Karnevals-ABC: Von Alkohol bis Zersetzung - Das Lexikon der fünften Jahreszeit
Karnevals-ABC: Das Lexikon der fünften Jahreszeit

Das große Karnevals-ABC: Ein Leitfaden durch die fünfte Jahreszeit

Die fünfte Jahreszeit mit ihren eigenen Regeln, Begriffen und Traditionen kann für Außenstehende durchaus verwirrend sein. Was genau ist ein I-Kostüm? Welche Rolle spielt ein Grapscher beim Rosenmontagszug? Und wer war eigentlich Ernst Neger? Dieses umfassende Karnevals-ABC von A bis Z bietet Orientierung im karnevalistischen Treiben und beleuchtet historische Hintergründe, lokale Besonderheiten und kuriose Fakten.

Von Alkohol bis Dreigestirn: Grundbegriffe des Frohsinns

A wie Alkohol: „Der Satz 'Ich kann auch ohne Alkohol Karneval feiern' gehört definitiv ins Reich der Legenden“, stellt Manuel Andrack fest. Tatsächlich ist der Konsum alkoholischer Getränke tief in der Karnevalskultur verwurzelt.

B wie Bier: In den Karnevalshochburgen ist Bier nicht immer nach jedermanns Geschmack. Der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll bezeichnete Kölsch als „harntreibendes Lokalgebräu“. Für Düsseldorfer Altbier kursiert die beliebte Umschreibung „Sterbehilfe mit drei Buchstaben“.

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C wie Carneval, König: Ursprünglich gab es im Karneval keinen Prinzen, sondern einen „König Carneval“ – damals noch mit „C“ geschrieben. Im 19. Jahrhundert griffen jedoch preußische Behörden ein mit der Begründung: In Preußen gibt es nur einen König, und der residiert in Berlin.

D wie Dreigestirn: Dieses regierende Triumvirat aus Prinz, Bauer und Jungfrau stellt die höchste Repräsentation des Kölner Karnevals dar und hat eine lange Tradition.

Von Enthemmung bis Küpper: Traditionen und historische Figuren

E wie Enthemmung, befristete: Die kalendarisch vorgeschriebene „Witzischkeit“ des Karnevals hält exakt fünf Tage an. Die Devise lautet eindeutig: Heute ausgelassen feiern, morgen wieder brav in der Reihe tanzen.

F wie Fasching: In Köln und Düsseldorf ist diese Bezeichnung absolut verpönt. In einem Kölner „Tatort“ stöhnte Kommissar Max Ballauf einmal über das „Faschingsfieber“. Darauf erwiderte Gerichtsmediziner Joseph Roth: „Sag noch einmal 'Fasching' zu jemandem, der dich nicht so lieb hat wie ich, und du bist in Köln ein toter Mann.“

G wie Grapscher: Diese umstrittene Figur spannt beim Karnevalszug demonstrativ den Schirm auf, um möglichst viele Kamelle aufzufangen, und tritt notfalls sogar einem Kind auf die Finger, um sich einer begehrten Tafel Schokolade zu bemächtigen.

K wie Küpper, Karl: Der mutigste Büttenredner in der Geschichte des Karnevals erhob während der Nazi-Zeit die Hand zum Hitlergruß, sagte aber statt „Heil Hitler“ bewusst: „Is et am rähne?“ (Ist es am Regnen?). Wegen „Verächtlichmachung des deutschen Grußes“ erhielt er ein lebenslanges Auftrittsverbot.

Von Möbelhaus bis Wildpinkler: Gesellschaftliche Phänomene

M wie Möbelhaus: Dieser Ort dient als Fluchtpunkt für nicht karnevalisierbare Gegner des organisierten Frohsinns. Ihr Motto lautet treffend: „Der Trick ist, dass man sich verpisst, bis wieder Aschermittwoch ist.“

N wie Neger, Ernst: Der größte Star der Mainzer Fastnacht lebte von 1909 bis 1989. Eine interessante Theorie besagt, dass sein bekanntes Lied „Heile heile Gänsje“ den schuldbeladenen Deutschen der Nachkriegszeit unterschwellig die Vergebung der Sünden suggerierte.

Q wie Querulantentum: Falls man durch geworfene Kamelle oder andere Wurfgeschosse beim Rosenmontagszug verletzt wird, hat man sich dies selbst zuzuschreiben. Das örtliche Amtsgericht stellte klar: Kamelle-Werfen sei in Köln „sozial üblich, allgemein anerkannt und erlaubt“.

W wie Wildpinkler: Deren ätzender Urin stellt eine ernsthafte Gefahr dar, da er das jahrhundertealte Gestein des weltberühmten Kölner Doms nachhaltig zersetzt.

Von Y-Chromosom bis Zersetzung: Gesellschaftskritische Aspekte

Y wie Y-Chromosom: Der Karneval bleibt eine männerdominierte Veranstaltung. Als Carolin Kebekus zu Beginn ihrer Karriere telefonisch anfragte, ob sie in einer bestimmten Karnevalssitzung auftreten könne, erhielt sie häufig die Antwort: „Der Frauen-Slot ist leider schon besetzt.“

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Z wie zersetzend: Die „zersetzenden und gehässigen Satiren“ des Karnevals waren dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer ein echter Dorn im Auge. Er wollte gerichtlich dagegen vorgehen, doch das Bundesjustizministerium riet entschieden ab mit der Begründung: Kölner Richter sind vermutlich ebenfalls karnevals-affin.

Dieses ABC zeigt deutlich: Der Karneval ist weit mehr als nur bunte Kostüme und laute Musik. Er verkörpert eine komplexe Kultur mit eigener Sprache, historischen Wurzeln und gesellschaftlicher Relevanz, die von humorvoller Satire bis zu ernsthafter Gesellschaftskritik reicht.