Personalkrise erschüttert Krankenhaus am Crivitzer See
Ein dramatischer Hilferuf geht vom Krankenhausstandort Crivitz der LUP-Kliniken aus. Mitarbeiter aus Anästhesie, Chirurgie, Orthopädie und verschiedenen Pflegebereichen haben sich in einem eindringlichen Brief an die Geschäftsführung gewandt. Auslöser ist eine besorgniserregende Personalsituation, die nach Ansicht der Beschäftigten die Patientenversorgung ernsthaft gefährdet.
Massive Abgänge in chirurgisch-orthopädischer Abteilung
In den vergangenen Monaten haben der Chefarzt, der leitende Oberarzt sowie ein weiterer Oberarzt der chirurgisch-orthopädischen Abteilung ihre Kündigung eingereicht. Zusätzlich hat auch ein Assistenzarzt das Krankenhaus verlassen. Aktuell ist in der Orthopädie lediglich noch ein einziger Oberarzt im Dienst. Diese massiven personellen Veränderungen haben zu erheblicher Verunsicherung innerhalb der gesamten Belegschaft geführt.
Die Unterzeichner des Schreibens, das bereits am 9. Januar verfasst wurde, betonen, dass zwar bekannt sei, dass mehrere Stellen – darunter die des Chefarztes – ausgeschrieben wurden. Wie jedoch die Patientenversorgung kurzfristig und mittelfristig sichergestellt werden soll und welche konkreten Maßnahmen geplant sind, bleibt für die Mitarbeiter völlig unklar.
Verzögerte Reaktion der Klinikleitung
Bemerkenswert ist die zeitliche Verzögerung in der Kommunikation. Bereits vor einem Monat bedauerten die Mitarbeiter in ihrem Schreiben, dass „trotz der Tragweite dieser Entwicklung bisher kein persönlicher Austausch zwischen der Geschäftsführung und den betroffenen Mitarbeitenden stattgefunden“ habe. Drei Oberärzte hatten zuvor per E-Mail um einen Gesprächstermin gebeten, um die aktuelle Situation darzustellen und gemeinsam über die zukünftige Ausrichtung der Abteilung zu sprechen. Diese Anfrage blieb jedoch ohne konkrete Rückmeldung.
Erst jetzt, nachdem das Schreiben der Redaktion zugespielt wurde, bestätigte Sprecherin Susan Winkler von den LUP-Kliniken: „Um direkt auf die Sorgen und Fragen der Belegschaft einzugehen, haben wir mit den Verfassern des Briefes ein Gespräch für Ende Februar vereinbart.“ Sie räumte ein, dass die offene Nachfolge zu Unsicherheiten innerhalb der Belegschaft führe und diese Situation sehr ernst genommen werde.
Landesweiter Kontext der Krankenhausreform
Die Personalprobleme in Crivitz stehen im größeren Kontext der aktuellen Krankenhausreform. Winkler erklärte, dass vor diesem Hintergrund an allen Kliniken in Deutschland die vorhandenen Strukturen grundsätzlich hinterfragt und im Rahmen der Landeskrankenhausplanung neu bewertet würden. „In diesem Prozess stehen wir zusammen mit dem Träger mit den Kostenträgern und dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern in engem Austausch“, so die Sprecherin.
Geplante Maßnahmen würden jedoch grundsätzlich erst öffentlich gemacht, wenn sie mit allen Partnern abgestimmt seien und die Belegschaft über die Umsetzung und weiteren Schritte informiert worden sei.
Offene Stellen und ungeklärte Fragen
Für die Crivitzer Belegschaft und die Patienten bedeutet dies, dass sie weiterhin bis zum avisierten Gesprächstermin Ende Februar warten müssen. Die Frage, welche konkreten Auswirkungen die Vakanzen aktuell auf die Patientenversorgung haben, blieb von Seiten der Klinikleitung unbeantwortet.
Die Stellen für den Chefarzt, einen leitenden und einen weiteren Oberarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Crivitz sind laut Karriereportal der LUP-Kliniken (Stand 11. Februar 2026) weiterhin unverändert ausgeschrieben. Die Situation verdeutlicht die strukturellen Herausforderungen, vor denen viele Krankenhäuser in ländlichen Regionen Deutschlands stehen.



