Seit der Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland erleben Online-Plattformen für medizinisches Cannabis einen regelrechten Boom. Immer mehr Konsumenten nutzen die Möglichkeit, sich über das Internet Rezepte für Cannabisblüten ausstellen zu lassen – oft ohne jemals einen Arzt persönlich zu sprechen. Die Kritik aus Sachsen-Anhalt fällt vernichtend aus.
Wie leicht Konsumenten an Gras kommen
Ein paar Fragen im Internet beantworten, persönliche Daten angeben – und schon ist das Rezept für medizinisches Cannabis fertig. Viele telemedizinische Plattformen bieten diesen Service an. Oft reicht das Ausfüllen eines Fragebogens, ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt findet nicht statt. Dieses Vorgehen stößt bei Apothekern und Ärzten auf scharfe Kritik.
Apothekerverband schlägt Alarm
„Wir sehen, dass das System teilweise missbraucht wird, insbesondere durch Online-Verschreibungen ohne ausreichende ärztliche Kontrolle“, sagt Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt. Er betont: „Die Versorgung von Usern mit Cannabisblüten zu Genusszwecken ist nicht die Aufgabe der Apotheken.“ Die Apotheker fühlten sich zunehmend als „Dealer“ für Freizeitkonsumenten, die das medizinische System ausnutzen.
Die Plattformen werben oft mit schnellen und unkomplizierten Rezepten. Dabei wird medizinisches Cannabis eigentlich für Patienten mit chronischen Schmerzen, Übelkeit oder anderen Leiden verschrieben. Doch offenbar nutzen viele Konsumenten die Angebote, um legal an Cannabis für den Freizeitgebrauch zu kommen. Die Folge: Apotheken müssen immer mehr Rezepte ausstellen, deren medizinische Notwendigkeit fragwürdig ist.
Die Politik ist gefordert, hier regulierend einzugreifen. Der Landesapothekerverband fordert strengere Kontrollen und eine klare Trennung zwischen medizinischer und freizeitlicher Nutzung. Nur so könne Missbrauch verhindert und das Vertrauen in das Gesundheitssystem erhalten werden.



