Fitnessstudios zu laut: US-Studie warnt vor Hörschäden durch Musik in Kursen
Die motivierende Musik in Fitnesskursen kann das Gehör der Teilnehmenden ernsthaft schädigen. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine aktuelle Studie aus den USA, die im Fachjournal JAMA Otolaryngology–Head & Neck Surgery veröffentlicht wurde. Die Forschenden um Janet Choi von der University of Southern California in Los Angeles untersuchten die Schalldruckpegel in Gruppen-Fitnesskursen und deren Auswirkungen.
Gefährliche Dezibel-Werte in Fitnessstudios
Die mittleren Schalldruckpegel in den untersuchten Kursen lagen bei 91,4 Dezibel mit A-Bewertung (dBA). Dieser Wert entspricht in etwa dem Lärm einer Bohrmaschine. Die höchste gemessene Lautstärke betrug sogar 95 dBA. Damit wurde der Grenzwert überschritten, dem man sich laut US-amerikanischer Arbeitsschutzbehörde nicht länger als eine Stunde täglich aussetzen sollte.
Zum Vergleich: 60 dBA entsprechen einem normalen Gespräch, 80 dBA lautem Straßenverkehr und 100 dBA dem Kreischen einer Kreissäge. Die Forschenden betonen, dass bereits langjährige Exposition gegenüber Schalldruckpegeln ab etwa 80 dBA zu bleibenden Hörminderungen führen kann.
Leisere Musik beeinträchtigt Training nicht
In einem zweiten Teil des Experiments wurden 16 Kurse mit um etwa 3 dBA verminderter Lautstärke durchgeführt. Drei Dezibel stellen einen deutlich wahrnehmbaren Unterschied dar. Die anschließende Befragung von fast 190 Teilnehmenden zwischen 17 und 59 Jahren – überwiegend Frauen – ergab jedoch Überraschendes: Die leiseren Kurse wurden nicht als weniger anstrengend empfunden.
Die Forschenden folgern daraus, dass sich die Musiklautstärke in Fitnessstudios wahrscheinlich auf ein sichereres Maß reduzieren lässt, ohne den Trainingserfolg zu beeinträchtigen. Dies könnte das Risiko für Langzeitfolgen deutlich verringern.
Wie Lärm das Gehirn schädigt
Beim Hören entsteht im Innenohr eine Art Wasserwelle, die über Tausende feiner Haarzellen streicht. Diese Reize werden in bioelektrische Impulse umgewandelt und ans Gehirn weitergeleitet. Je lauter ein Ton ist, desto mehr Kraft steckt hinter dieser Welle.
Die Forschenden vergleichen diesen Prozess mit einem Getreidefeld: So wie heftige Windstöße Halme abknicken lassen, können die empfindlichen Härchen im Innenohr bei zu starken Schallwellen dauerhaft umknicken und ihre Funktion verlieren. Diese Ausfälle summieren sich im Laufe des Lebens und können zu fortschreitender Schwerhörigkeit führen.
Besorgniserregende Zahlen aus Deutschland
In Deutschland leiden nach Schätzungen des Deutschen Schwerhörigenbundes etwa 16 Millionen Menschen unter Hörbeeinträchtigungen, davon sind 3 bis 4 Millionen schwerhörig. Chronischer Lärm ist eine der Hauptursachen. Interessanterweise zeigen Studien, dass bei Naturvölkern, die nicht unter ständigem Lärm leiden, Schwerhörigkeit im Alter kaum vorkommt.
Besonders betroffen sind Fitness-Trainerinnen und Trainer, die täglich vielen Stunden der lauten Musik ausgesetzt sind. Die Berufskrankheit Lärmschwerhörigkeit ist nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) mit fast 9000 Fällen jährlich die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit in Deutschland.
Individuelle Wahrnehmung und Schutzmaßnahmen
Die Studie zeigt auch, dass die Wahrnehmung von Lautstärke stark variiert. Was für die einen zu laut ist, empfinden andere als angemessen. Nur vier der befragten Teilnehmenden gaben an, während der Fitnesskurse Gehörschutz zu tragen. 28 Personen berichteten von Tinnitus-Symptomen nach den Kursen – Ohrgeräusche wie Pieptöne, Rauschen oder Klingeln.
Die Forschenden raten zu mehr Bewusstsein für dieses unterschätzte Gesundheitsrisiko. Schon eine geringfügige Reduzierung der Lautstärke könnte langfristig viele Hörschäden verhindern, ohne dass die Motivation oder Leistungsfähigkeit der Trainierenden darunter leiden müsste.



