Ein Gutshaus, das schon alles war, und ein Mann, der schon im ganzen Bundesland kolossale Ruinen gerettet hat. Das Gutshaus in Lüssow, bei Gützkow, gehört nun dem bekannten Gutshausretter Knut Splett-Henning. Und das, obwohl er es eigentlich gar nicht haben wollte. Doch zuerst etwas Geschichte.
Hier wohnten schon Adel, Flüchtling und Typhuskranker
Das Herrenhaus im Neorenaissance-Stil liegt im Westen Lüssows. Erbaut wurde es um das Jahr 1868 und wurde seiner Größe wegen gerne auch „Schloss Lüssow“ genannt. Im Jahr 1946 wurde eine Typhus-Krankenstation in dem Gebäude eingerichtet und es diente als Flüchtlingsunterkunft. 1950 wurden schließlich Unterrichtsräume hergerichtet, da das Schulhaus zu klein wurde.
Etwa zwei Jahre später wurde der gesamte Unterricht nach „Schloss Lüssow“ verlegt. Ende der Sechzigerjahre wurden einige Baumaßnahmen vorgenommen, unter anderem wurde der Ostturm fast vollständig entfernt. Es folgten das Ende des Schulbetriebs, Jahre der Teilnutzung, des Raubes und des Vandalismus. Dank der Initiative Lüssower Bürger konnten das Dach erneuert und einige Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden. Nach dem Verkauf an einen US-Investor wollte dieser das Gebäude unverrichteter Dinge wieder abstoßen. Da kommt Knut Splett-Henning ins Spiel.
Zu protzig für den Gutshausretter
„Das Objekt haben wir ziemlich genau vor einem Jahr übernommen“, erzählt der Gutshausretter. Zusammen mit seiner Frau verfolgt er das Schicksal der Immobilie allerdings schon seit mehr als 15 Jahren. „Eigentlich wollen wir ein solches Haus wie dieses gar nicht haben, denn zum einen ist es mir zu angeberisch und zu groß und zum anderen hat es all die Dinge, die man nicht haben möchte“, führt er aus.
So sei das Gutshaus ein Mischmasch verschiedener Stile und Epochen, was architektonisch vor allem der Feuchtigkeit Gelegenheit gebe einzuziehen. Eingezogen ist neben der Feuchtigkeit auch ein ziemlich hartnäckiger Hausschwamm, also ein Holz zerstörender Pilz, der sich genüsslich durch die Dachbalken gefressen hat.
Weder Denkmalschutz noch Hausschwamm können den Profi schrecken
„Ich sag ja: ‚Jedes gute Haus hat Hausschwamm.‘ Also, es gibt recht viele, die einen haben, und der Hausschwamm selbst ist eigentlich auch ein ganz empfindlicher Organismus. Solange er Luft und Licht hat und nicht genug organisches Material bekommt, geht er tot beziehungsweise wird inaktiv. Also ich habe jetzt nicht so die große Angst davor“, erklärt der 55-Jährige.
Selbst der von vielen gefürchtete Denkmalschutz bereitet dem Gutshausretter keine Sorgen: „Also mit dem Denkmalschutz kann man letztendlich besser klarkommen, als mit dem Hausschwamm.“ Bauchschmerzen bereite ihm vor allem die unglaubliche Größe des Unterfangens.
Bei 3.500 Quadratmetern kann einem mulmig werden
„Das Schwierigste ist halt wirklich die große Fläche. Ich glaube, die Gesamtgeschossfläche liegt bei 3.500 Quadratmetern oder irgendwie sowas, so dass man einfach von so einer Fläche erschlagen wird“, sagt Knut Splett-Henning, über das Gebäude, mit ungefähr 100 Fenstern.
„Ich hatte mich kürzlich erst wieder mit einem Handwerker im Haus getroffen und hatte dann plötzlich so ein Piepen im Ohr. Also, ich habe dann auch mal wieder einen Schreck gekriegt, vor der eigenen Courage und dem, was ich hier mir selbst, meiner Frau und unserer ganzen Familie wieder antue– wieder so eine Sache aufzumachen, aber auf der anderen Seite ist das schon okay“, fährt er fort.
Gelernt ist gelernt – auch bei Gutshäusern
Denn Knut Splett-Henning ist alles andere als ein Amateur. Gearbeitet hat er unter anderem am Gutshaus Ramelow, dem Gutshaus Rensow, dem Gutshaus Gehren, dem Gutshaus Dahlen, dem Gutshaus Kowalz, dem Gutshaus Behren-Lübchin und dem Gutshaus Dölitz. Von den Medien gelegentlich als „Gutshaus-Guru“ bezeichnet, übt er auf Anfrage auch eine Beratertätigkeit für fremde Projekte aus.
Sein Ansatz: die Salamitaktik. Scheibchenweise vorgehen, bestimmte Bereiche aufpolieren und nutzbar machen, statt sich gleich auf alle Mängel zu stürzen und sich womöglich zu übernehmen. Auch seine unkonventionelle Denkweise sieht der Gutshausretter als Vorteil. „Jemand, der alles handbuchgetreu macht, würde wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“, schätzt Knut Splett-Henning.
Was wird aus dem protzigen Riesen?
Diese Herangehensweise spart laut Gutshausretter auch einiges an Geld. Eine vollständige Sanierung nach Handbuch, könnte seiner Einschätzung nach gut und gerne 15.000.000 Euro kosten. Knut Splett-Henning versucht es wesentlich günstiger: „Ich denke, dass man eine Nutzbarkeit des Objektes für 200.000 Euro hinkriegt. Also Nutzbarkeit insoweit, als dass man reingehen kann, ohne dass einem etwas auf den Deckel fällt, dass man vielleicht eine nutzbare Toilette hat, so etwas.“
Was konkret aus dem Gutshaus wird, ist noch offen. Knut Splett-Henning hat einige Ideen, spruchreif ist noch keine von ihnen, erklärt der Gutshausretter. Am Herzen läge ihm aber in jedem Fall, dass die aktuellen Bewohner des Hauses bleiben dürfen. Den Hausschwamm vielleicht ausgenommen.
Ein Schloss voller Tiere
„Im Keller könnten einige Fledermäuse ihr Winterquartier haben. Oben haben wir mehrere Mauersegler, Turmfalken und eine Schleiereule, glaube ich. In der Parkanlage haben wir dann noch ganz, ganz viele andere Bewohner, wie zum Beispiel den freundlichen Biber“, erklärt der 55-Jährige. Ihm sei es ein Anliegen, dass die Menschen vielleicht grundsätzlich mehr in Harmonie mit der Natur leben.
Im Lüssower Gutshaus sei „Platz genug“, wie er sagt. Im nächsten Schritt soll zunächst der Fußboden gesichert werden. Dann sollen einige Fenster ersetzt werden, vielleicht ein kleines Baubüro. Ziel ist es, im Gutshaus „sein“ zu können, erklärt Knut Splett-Henning. Idealerweise könnte man die erste Etage rudimentär nutzen, formuliert er ein wichtiges Etappenziel. Das Haus soll aber auch zugänglicher für die Öffentlichkeit werden.
Tag des offenen Schlosses und Flohmarkt
Den ersten Schritt macht der Gutshausretter am Samstag, 2. Mai, anlässlich des Flohmarkt- und Entdeckertags in Lüssow. Von 10 Uhr bis 15 Uhr können neben einem Straßenflohmarkt und Verpflegung im Speicher auch Teile des Schlosses besichtigt werden.
Zusätzlich finden zwei Führungen durch den Naturpark „Flusslandschaft Peenetal“ um jeweils 11 Uhr und 13 Uhr statt. Die Touren dauern zwischen 45 und 60 Minuten, starten am Lüssower Speicher und führen durch den Schlossgarten, wie es vom Veranstalter heißt.



