Lehmbau erlebt Renaissance: Neue Weiterbildungen für ökologisches Bauen in Wangelin
Der traditionelle Baustoff Lehm erfährt in Deutschland eine bemerkenswerte Wiederbelebung, insbesondere im Bereich des ökologischen Bauens. Die Europäische Bildungsstätte für Lehmbau in Wangelin widmet sich vollständig diesem nachhaltigen Material und hat nun ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm entwickelt, das sich sowohl an Fachleute als auch an interessierte Laien richtet.
Marktwandel und neue Herausforderungen
Der deutsche Markt für Lehmprodukte befindet sich in einem deutlichen Wandel. Ökologische Lehmprodukte sind mittlerweile in zahlreichen Baumärkten erhältlich, während traditionelle Bauunternehmen in Großstädten verstärkt in nachhaltige Bauprojekte investieren. Diese Bauwende gewinnt kontinuierlich an Dynamik, wodurch sich Lehm als etablierter Baustoff in der Gesellschaft festigt.
Für erfahrene Handwerker im Bereich Lehmputz bedeutet dieser Trend neue berufliche Herausforderungen. Es geht darum, sich durch spezialisierte Techniken und kreative Gestaltung zu profilieren. Gefragt sind hochwertige Oberflächen, innovative Ansätze und handwerkliches Können, das deutlich über standardisierte Arbeiten hinausgeht.
Umfangreiches Kursangebot mit internationalen Experten
Die Bildungsstätte in Wangelin bietet zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten an, die bis zu 90 Prozent gefördert werden können, mit einer maximalen Unterstützung von 3798 Euro. Ein zentraler Bestandteil des Programms ist der Lehrgang „Gestalter für Lehmputze (HWK)“, der unter der Leitung international anerkannter Experten wie Benito Steen und Kyle Holzhueter fortgeschrittene Techniken vermittelt.
Weitere Kurse beschäftigen sich mit modernen Materialien wie Magnesit und Hanfkalk. Der Kurs „Fußböden aus Steinholz/Magnesit“ findet vom 10. bis 12. April statt und vermittelt praxisnahe Kenntnisse zu diesem langlebigen Bodenbelag, der durch das Bauhaus bekannt wurde. Carsten Kuhn, ein erfahrener Experte aus Leipzig, leitet diesen Kurs mit dem Ziel, die Technik wieder populär zu machen.
Dreiteilige Baustellenkursreihe und Spezialkurse
Ab dem 17. April startet die dreiteilige Baustellenkursreihe an einem Strohballenhaus. Der erste Teil behandelt „Kalk-Sockelputz auf Porotonsteinmauerwerk“, gefolgt von Lehm-Ausgleichsputz im April und dem Auftrag von Lehmaußenputz mit einer Putzmaschine im Juni.
Für Einsteiger bietet der Kurs „Lehmputze“ ab dem 27. April grundlegende Einblicke in die ökologischen und gesundheitlichen Vorteile von Lehmputzen sowie deren praktische Anwendung. Am 29. Mai beginnt der „Tadelakt Baustellenkurs“, bei dem Restaurator Helge Tietze die Grundlagen und Techniken des marokkanischen Kalkglanzputzes vermittelt und dessen ästhetische sowie funktionale Vorteile hervorhebt.
Vom 2. bis 6. Juni steht der Baustellenkurs „Lehmaußenputz mit Putzmaschine“ auf dem Programm. Hier lernen Teilnehmer die Bedienung verschiedener Putzmaschinentypen und die Herstellung maschinengängiger Lehm-Stroh-Mischungen.
Attraktive Fördermöglichkeiten und praktischer Nutzen
Diese Weiterbildungen bieten einen umfassenden Einstieg in die Arbeit mit nachhaltigen Baustoffen und sind durch die großzügigen Fördermöglichkeiten auch für Solo-Selbstständige besonders attraktiv. Die Bildungsstätte wirbt mit dem Motto „Sero venientibus ossa“, was übersetzt bedeutet: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ – ein Hinweis auf die wachsende Bedeutung ökologischer Bauweisen.
Interessierte können sich für Anmeldungen und weitere Informationen direkt an die Europäische Bildungsstätte für Lehmbau Wangelin wenden. Das umfangreiche Kursprogramm unterstreicht die zunehmende Relevanz traditioneller und nachhaltiger Bautechniken in der modernen Bauwirtschaft.



