Fitnessstudio-Boom in Deutschland: Trends von KI bis Longevity prägen die Branche
Fitnessstudio-Boom: Trends von KI bis Longevity

Fitnessstudio-Boom in Deutschland: Branche erreicht Rekordmitgliederzahlen

Deutschlands Fitnessstudios erleben einen bemerkenswerten Aufschwung. Laut einer aktuellen Studie des Branchenverbandes DSSV und der Beratungsgesellschaft Deloitte verzeichnen die etwa 9.600 Standorte rund 12,4 Millionen Mitglieder – ein historischer Höchstwert. DSSV-Chef Thomas Wessinghage betont zum Auftakt der Fitnessmesse Fibo in Köln: „Wir sind stark wie nie, die Branche floriert.“ Dennoch besteht großes Potenzial, da Millionen Menschen noch zu wenig für ihre Fitness tun.

Krafttraining gewinnt an Bedeutung, Cardio verliert

Ein Studiobetreiber, der anonym bleiben möchte, erklärt: „Cardio ist out.“ Damit sind Geräte wie Laufbänder, Rudergeräte, Stepper und Spinning-Bikes gemeint. Andere Betreiber bestätigen diesen Trend in moderateren Worten. Der McFit- und John-Reed-Mutterkonzern RSG berichtet, dass die Flächenaufteilung in Studios sich klar in Richtung Krafttraining, Functional Training und Freiflächen verschoben habe. Functional Training umfasst Übungen ohne feste Geräte, wie Kniebeugen oder Medizinball-Übungen. FitX hat seine „Turnecke“ vergrößert, und Fitness First verzeichnet eine steigende Nachfrage nach Krafttraining. Eine Sonderrolle spielt Hyrox-Training, das Laufen und Workouts kombiniert und bei Wettkämpfen auf der Fibo präsent ist.

Aggregatoren: Flexibilität für Vielreisende und Sportbegeisterte

Neben klassischen Mitgliedschaften gewinnen Aggregatoren wie Urban Sports Club an Bedeutung. Diese Plattformen bieten Zugang zu Fitnessstudios, Schwimmbädern und anderen Sportanlagen verschiedener Betreiber. Laut Studie nutzten 2025 in Deutschland 1,47 Millionen Menschen solche Dienste, ein Plus von 21,5 Prozent gegenüber 2024. Studiobetreiber betrachten diese Entwicklung ambivalent: Einerseits erreichen sie neue Kunden, andererseits drohen feste Mitglieder zu kündigen, um flexibler zu sein.

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Smart Gyms: Fitnessstudios ohne Personal

Für Kunden, die auf Small Talk verzichten möchten, bieten „Smart Gyms“ eine Alternative. Diese Studios, wie die Kette Fitomat, kommen ohne festes Personal aus und werden per Smartphone betreten. Fitomat hat in Deutschland, Österreich und der Schweiz 228 Standorte und plant 2026 weitere 106 Eröffnungen. CEO Björn Schultheiss erklärt: „Wer attraktive Preise und Präsenz in jedem Winkel der Republik bieten will, muss konsequent auf Technologie setzen.“ Diese Studios sind oft in kleinen Städten angesiedelt, wo sonst kein Angebot besteht.

Künstliche Intelligenz revolutioniert das Training

Künstliche Intelligenz hält langsam Einzug in die Fitnessbranche. Johannes Maßen von Fitness First berichtet, dass KI Trainingspläne erstellt und administrative Aufgaben reduziert. Die RSG-Group nutzt KI ebenfalls für Trainingsplanerstellung, und FitX setzt sie vor allem in administrativen Prozessen ein. Kieser Training sieht KI als Werkzeug zur Optimierung der Trainingsanalyse, betont aber, dass die persönliche Begleitung durch Trainer unersetzlich bleibt. Firmenchef Michael Antonopoulos sagt: „Bei Kieser ist die KI der Assistent des Trainers, niemals der Ersatz.“

Longevity: Gesundheit und Langlebigkeit im Fokus

Das Thema Longevity, also Langlebigkeit, dominiert die Branche. Ex-Radsportlerin Denise Schindler erklärt: „Longevity bedeutet, auf Schlaf, Ernährung und Bewegung zu achten.“ Fitnessstudios sehen sich in einer zentralen Rolle, um diese Ziele zu unterstützen, besonders in einer alternden Gesellschaft. Auf der Fibo wurden innovative Geräte wie das „Flow System“ präsentiert, das die Durchblutung stimuliert. Der DSSV wirbt für Studios als Schlüssel zur Reduzierung von Gesundheitskosten und fordert politische Maßnahmen wie Steuererleichterungen für Firmen, die Training fördern.

Frauen-Fitness: Mehr Privatsphäre und Komfort

Um Frauen einen komfortableren Einstieg ins Training zu ermöglichen, bieten Studios spezielle „Lady Gyms“ oder reservierte Bereiche. Bei McFit werden Frauen-Bereiche implementiert, um auf die steigende Nachfrage nach mehr Privatsphäre zu reagieren. Der Anteil solcher Angebote liegt bei etwa fünf Prozent aller Standorte.

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