Die Zukunft des Münchner Gasteig: Sanierungsplan nimmt konkrete Formen an
Wie geht es weiter mit dem Münchner Gasteig? Diese Frage beschäftigt die Kulturstadt seit Jahren. Nun zeichnen sich konkrete Antworten ab, während die erfolgreiche Zwischennutzung durch die Fat Cat ihrem Ende entgegengeht.
Das Ende einer Ära: Fat Cat verlässt den Gasteig
Seit Juli 2023 hat die gemeinnützige Fat Cat GmbH die Räumlichkeiten des Gasteig mit Leben gefüllt. Kabarett, Comedy, Konzerte, Chorproben und Ateliers fanden hier eine temporäre Heimat. Zuletzt zog sogar die bekannte Lach & Schieß-Gesellschaft in den Kleinen Konzertsaal ein. Doch diese kreative Zwischennutzung endet definitiv am 30. September. Anschließend wird das Gebäude durch die Haustechniker der Gasteig GmbH stillgelegt, Teile der Einrichtung werden versteigert.
Warum eine Generalsanierung unumgänglich ist
Die Notwendigkeit der Sanierung ist vielfältig begründet. Die für Besucher unsichtbare Haustechnik ist veraltet und teilweise nicht mehr genehmigungsfähig. Es existieren Probleme mit dem Brandschutz, viele Bereiche sind nicht barrierefrei. Die Akustik der Philharmonie gilt als umstritten, Büros verschwenden viel Raum, und die Bibliothek entspricht nicht mehr aktuellen Anforderungen. Bereits 2017 beschloss der Münchner Stadtrat die Generalsanierung nach Entwürfen des Architekturbüros Henn.
Der aktuelle Stand der Planungen
Benedikt Schwering, Geschäftsführer der mit der Durchführung beauftragten Münchner Raumordnungsgesellschaft (MRG), informierte kürzlich den Bezirksausschuss Haidhausen-Au über den aktuellen Stand. Die MRG hat die Sanierung im September 2025 über ein Vergabeportal ausgeschrieben. Mehrere Generalunternehmer haben ernsthaftes Interesse bekundet und können bis Ende April Angebote abgeben.
Nach Prüfung dieser Angebote folgen im Sommer Vertragsverhandlungen. Im November soll ein finales Angebot vorliegen, über das der Stadtrat am 2. Februar 2027 abstimmen wird. Während der Generalunternehmer plant, wird ein anderes Unternehmen bereits Schadstoffe entsorgen und den Gasteig in den Rohbauzustand versetzen.
Zeitplan und Finanzierung des Mammutprojekts
Die eigentliche Sanierung soll 2029 beginnen und viereinhalb Jahre dauern. Anschließend wird das Gebäude etwa eineinhalb Jahre Schritt für Schritt in Betrieb genommen. Schwering rechnet optimistisch mit einer Eröffnung zu Silvester 2034.
Die Finanzierung stellt eine besondere Herausforderung dar. 2023 wurde ein Kostendeckel von 450 Millionen Euro beschlossen, doch angesichts gestiegener Baukosten gelten mittlerweile 600 bis 700 Millionen Euro als realistisch. Der Betrag soll in mehreren Tranchen am Kapitalmarkt beschafft werden. Nach Fertigstellung vermietet die MRG den Gasteig an die Stadt München – ein ähnliches Leasing-Modell wie bereits beim ursprünglichen Bau in den 1980er Jahren.
Kritik und Bedenken aus dem Bezirksausschuss
Bei der Informationsveranstaltung gab es auch kritische Stimmen. Mitglieder des Bezirksausschusses äußerten Bedenken, dass mit der Räumung begonnen werde, obwohl noch kein Generalunternehmer feststehe. Sie fürchten eine „ewige Ruine“. Zudem wurde bemängelt, dass der Gasteig 2034 mit einem dann fast 20 Jahre alten Nutzungskonzept eröffnet werde, ohne die wertvollen Erfahrungen der Fat Cat-Zwischennutzung zu berücksichtigen.
Anwohner sorgen sich um Baulärm, besonders da die Anlieferung über die Kellerstraße erfolgen soll. Ein Antrag auf verbindlichen Einsatz von Elektro-LKWs wurde als unrealistisch eingestuft, da solche Vorgaben einem Generalunternehmer nicht gemacht werden könnten.
Politische Dimensionen und der Freistaat
Die politische Unterstützung für das Projekt ist nicht einheitlich. Während Grüne und CSU die Generalsanierung befürworten, schimmert bei der SPD trotz grundsätzlicher Bereitschaft Skepsis angesichts der hohen Kosten durch. Der frühere Oberbürgermeister Dieter Reiter war kein Fan des Projekts, während der künftige Oberbürgermeister Dominik Krause als Aufsichtsratsvorsitzender der Gasteig GmbH involviert war.
Eine Zusammenarbeit mit dem Freistaat Bayern, der im Werksviertel einen eigenen Konzertsaal plant, erscheint unwahrscheinlich. Kunstminister Markus Blume hat mehrfach eine Kooperation abgelehnt und betont, der Freistaat wolle seine eigenen Verpflichtungen erfüllen.
Ein Kulturzentrum von monumentalen Ausmaßen
Die Dimensionen des Gasteig sind beeindruckend. Mit Nutz- und Funktionsflächen von 90.000 Quadratmetern ist das städtische Kulturzentrum größer als das ebenfalls sanierungsbedürftige Centre Pompidou in Paris und verfügt über mehr Räume als Versailles. Eine Sanierung nach 30 Jahren Nutzung gilt in der Immobilienwirtschaft als normaler Zyklus.
Die Gasteig GmbH plant, im Haus für Kinder an der Kellerstraße 8 eine Bauleitung einzurichten – eine Entscheidung, die zwar Kritik hervorruft, aber mit Sicherheitsbedenken während der Bauphase begründet wird.
Der Weg zur vollständigen Sanierung des Münchner Kulturmonuments ist lang und komplex, doch die Planungen nehmen nun konkrete Formen an. Ob der optimistische Zeitplan bis Silvester 2034 eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten.



