Hantavirus-Wellen in Deutschland: Rötelmaus und Baumfrüchte als Auslöser
Hantavirus-Wellen: Rötelmaus und Baumfrüchte als Auslöser

Das Hantavirus tritt in Deutschland nicht kontinuierlich auf, sondern in unregelmäßigen Wellen. In manchen Jahren melden die Behörden bis zu 3.000 Infektionen, in anderen nur einige Hundert. Experten zufolge ist Deutschland kein dauerhafter Hotspot, sondern ein Land der Virus-Explosionen.

Regionale Schwerpunkte in Süd- und Westdeutschland

Besonders betroffen sind Regionen wie die Schwäbische Alb, der Spessart oder der Bayerische Wald. Diese Gebiete werden immer wieder zu stillen Gefahrenzonen. Im Zentrum der Virus-Wellen steht ein kleines Tier mit großer Wirkung: die Rötelmaus. Sie ist der Hauptüberträger des Puumala-Virus, das für den Großteil der Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland verantwortlich ist. Tückisch: Die Mäuse werden selbst nicht krank, scheiden die Viren aber über Urin, Kot und Speichel aus und verseuchen damit ihre Umgebung.

Die Rolle der Bäume: Mastjahre als Treiber

Warum schwanken die Zahlen so extrem? Die Antwort hängt an den Bäumen. In sogenannten Mastjahren tragen Buchen und Eichen besonders viele Früchte. Da es in Deutschland große und stark zusammenhängende Bestände gibt, ist das Land ein Paradies für Rötelmäuse. In Mastjahren führt reichlich Nahrung zu besseren Überlebenschancen und einer massiven Vermehrung der Mäuse im Folgejahr. Die Folge: mehr Mäuse, mehr Viren in der Umwelt und mehr Ansteckungen beim Menschen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt es bei den in Europa verbreiteten Hantaviren nicht.

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Andesvirus: Ein tödlicher Ausnahmefall

Ganz anders verhält sich das Andesvirus aus Südamerika, das kürzlich auf einem Kreuzfahrtschiff entdeckt wurde und dort für Todesfälle sorgte. Es gilt als deutlich gefährlicher und kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Für Deutschland spielt es jedoch keine wesentliche Rolle. Hier herrscht das Puumala-Virus, wie auch in anderen mittel- und nordeuropäischen Ländern. Auch diese Länder erleben das Hantavirus in Wellen: Finnland (woher das Puumala-Virus seinen Namen hat), Schweden, Frankreich und Belgien. Im Jahr 2023 wurden in 28 EU- und EWR-Staaten insgesamt 1.885 Fälle gemeldet. Finnland und Deutschland allein machten über 60 Prozent aller Fälle aus.

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