In Sangerhausen steht ein historisches Reiterstellwerk vor dem Abriss. Das rund 100 Jahre alte Gebäude muss dem geplanten Ausbau der Bahnstrecke weichen. Die Entscheidung sorgt für gemischte Reaktionen in der Bevölkerung und bei Denkmalschützern.
Ein Stück Eisenbahngeschichte
Das Reiterstellwerk, das in den 1920er Jahren erbaut wurde, ist eines der wenigen noch erhaltenen Exemplare seiner Art in Sachsen-Anhalt. Es diente jahrzehntelang zur Steuerung des Zugverkehrs auf der wichtigen Nord-Süd-Strecke. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Stellwerkstechnik verlor es jedoch an Bedeutung und wurde schließlich außer Betrieb genommen.
Warum der Abriss notwendig ist
Die Deutsche Bahn plant einen umfassenden Ausbau der Strecke zwischen Halle und Kassel, um die Kapazität für den Personen- und Güterverkehr zu erhöhen. Das Reiterstellwerk steht direkt im Trassenbereich der neuen Gleise und muss daher weichen. Laut Bahn-Sprecher sei eine Versetzung des Gebäudes aus technischen und finanziellen Gründen nicht möglich.
Reaktionen aus der Region
Der Heimatverein Sangerhausen bedauert den geplanten Abriss. „Das Stellwerk ist ein bedeutendes Zeugnis der Eisenbahngeschichte unserer Stadt. Es wäre wünschenswert gewesen, es als technisches Denkmal zu erhalten“, so der Vorsitzende. Auch einige Bürger fordern eine erneute Prüfung von Alternativen. Die Stadtverwaltung hingegen betont, dass der Bahnausbau für die wirtschaftliche Entwicklung der Region unerlässlich sei und der Abriss unvermeidbar.
Zukunft des Bahnausbaus
Der Ausbau der Strecke soll bis 2030 abgeschlossen sein. Neben der Beseitigung des Stellwerks sind auch andere Bauarbeiten wie Lärmschutzwände und neue Brücken geplant. Die Deutsche Bahn verspricht, dass der neue Streckenabschnitt zuverlässigere Verbindungen und kürzere Reisezeiten bringen wird.
Trotz der Kritik wird der Abriss des Reiterstellwerks in den kommenden Monaten beginnen. Ein Stück Industriekultur wird damit für immer verschwinden – im Namen des Fortschritts.



