Drei Jahrzehnte grünes Fest in München: Wetterkapriolen verhindern Umzug
In der bayerischen Landeshauptstadt wird heute der St. Patrick's Day begangen – bereits zum 30. Mal. Trotz anhaltenden Schmuddelwetters versammeln sich Irinnen, Iren und Münchner Einheimische, um mit traditioneller Musik und in grüner Festtagskleidung den Todestag des irischen Nationalheiligen zu feiern. Laut den Veranstaltern handelt es sich um das größte derartige Fest auf dem europäischen Festland. Die geplante Parade musste jedoch wetterbedingt abgesagt werden, was vielen Teilnehmern einen Strich durch die Rechnung macht.
Von bescheidenen Anfängen zur Großveranstaltung
Im Jahr 1996 initiierte Paul Daly, Betreiber eines Schwabinger Pubs, gemeinsam mit drei Freunden die erste Münchner St. Patrick's Day Parade. „Ein Stammgast ist damals mit dem Vorschlag auf mich zugekommen“, erinnert sich der Gastronom. Während die Organisatoren im ersten Jahr mit lediglich 200 Teilnehmern rechneten, strömten schließlich 3.000 Menschen zu dem Ereignis. Dieser überwältigende Zuspruch markierte den Startpunkt für eine beeindruckende Entwicklung.
Bis zum Jahr 2019 wuchs das Festival kontinuierlich an und lockte rund 50.000 Besucherinnen und Besucher an, die den farbenfrohen Umzug verfolgten und das irische Nationalfest gemeinsam feierten. Aus den ursprünglich vier Gründungsmitgliedern sind heute zwischen 15 und 20 engagierte Organisatorinnen und Organisatoren geworden, die das Event planen und durchführen.
Struktur und Engagement hinter den Kulissen
Inzwischen liegt die Veranstaltung in den Händen des Munich Irish Network, einem Zusammenschluss verschiedener irischer Vereine und Gruppen in München. Dazu zählen unter anderem:
- Irische Rugbyvereine
- Traditionelle Tanzgruppen
- Der Deutsch-irische Freundeskreis Bayern
Rund 200 Ehrenamtliche unterstützen das Festival-Wochenende tatkräftig. Sie arbeiten in Essens- und Getränkeständen, sorgen für die Sicherheit der Gäste und ermöglichen so das gemeinsame Feiern. Die Motivation aller Beteiligten ist nach wie vor die Förderung der deutsch-irischen Freundschaft, der kulturelle Austausch und das gemeinsame Zelebrieren von Kunst, Tradition und Lebensfreude.
Paul Daly, mittlerweile als Berater im Hintergrund aktiv, gibt sein über drei Jahrzehnte gesammeltes Wissen an die nächste Generation weiter. „Es freut mich, dass immer wieder junge Leute nachkommen, die das Festival weiter gestalten wollen“, betont der Pionier des Münchner St. Patrick's Day.
Erfolgsgeheimnis und städtische Unterstützung
Daly erklärt den anhaltenden Erfolg der Veranstaltung mit ihrer grundsätzlichen Ausrichtung: „Der St. Patrick's Day ist einfach ein friedliches, weltoffenes und familienfreundliches Fest. Grün ist die Farbe der Hoffnung – und des Frühlings. Genau das, was man im März nach einem langen Winter braucht.“
Mit dem Wachstum des Festivals haben sich auch die organisatorischen Anforderungen verändert. Heute ist eine enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung unerlässlich. Diese kümmert sich um die Absicherung des Umzugs, die Regelung des Straßenverkehrs und weitere logistische Herausforderungen. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) fungiert seit Jahren als Schirmherr der Veranstaltung und unterstreicht damit die Bedeutung des Festes für das städtische Leben.
Historischer Hintergrund und Programm
Der heilige Patrick lebte im 5. Jahrhundert und stammte ursprünglich aus der römischen Provinz Britannien. In jungen Jahren wurde er nach Irland verschleppt und wirkte später als erster christlicher Missionar auf der Insel. Der Legende nach nutzte er ein dreiblättriges Kleeblatt, um die Dreifaltigkeit – Vater, Sohn und Heiliger Geist – zu erklären. Seither gilt das Kleeblatt als irisches Nationalsymbol.
Das diesjährige Festival begann bereits am Samstag vor der Feldherrnhalle mit Live-Konzerten und gastronomischen Ständen. Als Höhepunkt sollte heute ab 12:00 Uhr die traditionelle St. Patrick's Day Parade von der Münchner Freiheit bis zum Odeonsplatz ziehen. Das unbeständige März-Wetter hat diesen Plan jedoch durchkreuzt. Trotzdem feiern die Besucherinnen und Besucher weiter – ein Beweis für die ungebrochene Beliebtheit dieses besonderen kulturellen Ereignisses in München.



