Hintergrund und Social-Media-Aktivitäten.
Gegenseitiges Misstrauen mit fatalen Folgen
Es herrscht ein tiefes gegenseitiges Misstrauen: Während Israel Sicherheitsbedenken hat, fürchten die Hilfsorganisationen um ihre Mitarbeiter. In den vergangenen zwei Jahren sind Hunderte bei Luftangriffen getötet worden. Bereits jetzt sind die Einschränkungen spürbar: „Wir können kein Personal mehr nach Gaza bringen und auch keinen medizinischen Nachschub. Das ist für die vielen kleinen und großen Patienten im Kriegsgebiet eine absolute Katastrophe“.
Mohammeds Zukunft hängt am seidenen Faden
Für den einjährigen Mohammed, der regelmäßige Untersuchungen und Behandlungen benötigt, wäre der Abzug von Ärzte ohne Grenzen verheerend. Sein Vater bringt die Verzweiflung auf den Punkt: „Unser Schicksal hängt an einem seidenen Faden“. Noch keine zwei Jahre alt, hat Mohammed bereits mehr Leid erfahren, als ein Mensch in einem ganzen Leben ertragen sollte. Ihm und seiner Familie im Gazastreifen wünscht man sich so sehr, dass der Rest ihres Lebens leichter werden könnte.
Die Situation verdeutlicht die prekäre Lage der medizinischen Versorgung im Kriegsgebiet und die humanitären Konsequenzen politischer und sicherheitspolitischer Auseinandersetzungen.



