Staatsbibliothek Berlin schließt für elf Jahre: Sanierung wird zur Mammutaufgabe
Staatsbibliothek schließt elf Jahre für Sanierung

Staatsbibliothek Berlin: Elf Jahre Schließung für umfassende Sanierung

Die Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße in Berlin steht vor einer epochalen Veränderung. Ab dem Jahr 2030 wird das ikonische Gebäude für voraussichtlich elf Jahre komplett geschlossen sein. Diese lange Schließungsphase ist notwendig, um eine umfassende Sanierung und Modernisierung durchzuführen, die unter strengen Denkmalschutzauflagen und aufgrund erheblicher Schadstoffbelastungen erfolgen muss.

Gründe für die lange Schließungsdauer

Mit einer Brutto-Grundfläche von rund 114.000 Quadratmetern ist die Staatsbibliothek doppelt so groß wie die Neue Nationalgalerie oder die Philharmonie. Die architektonische Besonderheit des von Hans Scharoun entworfenen Baus aus dem Jahr 1978 erschwert die Arbeiten erheblich. Die offenen, terrassenförmig gestaffelten Lesesäle und die 202 lichtdurchfluteten Kalotten aus Polyester machen eine teilweise Sanierung bei laufendem Betrieb unmöglich.

Ein zentrales Problem ist der in der Zwischendecke verborgene Asbest. Insgesamt müssen etwa 30.000 Tonnen Schadstoff entfernt werden, was allein vier Jahre in Anspruch nehmen wird. Dafür sind 273 hermetisch abgeschirmte Baustellen im gesamten Gebäude geplant, die nur von spezialisierten Firmen bearbeitet werden dürfen.

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Herausforderungen durch Denkmalschutz

Da die Staatsbibliothek unter Denkmalschutz steht, muss jeder einzelne Bauteil dokumentiert, katalogisiert und nach der Reinigung wieder originalgetreu eingebaut werden. „Nur die Hülle bleibt“, erklärt Sebastian Pohle, Projektleiter beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. „Ein Gebäude wie die Staatsbibliothek fasst man nur einmal im Leben so an. Es ist auch nicht in zwei, drei Jahren zu schaffen wie bei einem Neubau.“

Allein für die Zwischenlagerung der ausgebauten Elemente wird eine Fläche von 11.000 Quadratmetern benötigt. Selbst der kunstvoll gestaltete Fußboden im Foyer, ein 5.000 Quadratmeter großes Puzzle aus Schieferplatten, muss aufgrund schadstoffhaltiger Fugen komplett entfernt und aufbereitet werden.

Folgen für die Nutzer

Für die bis zu 3.000 täglichen Nutzer der Staatsbibliothek bedeutet die Schließung eine erhebliche Einschränkung. Viele fühlen sich von der überraschenden Ankündigung vor den Kopf gestoßen. Der Historiker Tobias Becker, ehemaliges Mitglied des Nutzendenrats, kritisiert: „Für uns, aus Sicht der Nutzenden, sind die Pläne eine Katastrophe.“ Er bemängelt, dass alternative Arbeitsplätze in anderen Berliner Bibliotheken wie dem Grimm-Zentrum oder der FU-Bibliothek bereits jetzt überlastet seien.

Besonders betroffen sind Studierende und Wissenschaftler, die auf die Infrastruktur der Staatsbibliothek angewiesen sind. „Wohin wir gehen werden, kann ich Ihnen nicht sagen“, so Becker. Die Bibliotheksleitung hatte zwar einen Nutzendenrat eingerichtet, dieser wurde jedoch nach einer Amtszeit nicht fortgeführt, da sich das Format als ungeeignet erwies. Stattdessen plant man nun ein flexibleres Beteiligungsformat.

Ausblick und Alternativen

Bis 2030 bleiben den Nutzern noch vier Jahre, um die Staatsbibliothek in ihrer jetzigen Form zu nutzen. Anschließend werden die 5,4 Millionen Bücher ausgelagert und die 640 Mitarbeiter in einen Neubau am Kulturforum umziehen. Nach der Sanierung soll die Staatsbibliothek rund um die Uhr besuchbar sein und mit modernster Technik ausgestattet werden.

Dennoch bleibt die Frage, wie die Berliner Kulturszene diese lange Schließungsphase überbrücken wird. Die Staatsbibliothek ist nicht nur ein Bücherschiff, sondern ein lebendiger Ort des Wissens und der Begegnung, dessen Fehlen spürbar sein wird.

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