Deutschland gehört zu den Ländern mit den meisten Hantavirusfällen in Europa. Die sind zwar nicht so gefährlich wie bei dem Ausbruch auf der „Hondius“, doch ein Muster in der Ausbreitung gibt Rätsel auf. Von Alina Schadwinkel
Die Deutschen haben ein neues Virus für sich entdeckt: Sie diskutieren nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff MV „Hondius“ im Atlantik über Ansteckungsgefahren, Inkubationszeiten und Pandemierisiken. Der beteiligte Erregertyp Andes ist sehr tödlich und das einzige Hantavirus, von dem seltene Übertragungen von Mensch zu Mensch bekannt sind. Das macht ihn besonders gefährlich.
Hantaviren in Deutschland: Andere Regeln, andere Gefahren
Auch in Deutschland gibt es Hantaviren, die Menschen infizieren können. Der Ausbruch auf dem Schiff lenkt die Aufmerksamkeit auch auf diese Krankheitserreger. In Deutschland folgen Hantainfektionen jedoch anderen Regeln: Hiesige Virustypen werden über Ausscheidungen infizierter Mäuse und Ratten auf Menschen übertragen. Infektionen verlaufen häufig unbemerkt oder mild. Nur selten rufen sie schwere Erkrankungen hervor.
In Deutschland werden so viele Hantavirusfälle gemeldet wie in nur wenigen anderen europäischen Ländern. Sie häufen sich bisher in Wellen: In manchen Jahren werden 2000 bis 3000 Fälle dokumentiert, in anderen nur einige Hundert. Lange schien dieses Auf und Ab einigermaßen vorhersagbar. Alle zwei bis drei Jahre ungefähr gab es eine Infektionswelle. Doch seit 2021 sind die Zahlen ungewöhnlich niedrig. Wird 2026 wieder ein Hantavirusjahr?
Rötelmaus als Überträger
Die Rötelmaus trägt den sogenannten Puumalatyp in sich. Dieser Virustyp ist in Deutschland am weitesten verbreitet und führt zu den meisten Infektionen. Die Übertragung erfolgt durch Einatmen von virushaltigem Staub aus Kot, Urin oder Speichel der Nager. Besonders gefährdet sind Menschen, die viel in Wäldern oder in Gebäuden mit Nagerbefall arbeiten.
Die Symptome einer Hantavirus-Infektion ähneln oft einer schweren Grippe: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Bauchschmerzen. In schweren Fällen kann es zu Nierenversagen kommen. Die Behandlung ist symptomatisch, eine spezifische Therapie oder Impfung gibt es nicht.
Warum die Fallzahlen in Deutschland seit 2021 so niedrig sind, ist unklar. Möglicherweise spielen Klimaveränderungen eine Rolle, die die Population der Rötelmäuse beeinflussen. Auch die Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen könnte die Übertragung reduziert haben. Forscher beobachten die Entwicklung genau, um künftige Ausbrüche besser vorhersagen zu können.
Der Ausbruch auf der „Hondius“ zeigt, dass Hantaviren weltweit eine Bedrohung darstellen. Während der Andes-Typ in Südamerika vorkommt und von Mensch zu Mensch übertragbar ist, sind die europäischen Varianten auf Nager als Reservoir angewiesen. Dennoch ist Vorsicht geboten: In Deutschland sollten insbesondere Menschen, die in Wäldern arbeiten oder in ländlichen Gebieten leben, auf Nagerbefall achten und Schutzmaßnahmen ergreifen.



