Feierliche Wiedereröffnung der barocken Stiegenkirche in Bad Tölz
Am 22. Februar 2026 wurde die barocke Stiegenkirche auf dem Kalvarienberg in Bad Tölz nach einer dreijährigen, aufwendigen Sanierung feierlich wiedereröffnet. Kardinal Reinhard Marx zelebrierte einen festlichen Gottesdienst zur Einweihung des restaurierten Sakralbaus, der als Prunkstück des Ensembles auf dem Kalvarienberg gilt.
Historische Bedeutung und architektonische Besonderheiten
Die barocke Doppelkirche, bestehend aus der Heilig-Kreuz-Kirche und der Stiegenkirche, wurde zwischen 1711 und 1735 errichtet und ist weithin an ihren beiden schlanken Türmen, der sogenannten Krone von Tölz, erkennbar. Sie gehört zu einer der größten und bedeutendsten Anlagen dieser Art in Süddeutschland. Die Stiegenkirche beherbergt eine Nachbildung der Heiligen Treppe (Scala Santa) aus Rom, die aus Mittenwalder Sandstein gefertigt ist und nicht wie das Original aus Marmor.
Die gesamte Anlage auf dem Kalvarienberg, die einen Bergrücken oberhalb der Stadt einnimmt, umfasst neben der Doppelkirche eine kleinere Leonhardikapelle, einen Ölberg, einen Kreuzweg sowie eine szenische Kreuzannagelungskapelle. Der Kalvarienberg wird von den Bad Tölzern oft als schönster Balkon im Oberland bezeichnet, da er einen herrlichen Blick ins Isartal und auf das Karwendelgebirge bietet.
Umfangreiche Restaurierungsarbeiten im Innenraum
Während der dreijährigen Sanierung standen der Innenraum, die Heilige Stiege und die Ausstattung der Stiegenkirche im Fokus. Zahlreiche hoch spezialisierte, teils ortsansässige Handwerksbetriebe restaurierten unter der Anleitung des Ressorts Bauwesen und Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat München die historischen Elemente.
- Die Heilige Stiege aus Sandstein wurde entsalzt, ergänzt und gefestigt.
- Hölzerne Elemente wie Gestühl, Balustraden, Empore, Türen und Schränke wurden gereinigt, ertüchtigt und in ihren historischen Zustand zurückversetzt.
- Wand- und Tafelgemälde wurden gereinigt, stabilisiert und retuschiert.
- Das Deckengemälde, das die Auferstehung Christi zeigt, wurde restauriert, da es viele Risse aufwies und sich die Malschicht teilweise abgelöst hatte.
- Rund 100 Figuren, Gemälde, Krippenkästen und Miniaturszenen wurden an ihren ursprünglichen Ort zurückversetzt, darunter besonders bemerkenswerte kleinteilige Krippenkästen aus dem 18. Jahrhundert.
Finanzierung und neue Einrichtungen
Die Restaurierungsarbeiten wurden mit voraussichtlich 2,5 Millionen Euro finanziert, anteilig durch das Erzbischöfliche Ordinariat München und die Kirchenstiftung Heilig Kreuz. Die Kirchenstiftung hat zudem aus eigenen Mitteln mit einem Zuschuss der Erzdiözese im östlichen Teil der Kirche einen neuen Kerzenandachtsraum eingerichtet.
Kulturelles Erbe und spirituelle Bedeutung
Die Sammlung auf dem Kalvarienberg geht größtenteils auf die Stiftung Friedrich Nockhers (1669–1754) zurück, der auch die Heilige Stiege anfertigen ließ. Pfarrer Peter Demmelmair, Leiter des Pfarrverbandes Bad Tölz, betonte die große Bedeutung der Kirche für den gesamten Isarwinkel. Sie dient als Wallfahrtskirche und ist wichtig für die persönliche Spiritualität. Traditionell nehmen am Karfreitag viele Gläubige auf den Knien betend die 28 Stufen der Heiligen Stiege hinauf.
Bereits in den Jahren 2003 bis 2005 wurden Arbeiten an Statik, Dach und Fassade der Kirche durchgeführt. Die jüngste Sanierung hat nun den Innenraum in neuem Glanz erstrahlen lassen und dieses kulturelle Kleinod für kommende Generationen bewahrt.



