Studie: Neun von zehn KKH-Versicherten gehen jährlich zum Arzt - Männer bleiben öfter fern
Studie: 90% der KKH-Versicherten gehen jährlich zum Arzt

Neun von zehn KKH-Versicherten suchen jährlich ärztlichen Rat

Eine aktuelle Auswertung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) offenbart deutliche Unterschiede im Gesundheitsverhalten der Versicherten. Demnach suchten im Jahr 2024 etwa neun von zehn KKH-Versicherten mindestens einmal Kontakt zu einer ambulanten Arztpraxis. Die KKH, die bundesweit rund 1,5 Millionen Versicherte betreut, wertete für diese Analyse Abrechnungsdaten aus den Jahren 2014, 2019 und 2024 aus.

Jeder Zehnte bleibt Arztpraxen komplett fern

Während die große Mehrheit regelmäßig medizinische Hilfe in Anspruch nimmt, zeigt die Studie auch eine bemerkenswerte Gegenbewegung. Knapp jeder zehnte Versicherte war im Untersuchungsjahr 2024 kein einziges Mal bei einer Ärztin oder einem Arzt. Besonders auffällig ist dieses Verhalten bei Männern zwischen 20 und 49 Jahren – in dieser Altersgruppe blieb mehr als jeder Fünfte den Praxen vollständig fern.

Im Durchschnitt suchte jeder KKH-Versicherte im Jahr 2024 neunmal eine medizinische Fachkraft auf. Diese Zahl variiert jedoch erheblich mit dem Alter und Geschlecht. Während jüngere Männer bis 39 Jahre deutlich seltener Praxen aufsuchen als Frauen gleichen Alters, gleicht sich dieser Unterschied mit zunehmendem Lebensalter aus. Bei älteren Versicherten steigt die Kontakthäufigkeit auf bis zu 14 Arztbesuche pro Jahr an, was mit einer intensiveren medizinischen Versorgung im höheren Alter erklärt wird.

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Vielgeher und Selbstdiagnosen nehmen zu

Besonders beunruhigend ist der Anstieg der sogenannten Vielgeher. Die KKH definiert Versicherte mit mindestens elf Arztkontakten jährlich als Vielgeher – ein Status, der im Jahr 2024 bereits 37 Prozent der Kunden betraf. Zehn Jahre zuvor lag dieser Anteil noch bei knapp 29 Prozent, was einen deutlichen Anstieg bedeutet.

Parallel dazu beobachtet die Krankenkasse eine wachsende Tendenz zur Selbstdiagnose. Eine bundesweite Online-Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Forsa, auf die sich die KKH beruft, zeigt alarmierende Zahlen. Demnach recherchieren 39 Prozent der 16- bis 34-Jährigen bei gesundheitlichen Fragen im Internet, teilweise mit dem Ziel, sich einen Arztbesuch zu ersparen. Fast ein Drittel dieser Altersgruppe gab an, sich nach einer Online-Recherche selbst geholfen zu haben, und jeder Fünfte hat sich bereits eine Selbstdiagnose gestellt.

KKH fordert Reform des Versorgungssystems

KKH-Vorstand Wolfgang Matz äußerte sich besorgt über diese Entwicklungen. „Die Daten zeigen, dass wir Versicherte künftig besser durch den Versorgungsdschungel lotsen müssen“, erklärte Matz. Er sprach von einem klaren Bedarf an besserer Steuerung im Gesundheitssystem.

Die KKH fordert konkret:

  • Die Einführung eines Primärversorgungssystems, in dem Hausarztpraxen als erste Anlaufstelle dienen und die weitere Behandlung koordinieren
  • Mehr Handlungsspielraum für Krankenkassen zugunsten einer optimierten Versorgung
  • Frühzeitige Identifikation gesundheitlicher Risiken durch Auswertung von Kassendaten

Durch ein solches System ließen sich nach Ansicht der KKH Doppeluntersuchungen vermeiden und Facharztpraxen entlasten. Für ihre Analyse berücksichtigte die Krankenkasse ärztliche Beratungen, Behandlungen, abgeholte Rezepte oder Überweisungen sowie telefonische Kontakte – sofern diese abgerechnet wurden. Zahnarztbesuche wurden nicht in die Auswertung einbezogen.

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