Top-Arzt erklärt: Warum Lindsey Vonns Beinbruch so gefährlich ist
Lindsey Vonns Beinbruch: Arzt erklärt Gefahr des Kompartment-Syndroms

Lindsey Vonns schwerer Skiunfall: Arzt gibt Einblicke in kritische Behandlung

Die US-amerikanische Skilegende Lindsey Vonn (41) befindet sich nach ihrem schweren Sturz während der olympischen Abfahrt in Cortina d'Ampezzo weiterhin in medizinischer Behandlung. Derzeit liegt die Sportlerin im Krankenhaus von Treviso, wo sie sich mehreren operativen Eingriffen unterziehen musste. Vonn selbst bestätigte bereits, dass sie sich einen komplizierten Schienbeinbruch zugezogen hat. Die Umstände ihrer Einlieferung per Rettungshubschrauber deuten deutlich auf einen kritischen Notfall hin.

Das gefährliche Kompartment-Syndrom bei Unterschenkelbrüchen

Im Gespräch mit BILD erläuterte der erfahrene Mediziner Dr. Ulrich Boenisch die besonderen Risiken bei Vonns Verletzung. „Bei einem gebrochenen Unterschenkel muss man immer mit einem Kompartment-Syndrom rechnen“, erklärt Boenisch. Dieses gefährliche Krankheitsbild entsteht, wenn Weichteile durch Einblutungen so stark geschädigt werden, dass ein gefährlicher Überdruck im Gewebe entsteht. Dieser Druck kann sekundär wichtige Strukturen wie:

  • Blutgefäße
  • Nervenbahnen
  • Muskelgewebe

nachhaltig schädigen. Die erste medizinische Maßnahme besteht daher in der Entlastung der Weichteile, gefolgt von der Anlage eines externen Fixateurs zur Stabilisierung der Knochenfragmente.

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Der Fixateur: Ein Metallgestell zur Knochenstabilisierung

Bei diesem medizinischen Hilfsmittel handelt es sich um ein spezielles Metallgestell, das oberhalb und unterhalb der Bruchstelle im Knochen fixiert wird. Querstangen verbinden diese Fixierungspunkte über eine äußere Längsverbindung, wodurch der gebrochene Bereich stabilisiert wird. „Entweder bringt man die Position so hin, dass es passt und der Trümmerhaufen wächst wieder zusammen“, so Boenisch. „Oder die Weichteile und Gefäße sind zumindest so weit entlastet, bis man die verletzten Knochenstrukturen puzzleartig wieder zusammenfügen und fixieren kann.“

Bänderverletzungen zunächst zweitrangig

Interessanterweise spielen Begleitverletzungen wie Bänderrisse in dieser akuten Phase eine untergeordnete Rolle. Vonn hatte sich bereits eineinhalb Wochen vor dem Rennen bei einem Sturz im Weltcup das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen, trat in Cortina dennoch an. Ob sie bei ihrem Olympia-Sturz weitere Bänderverletzungen erlitt, ist bisher nicht bekannt.

Boenisch betont: „Bänderverletzungen sind bei einem Notfall wie diesem erstmal völlig zweitrangig. Wenn man sich die Position des Beines nach dem Sturz anschaut, sieht man, dass es nicht so steht, wie es stehen sollte. In erster Linie macht man dann das Bein wieder gerade. Dann kümmert man sich um die Weichteile und Gefäße.“

Spezialisierte Behandlung in Treviso

Nach der Erstversorgung im Krankenhaus von Cortina wurde Vonn in die etwa 100 Kilometer entfernte Ca'-Foncello-Klinik in Treviso verlegt. Diese Einrichtung verfügt über diverse chirurgische Spezialisten und ist besonders für ihre exzellente neurochirurgische Abteilung bekannt.

„Wenn es darum geht, unfallchirurgisch versorgt zu werden, ist sie in Europa sehr gut aufgehoben“, erklärt Boenisch. „Eine Einheit wie das Unfallkrankenhaus Murnau wäre eine Top-Adresse. Man braucht eventuell auch Neurochirurgen oder Gefäßchirurgen. Das muss alles da sein.“ Der Experte zeigt sich jedoch zuversichtlich: „Ich denke aber, auch die Kollegen in Treviso verstehen ihr Handwerk perfekt, um diese Verletzung positiv für Frau Vonn zu gestalten.“

Die komplexe Behandlung zeigt, dass es sich bei Vonns Verletzung um einen ernsthaften medizinischen Fall handelt, der spezialisiertes Wissen und umfassende chirurgische Expertise erfordert. Die weitere Genesung der Skilegende wird mit Spannung verfolgt werden.

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