Das Ende einer Ära: Flutlichtmasten im Jahn-Sportpark gesprengt
Auf den Ruinen des historischen Jahnstadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark soll bald eine moderne Arena entstehen. Am Donnerstag wurden zwei der vier markanten Flutlichtmasten, liebevoll „Giraffen“ genannt, gesprengt. Für viele Anwohner bedeutet dies den Verlust eines wichtigen Wahrzeichens des Prenzlauer Bergs.
Ein lebenslanger Fan trauert um seine „Kirche“
Sven Friedrich, ein 61-jähriger Berliner, der sein ganzes Leben in dieser Gegend verbracht hat, steht im Mauerpark und blickt auf die Sprengstelle. „Die haben früher den ganzen Prenzlauer Berg erleuchtet“, sagt er über die 50 Meter hohen Stahlmasten aus den 1980er Jahren. Für Friedrich, einen lebenslangen Fan des BFC Dynamo, war das alte Jahnstadion „eine Kirche“. Er kritisiert die Entwicklung des Kiezes: „Ist doch mittlerweile tot hier. Welcher Tourist will denn das noch sehen?“
Verzögerungen und hohe Kosten beim Stadionabriss
Die Sprengung ist Teil des seit zwei Jahren andauernden Stadionabrisses, der immer wieder verzögert wurde. Zuerst wurde eine Spatzenbrut entdeckt, dann Asbest, dessen Abtransport nach Brandenburg noch Monate dauern wird. Das neue, barrierearme Stadion soll 20.000 Zuschauer fassen und kostet mit einer Viertelmilliarde Euro fast dreimal so viel wie ursprünglich geplant. Baubeginn ist in wenigen Monaten.
„Identifikation, die jetzt stirbt“ – auch für Fans des Rivalen
Andreas Gänge, ein Anwohner und Fan von Union Berlin, dem ewigen Rivalen des BFC Dynamo, zieht an seiner E-Zigarette. „Für mich ist das Identifikation, die jetzt stirbt“, sagt er. Obwohl er den BFC Dynamo als „Scheissverein“ bezeichnet, bedauert er den Abriss der Flutlichtmasten. „Das war der Verein von Mielke, jeder hat den damals gehasst. Aber heute ist das egal.“ Gänge fragt sich, warum alles zerstört werden muss, was in der falschen Zeit von den falschen Personen gebaut wurde.
Architektonische Integration statt Abriss?
Carmen Buro, seit zehn Jahren in Berlin, spaziert täglich am Jahnstadion vorbei. „Schade, dass die alten Relikte kaputtgemacht werden“, sagt sie. „Die hätte der Architekt doch integrieren können.“ Zwei der vier Flutlichtmasten bleiben zwar erhalten, werden aber im neuen Stadion nicht genutzt, da sie nicht den lichttechnischen Anforderungen moderner Sportereignisse entsprechen.
Der Moment der Sprengung: „Als wäre etwas Lebendiges gestorben“
Gegen 11 Uhr versammeln sich etwa zweihundert Schaulustige vor dem Stadioneingang. Nach einer halben Stunde Wartezeit ertönen Warntöne, gefolgt von zwei kurzen Knallen. Die Flutlichtmasten fallen nacheinander auf das Spielfeld. Innerhalb von zehn Sekunden ist alles vorbei. Sven Friedrich resümiert: „Krass. Das war, als wäre etwas Lebendiges gestorben.“ Für ihn waren es Giraffen, nicht bloß zwei Stahlmasten.
Die Sprengung markiert nicht nur das Ende eines Stadions, sondern auch den Verlust eines Stücks Berliner Identität. Während die Stadt in die Zukunft blickt, bleiben bei vielen Anwohnern gemischte Gefühle zurück.



