Apotheken-Experte warnt vor Versorgungskrise: „Kosten explodieren, Fixum stagniert seit Jahren“
Apotheken-Experte warnt vor Versorgungskrise in MV

Apotheken-Experte warnt vor dem Wegfall flächendeckender Versorgung: „Die Kosten explodieren“

Das Versorgungsnetz der Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern schrumpft kontinuierlich. In den vergangenen zehn Jahren sind bereits etwa 50 Apotheken im gesamten Bundesland geschlossen worden. Besonders betroffen ist die Region Vorpommern-Greifswald, wo die dünne Besiedelung und hohe Nachfrage nach Arzneimitteln die Situation zusätzlich verschärfen.

Stagnierendes Fixum belastet Apotheken massiv

Apotheker Florian Köster, der mit seiner Ehefrau mehrere Apotheken in Anklam, Wolgast, Lassan, Ahlbeck, Usedom und Greifswald betreibt, erklärt die prekäre Lage: „Das aktuelle Apothekenpackungsfixum beträgt 8,35 Euro und wurde seit 2004 lediglich ein einziges Mal erhöht. Davon entfallen noch 1,77 Euro als Zwangsrabatt an die Krankenkassen.“ Tatsächlich bleiben den Apotheken somit nur etwa sechs Euro pro Packung, während die Kosten für Logistik, Energie und Personal kontinuierlich steigen.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Zukunft der Apothekerkammer MV verdeutlicht: „Diese Kosten explodieren uns unter dem Hintern. Inflationsbereinigt müssten wir eigentlich um die 12,40 Euro fordern.“ Die Apotheken beschränken ihre Forderung jedoch auf 9,50 Euro, die auch im Koalitionsvertrag festgehalten wurden.

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Koalitionsvertrag bleibt 2026 ohne Wirkung

Die vereinbarte Honorarerhöhung soll allerdings nicht mehr im Jahr 2026 umgesetzt werden. Markus Oelze, Vorsitzender des Apothekerverbandes MV, warnt vor den Konsequenzen: „Wenn sich jetzt nicht grundlegend etwas ändert, dann haben wir nach den nächsten fünf bis zehn Jahren Probleme, die Versorgung flächendeckend aufrechtzuerhalten.“

Das Apothekenpackungsfixum stellt für viele Apotheken die Haupteinnahmequelle dar. Zwar erhalten Apotheken zusätzlich drei Prozent des Preises verschreibungspflichtiger Medikamente, doch diese decken häufig nur Fixkosten wie Kammerbeiträge, Lagerkosten und Zinsen ab. „Das relevante Einkommen entsteht durch das Apothekenpackungsfixum“, betont Oelze.

Versorgungssicherheit in Vorpommern-Greifswald gefährdet

Die Region Vorpommern-Greifswald steht vor besonderen Herausforderungen. Mit 53 Mitgliedsapotheken vertritt der Apothekerverband MV nahezu alle Apotheken im Bundesland. Jede Schließung vergrößert die Lücken im Versorgungsnetz. Patienten außerhalb der Städte müssen bereits jetzt deutlich weitere Wege zur nächsten Notdienstapotheke zurücklegen.

Florian Köster erklärt: „Viele Arzneimittel sind sehr hochpreisig, aber das Gros, gerade in der ländlichen Bevölkerung, sind kostengünstige Packungen. Da sind die drei Prozent auf zehn Euro verschwindend gering. Da geht es um das Fixum.“ Beide Experten mussten bereits Apotheken schließen, die sich finanziell nicht mehr tragen ließen.

Apotheker fordern dringende Maßnahmen

Markus Oelze appelliert an die Politik: „Wir brauchen ganz kurzfristig die im Koalitionsvertrag festgehaltene Honorar-Anpassung.“ Die Apotheken stehen bereit, ihre Versorgungsaufgabe zu erfüllen, benötigen dafür jedoch verlässliche finanzielle Perspektiven.

„Wir wollen versorgen und wollen alle Wege gehen, die in die Modernisierung, in die Versorgungssicherheit und zum Patientenwohl führen“, sagt Oelze. Dafür müssen Mitarbeiter geschult, Software angeschafft und Standorte gesichert werden. Florian Köster bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen die 9,50 Euro, am besten gestern.“

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