Hantavirus-Ausbruch auf der „Hondius“: Was bisher bekannt ist
Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ Anfang Mai 2026 sorgte weltweit für Schlagzeilen. Die betroffenen Passagiere befinden sich mittlerweile in ihren Heimatländern in Quarantäne. Die Sorge vor einer neuen Pandemie ist groß, doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die renommierte Hantavirus-Expertin Dr. Nicole Tischler (49) geben Entwarnung. Dennoch bleiben viele Fragen offen, insbesondere zur Ausbreitung des Virus an Bord.
Wie kam es zum Ausbruch?
Die genaue Ursache des Ausbruchs ist noch unklar. Dr. Tischler betont im Interview mit der ZEIT, dass noch zu wenig darüber bekannt sei, wie sich das Virus in einer solchen Umgebung verbreiten konnte. „Ob eine Übertragung über Tröpfchen in der Luft oder auf anderen Wegen stattfand, ist ungewiss“, so die Expertin. Besonders die Möglichkeit einer Luftübertragung verunsichert Laien, doch Tischler stellt klar: Hantavirus und Coronavirus seien nicht vergleichbar. „Wenn Mensch-zu-Mensch-Übertragungen so häufig wären wie beim Coronavirus, hätten wir längst ein größeres Problem.“
Wie überträgt sich das Virus zwischen Menschen?
Normalerweise infizieren sich Menschen durch Kontakt mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind selten. „Enger Kontakt, wie direkter Speichelaustausch oder gemeinsames Schlafen in schlecht gelüfteten Räumen, ist meist die Voraussetzung“, erklärt Tischler. Die Studienlage sei dünn, da solche Übertragungen selten vorkommen. Warum es in Einzelfällen – etwa 1997 und 2018 in Argentinien – zu Ausbrüchen innerhalb von Menschengruppen kam, ist unklar. „Lag es an den betroffenen Personen, am Virus selbst oder an einer Mutation? Diese Fragen sind offen, auch für den aktuellen Fall auf der Hondius“, so die Expertin.
Könnte das Virus mutiert sein?
Hantaviren sind laut Tischler in Mäusepopulationen weltweit sehr stabil. Auch beim Menschen zeigen bisherige Sequenzanalysen kaum Veränderungen. „Eine Mutation ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“, sagt sie. Erste öffentliche Proben deuten darauf hin, dass das Virus zwischen den infizierten Menschen nahezu identisch ist, was für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung spricht. Allerdings fehlen noch vollständige Genomanalysen, um die genaue Herkunft zu klären. „Wir wissen nicht, ob kleine Veränderungen im Erbgut des Virus seine Eigenschaften verändert haben könnten, etwa die Ansteckungsfähigkeit erhöht haben“, so Tischler abschließend.



