Staatsbibliothek Berlin schließt für elf Jahre: 1,1 Milliarden Euro Sanierung ab 2030
Staatsbibliothek schließt für elf Jahre: 1,1 Mrd. Euro Sanierung

Staatsbibliothek schließt für elf Jahre: Mammut-Sanierung kostet 1,1 Milliarden Euro

Die Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße in Berlin, ein architektonisches Meisterwerk von Hans Scharoun, steht vor der größten Sanierung ihrer Geschichte. Ab dem Jahr 2030 wird das ikonische Gebäude für volle elf Jahre komplett geschlossen bleiben. Die umfassende Renovierung des 1978 eröffneten Bauwerks wird bis zur geplanten Wiedereröffnung im Jahr 2041 insgesamt 1,1 Milliarden Euro kosten.

Beliebter Treffpunkt mit akuten Problemen

Die Staatsbibliothek ist extrem frequentiert: An Werktagen strömen bis zu 3000 Besucher in das Gebäude, manchmal bilden sich sogar Warteschlangen vor dem Eingang. Dieser intensive Betrieb hat Spuren hinterlassen. Die Sanierung ist seit vielen Jahren überfällig, wie zahlreiche Mängel deutlich machen. In den Sanitäranlagen herrscht akuter Notstand, ein Viertel der Aufzüge funktioniert nicht, und im Lesesaal des Ibero-Amerikanischen Instituts steht dauerhaft ein Eimer, um tropfendes Wasser von der Decke aufzufangen.

Reinhard Altenhöner, stellvertretender Direktor der Bibliothek, konstatierte deutlich: „Die Bibliothek ist massiv heruntergerockt.“ Hinzu kommt eine erhebliche Schadstoffbelastung durch Asbest, die dringend saniert werden muss.

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Logistische Herausforderungen gigantischen Ausmaßes

Bis zur Schließung 2030 laufen umfangreiche Vorbereitungen hinter den Kulissen. Die größte logistische Herausforderung: 5,4 Millionen Bücher müssen ausgeräumt und zwischengelagert werden. Für diesen Bücherumzug werden 11.000 Quadratmeter Lagerfläche benötigt. Parallel müssen 2000 Kilometer Elektrokabel ausgetauscht und an 273 verschiedenen Stellen Schadstoff-Baustellen eingerichtet werden.

Das Bundesministerium für Kultur und Medien stellt zusätzlich 350 Millionen Euro für Teuerungen und Risiken als Sicherheitsreserve bereit. Für die 650 Mitarbeitenden der Bibliothek entsteht ein neues Ausweichquartier an der Tiergartenstraße, wo die Stiftung Preußischer Kulturbesitz noch ein Grundstück besitzt.

Architektonische Wiederbelebung mit neuen Nutzungskonzepten

Stephan Schütz vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner, das 2019 den Wettbewerb für die Sanierung gewann, zeigte sich begeistert von den geplanten Maßnahmen: „Das ursprüngliche Konzept von Scharoun soll zurückgewonnen werden.“ Einbauten aus den 1980er und 1990er Jahren werden entfernt, Barrieren im Eingangsbereich abgebaut und die Buchsicherung künftig über in die Buchrücken integrierte Chips realisiert.

Besonders innovativ ist das neue Nutzungskonzept:

  • Der Parkplatz vor dem Haupteingang wird in eine Grünfläche umgewandelt
  • Bislang ungenutzte Terrassen (die „Decks“ von Scharouns „Bücherschiff“) werden zugänglich gemacht
  • Eine neue Passage durchquert das Gebäude von der Potsdamer Straße bis zum Marlene-Dietrich-Platz
  • Im hinteren Foyerbereich entsteht eine eigene Gastronomie

Problematische Situation für die Nutzer

Für die täglich Tausenden Besucher bedeutet die elfjährige Schließung eine Form von Heimatlosigkeit. Bibliotheken haben sich zu wichtigen „dritten Orten“ entwickelt, an denen Menschen sich ohne Konsumzwang begegnen können. Präsidentin Marion Ackermann, die erst kürzlich ihr Amt antrat, räumte ein: „Erstaunlicherweise hat an die Nutzer bisher niemand gedacht.“

Sie versprach, nach Lösungen zu suchen, und hatte bereits eine erste Idee: Vielleicht könnten die Foyers der Staatlichen Museen als Ausweichquartiere dienen, die ebenfalls zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehören. Für die Nutzer des Ibero-Amerikanischen Instituts gibt es eine gute Nachricht: Sie ziehen mit ihrem Lesesaal in den neuen Gebäudekomplex an der Tiergartenstraße ein.

Für alle anderen Bibliotheksbesucher bleibt die Situation schwierig. Sie müssen sich in anderen Berliner Bibliotheken umschauen, die bereits jetzt überlastet sind. Die Sanierung der Staatsbibliothek wird zwar dringend benötigt, stellt aber eine erhebliche Belastung für die Berliner Bildungs- und Kulturlandschaft dar.

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